Trump-Besuch in Israel Frischer Wind in Nahost

Nach außen hin ein harmonisches Treffen: US-Präsident Trump (rechts) besucht Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Foto: Getty
Nach außen hin ein harmonisches Treffen: US-Präsident Trump (rechts) besucht Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Foto: Getty

Für Israel ist die Konstellation im Nahostkonflikt derzeit günstig. Premier Netanjahu muss die Chance allerdings nützen, die ihm US-Präsident Trump bietet, meint die Israel-Korrespondentin Inge Günther.

Korrespondenten: Inge Günther (geg)
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Jerusalem - An Donald Trump, dessen bisherige Regierungszeit in Washington oft genug einer clownesken Reality-Show gleicht, lässt sich vieles kritisieren. Bei seiner Nahost-Reise hat der US-Präsident indes keine schlechte Figur gemacht. Es fällt einem zwar schwer, ausgerechnet Trump, der mit den Saudis Waffengeschäfte über 350 Milliarden Dollar angebahnt hat, die Rolle eines Friedensstifters abzunehmen, aber die knallharte Interessenpolitik, die damit einhergeht, bringt zumindest frischen Wind in die erstarrten Verhältnisse im israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Rechnung ist simpel. Die arabische Welt unter saudischer Führung ist bereit, sich mit Israel an der Seite der USA zu einer Allianz gegen den Iran zu verbünden. Vorausgesetzt, die Regierung Benjamin Netanjahu bewegt sich auf die Palästinenser zu. Diese Botschaft brachte Trump aus Riad nach Jerusalem mit.

Natürlich gefällt dem israelischen Premier der erste Teil dieses Angebots besser als der zweite. In seiner nationalrechten Koalition gibt es erheblichen Widerstand gegen echte Zugeständnisse an die Palästinenser. Dort hatte man auf Trump gesetzt, um in den besetzten Gebieten frei schalten und walten zu können. Die Siedlerlobby um den Ultranationalisten Naftali Bennett kann es noch immer kaum fassen, dass der neue Mann im Weißen Haus lieber vom „ultimativen Deal“, einem israelisch-palästinensischen Friedenschluss, redet. Bisher hatte auch Netanjahu vor Bennett, der ihm politisch durchaus gefährlich werden kann, meistens gekuscht. Aber der Schulterschluss mit Trump hat für den Premier Vorrang, um es mit dem iranischen Hegemonialstreben aufzunehmen.

Vieles hängt von Netanjahus Courage ab

Das entschiedene Plädoyer des saudischen Königs Salman für eine Zwei-Staaten-Lösung hat es wiederum dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas ermöglicht, sich flexibler zu verhalten. So fragwürdig Trumps Dämonisierung des Regimes in Teheran ist: Die Konstellationen im Nahen Osten sind für Israel günstig wie selten, um neue Verhandlungen auf den Weg zu bringen. Es liegt an Netanjahu, sie auch zu nutzen. Vor allem von seiner Courage hängt jetzt ab, ob eine regionale Friedenskonferenz zustande kommt.

Großen Druck von Trump muss der israelische Premier allerdings kaum befürchten. Trump beließ es bis zum Schluss nach außen hin bei vagen Visionen. Das nährt den Verdacht, dass es ihm mehr um die große Show geht, aus der nichts als wohlfeile Absichtserklärungen erfolgen. Zu bezweifeln ist auch, dass der sprunghafte Trump konsequent handelt. Aber eine neue Chance ist da.

Hinter den Kulissen dürfte über Detailforderungen wie Siedlungsstopp und Anerkennung Israels als jüdischer Staat schon jetzt recht konkret gesprochen worden sein. Und wer weiß, vielleicht ist gerade Trump als erfahrener Businessman in der Lage, den großen Deal in Nahost einzufädeln. Einer, bei dem alle Seiten mehr zu gewinnen als zu verlieren haben. Bei aller Skepsis: Bis zum Beweis des Gegenteils verdient Trump etwas Kredit.




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