Trumps neue US-Zölle Peking reagiert mit Häme und Entschlossenheit

US-Präsident Donald Trump verkündete die neuen Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses. Foto: AP/dpa/Evan Vucci

Kurzfristig dürfte die US-Handelspolitik den chinesischen Wirtschaftsaufstieg empfindlich ausbremsen. Langfristig könnte Peking jedoch als Gewinner hervorgehen.

Während des US-Wahlkampfes drohte Donald Trump mit 60-prozentigen Zöllen gegen China, und bereits Anfang April scheint der US-Präsident seiner Ankündigung sehr nahegekommen zu sein: Denn auf die während des „Liberation Day“ verhängten Zölle von 34 Prozent gegen das Reich der Mitte kommen bereits bestehende Zölle von 20 Prozent. Auf Chinas sozialen Medien nahmen es viele User mit Humor: „Wenn er könnte, würde Onkel Trump auch Zölle gegen die Sonne verhängen“, lautet ein viel geteilter Kommentar auf der Online-Plattform Weibo.

 

Demonstrative Entschlossenheit

Die Regierung in Peking reagierte hingegen mit demonstrativer Entschlossenheit. „China wendet sich aufs Schärfste gegen diesen Schritt und wird entschlossene Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen“, heißt es vom Handelsministerium. Wie Pekings Gegenzölle konkret ausfallen werden, dürfte sich erst nächste Woche zeigen. Doch denkbar ist auch, dass China zusätzlich mit Exportbeschränkungen auf Seltene Erden reagiert.

Tatsächlich hat Trump China am stärksten ins Visier genommen, doch letztlich den gesamten asiatischen Raum mit seiner Zoll-Tirade zutiefst geschockt. Denn es traf auch traditionelle US-Alliierte wie Japan (24 Prozent), Südkorea (26 Prozent) und sogar Taiwan (32 Prozent).

In Taipeh bezeichnete man die als Zölle als „bedauerlich“ und „höchst unangemessen“. Südkoreas amtierender Präsident Han Duck-soo rief eine Notfallsitzung ein: „Da sich die Lage angesichts der Realität eines globalen Zollkrieges sehr ernst gestaltet, muss die Regierung alle ihr zur Verfügung stehenden Kapazitäten mobilisieren, um diese Handelskrise zu überwinden“, sagte in gewohnt diplomatischer Zurückhaltung.

Massiver Rückenwind für China

Doch es ist offensichtlich, dass Trumps erratische Handels- und Außenpolitik ungewollt der chinesischen Staatsführung massiven Rückenwind verschafft. Denn Tokio und Seoul suchen bereits merklich den Austausch mit Peking, um sich angesichts der US-Zölle stärker zu koordinieren. Noch vor wenigen Monaten, als Joe Biden im Weißen Haus saß, wäre eine solche Annäherung undenkbar gewesen.

„Das rücksichtslose Handeln des US-Präsidenten wird nicht nur den anderen schaden, sondern letztlich auch Amerika selbst“, heißt es in einem Leitartikel des renommierten Wirtschaftsmagazins „Caixin“: „Seine chaotische, widersprüchliche und mit Unsicherheiten behaftete Politik ist zum Scheitern verurteilt“.

Doch kurz- und mittelfristig dürften die Maßnahmen die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sehr wohl empfindlich abbremsen. Allerdings hat sich Xi Jinping seit Jahren bereits auf dieses Szenario vorbereitet: Mit atemberaubender Geschwindigkeit versucht er die Volksrepublik technologisch autark zu machen, neue Märkte im globalen Süden zu erschließen – und auch die eigene Bevölkerung auf einen „langen Kampf“ einzuschwören.

Denn die Botschaft der Parteiführung lautet: Im Systemkampf gegen die von den USA angeführte Weltordnung werden schwere Jahre folgen. Schlussendlich jedoch wird die chinesische Nation als Gewinner aus diesem Konflikt hervorgehen.

Und je stärker Trump den Chinesen Steine in den Weg legt, desto stärker entfacht dies auch Patriotismus und Resilienz. Die jüngsten Erfolge von Huawei, BYD und DeepSeek zeugen bereits jetzt davon.

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