Donald Trump Trumps Kulturkampf erreicht US-Schulen in Stuttgart

, aktualisiert am 11.02.2025 - 16:35 Uhr
Bücher in US-Schulen in Stuttgart müssen künftig auf „Gender-Ideologie“ und „diskriminierende Gerechtigkeitsideologie“ überprüft werden. Foto: picture alliance/dpa

Auf Geheiß des amerikanischen Präsidenten werden auch in Pentagon-Schulen in Deutschland Bücher aus dem Verkehr gezogen. Nicht alle sind darüber erzürnt.

Bei einer Versammlung mit Pentagon-Mitarbeitern fackelt der neue US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht lange. „Ich denke, der dämlichste Satz in der Militärgeschichte ist: ‚Unsere Vielfalt ist unsere Stärke‘“, sagt Hegseth am Freitag. „Ich denke, unsere Stärke liegt in unserer Einheit.“ Hegseth fügt hinzu, dass Menschen gleich behandelt werden sollten, unabhängig von ihrem Hintergrund, ihrer Erziehung, ihrem Geschlecht, ihrer Ethnie. Sie sollten nach Leistung und Engagement beurteilt werden. „So war es. So wird es sein“, so der Ex-Major der Nationalgarde von Minnesota.

 

Fünf Schulen in Stuttgart und Böblingen

Gesagt, getan: Alle Schulen des US-Verteidigungsministeriums, darunter auch die in Stuttgart, dürfen nicht länger die Geschichte der Afro-Amerikaner und die Beiträge anderer Gruppen zur US-Geschichte feiern. Außerdem wurden die Schulbibliothekare angewiesen, Bücher daraufhin zu untersuchen, ob sie „Gender-Ideologie“ oder „diskriminierende Gerechtigkeitsideologie“ enthalten. Hintergrund sind entsprechende Erlasse von Präsident Donald Trump.

In Stuttgart und Böblingen unterhält das Pentagon fünf Schulen: drei Grundschulen, eine Middle School und eine High School mit mehr als 3000 Schülern. In Deutschland sind es 30, weltweit 161 Schulen für Militärangehörige. Pentagon-Schulen zählen zu den besten öffentlichen Schulen der USA.

Die US-High School in der Böblinger Panzerkaserne. / Granville

„Nach den Exekutivverordnungen des Präsidenten mit dem Titel ,Frauen vor dem Extremismus der Geschlechterideologie schützen und die biologische Wahrheit in der US-Regierung wiederherstellen‘ und ,Die radikale Indoktrination im Schulwesen beenden‘“, überprüfe die Militärschulbehörde das Lehrmaterial, teilte ein Sprecher mit. Etliche Bücher seien den Schülern nicht mehr zugänglich, bis eine gründlicher Prüfung abgeschlossen sei. Um welche Buchtitel es sich dabei handelt, wurde nicht gesagt.

Die „Washington Post“ zitiert aus einem Memorandum der Schulbehörde und nennt gestopptes Material: das Kapitel eines Psychologie-Kurses für High-School-Schüler, in dem es um Gender und Sexualität geht; Fünftklässler-Lehrmaterial zur Einwanderungsgeschichte; das Buch „Becoming Nicole“, in dem es um eine Familie geht, die ihre Transgender-Tochter akzeptieren lernt; Lehrmaterial für Sechstklässler zum Monat über die Schwarzen-Geschichte (Black History Month).

In sozialen Medien formierte sich Protest: „Sie entfernen Bücher, die sie für unangebracht halten wie zum Thema LGBTQ+ und welche, die auch andernorts verbannt wurden“, heißt es auf der Plattform Reddit. Jemand schlug vor, man solle in Bücherschränken vor Kasernen jene Bücher platzieren, die aus dem Verkehr gezogen wurden.


Schadet das dem Ansehen der Streitkräfte?

Kritiker, darunter hohe Ex-Offiziere, beklagen, dass Trump und Hegseth das Militär in Amerikas politische Konflikte und Kulturkämpfe hineinziehen und so die überparteiliche Unterstützung auf dem Spiel stehe – und damit das Ansehen der Streitkräfte, die alles daran setzen, unpolitisch zu sein.

Auch in den Stuttgarter Patch Barracks wird unterrichtet. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

In der Stuttgarter US-Militärgemeinde stoßen die neuen Maßnahmen nicht nur auf Ablehnung. „Fragen der Sexualität gehören nicht in eine Grundschule“, meint ein US-Offizier und Vater zweier Kinder. „Da sollten ihnen keine Ideologien in den Kopf gepflanzt werden, wie das in anderen Kulturkreisen der Fall ist“, meint er mit Blick auf seine Einsatzerfahrungen im Mittleren Osten und in Afrika.

Eine schwarze Zivilbedienstete pflichtet bei: Amerika sei beim Feiern von Vielfalt zu weit gegangen. Sie könne ohne einen Black-History-Monat gut leben. Die Mutter zweier erwachsener Kinder meint: „Die Schulen sollten den Jungen nicht beibringen, dass es okay ist, Mädchen zu sein.“

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