Trumpf, Daimler & Co. Was Toptalente bei Firmen erwartet
Im Wettbewerb um heiß begehrte Talente setzen viele Unternehmen gezielt auf Förderprogramme. Was Uni-Absolventen bei Firmen wie Daimler, Bosch und Trumpf erwartet.
Im Wettbewerb um heiß begehrte Talente setzen viele Unternehmen gezielt auf Förderprogramme. Was Uni-Absolventen bei Firmen wie Daimler, Bosch und Trumpf erwartet.
Für Unternehmen spielen die Rekrutierung und Förderung gut ausgebildeter Nachwuchskräfte eine wichtige Rolle. Im Wettbewerb um Toptalente, die die Themen der Zukunft mitgestalten, setzen Unternehmen zunehmend auf spezielle Förderprogramme und Trainees. Dabei werden die Nachwuchskräfte in Projekte eingebunden, unter anderem im Ausland, und lernen früh, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.
Beispiel Trumpf: Wer einen überdurchschnittlichen Masterabschluss hat oder gar eine Promotion vorweisen kann, hat bei dem Ditzinger Maschinenbauer die Chance auf ein zweijähriges Talentprogramm, das sogenannte Trumpf Graduate Program. Voraussetzungen sind auch internationale und praktische Erfahrungen. Zweimal im Jahr starten jeweils mehrere Programmteilnehmer. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich – kaufmännisch, technisch und digital.
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„Die Bewerber haben viele Einflussmöglichkeiten und Spielräume“, sagt Katrin Weber, die das Talentprogramm verantwortet. Miguel Villanueva hat diese genutzt und sich während seines Trainees entsprechende Projekte ausgesucht. Der 32-jährige Mexikaner, der BWL studiert und das Talentprogramm durchlaufen hat, ist zum Vertriebsleiter für Trumpf Werkzeugmaschinen für Mittel- und Südamerika aufgestiegen und mittlerweile sieben Jahre bei dem Maschinenbauer.
„Während des Traineeprogramms habe ich den Vertrieb kennengelernt und entdeckt, dass mir das am besten gefällt“, sagt er. Zuvor hatte er sich seine Zukunft im Finanzbereich vorgestellt. Doch nachdem er verschiedene Stationen durchlaufen hatte – im internationalen Vertrieb, im Controlling und im Marketing –, die ihn unter anderem nach Mexiko und in die USA geführt hatten, hat er seine Meinung geändert. „Ich reise gern und will international arbeiten“, sagt er. Seit März ist er in Kolumbien, um dort den Markt für Trumpf zu erschließen.
Ganz anders etwa hat sich Arezoo Saberi entschieden. Die Iranerin hat einen Master in Maschinenbau und Materialwirtschaft und auch das Trumpf-Trainee absolviert. Sie arbeitet jetzt in Ditzingen in der Forschung und Entwicklung als Spezialistin für Datenanalysen und vorausschauende Wartung bei Werkzeugmaschinen. „Ich schätze die Arbeitsatmosphäre“, sagt sie.
„Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagt Katrin Weber. „Internationale Vernetzung ist dabei ebenso wichtig wie ein Mentoring durch eine Führungskraft, die die Kultur und das Wissen über Trumpf weitergeben kann.“
Ähnlich ist das auch bei anderen Unternehmen. Die Mercedes-Benz Group hat mehrere internationale Talentprogramme unter dem Label „Inspire“, um Nachwuchskräfte optimal auf ihre Karriere vorzubereiten. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich – je nachdem ob die Nachwuchskräfte bei dem Autokonzern eine Karriere als Fach- oder Führungskraft einschlagen oder ihre Zukunft im Automobilvertrieb sehen. Allen Trainees steht ein Topmanager als persönlicher Mentor zur Seite. „Dies ermöglicht einen noch intensiveren Austausch und eine maßgeschneiderte Entwicklung“, sagt eine Mercedes-Sprecherin.
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Auch der Technologiekonzern Bosch setzt auf unterschiedliche, individuell zugeschnittene Traineeprogramme. Das sogenannte Junior Managers Program etwa wendet sich an Absolventen mit Diplom, Master, Promotion oder bereits mit Berufserfahrung und bereitet sie auf die Übernahme von Führungsaufgaben vor. 90 Prozent der Führungskräfte bei Bosch kommen aus den eigenen Reihen.
Auch wenn die Unternehmen ganz unterschiedlich sind, die Voraussetzungen für die von ihnen angebotenen Programme sind ähnlich – mit Stationen im In- und Ausland, persönlichen Mentoren und der Möglichkeit, den Programmablauf nach eigenen Interessen und Entwicklungsbedarfen mitzugestalten. Die Dauer variiert dabei in der Regel von zwölf bis 24 Monaten.
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Beim Maschinenbauer Dürr etwa dauert das sogenannte Graduate Program 16 Monate, wobei die Kandidaten zwischen Fachrichtungen im technischen und im kaufmännischen Bereich wählen können – das reicht von Technologie und Innovation über Software bis zu Finanzen.
„Unternehmen haben schon vor Jahren damit begonnen, die klassischen, breit angelegten Management-Trainee-Programme aufzubrechen und zu spezialisieren“, erklärt Ingo Weller, Professor für Personalwirtschaft an der Universität München. Mit Trainee-Stellen ließen sich zwei Gruppen ansprechen – diejenigen, die bereits klare Ziele hätten und eine Managementkarriere anstrebten, und solche, die sich noch orientieren wollten.
Nur gute Gehälter reichen vielen jungen Leuten nicht. Talente suchen oft auch Entwicklungsmöglichkeiten, bestätigt die Kienbaum-Studie Engaging Talent. „Wer Talenten spannende Aufgaben gibt, und dazu die Werkzeuge und Unterstützung, diese zu meistern, hat gute Chancen, von dem außergewöhnlich hohen Engagement dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu profitieren“, sagt Eberhard Hübbe, Initiator der Studie und Managing Director bei Kienbaum.
Und was sollten die Bewerberinnen und Bewerber mitbringen? Offenheit, sich auf Neues einlassen, die Fähigkeit, sich in kurzer Zeit in neue Themenstellungen einzubringen, zielorientiert zu arbeiten, Eigeninitiative und Kommunikationsfähigkeit – da sind sich Personaler einig.