Kometen kommen eher selten in Erdnähe. Nun zieht Tsunchinshan-Atlas am Abendhimmel vorbei. Ein Stuttgarter hatte Glück und zückte die Kamera.

Derzeit zieht der Komet Tsunchinshan-Atlas seine Bahn am Abendhimmel. Doch wer den kosmischen Besucher am frühen Abend von Deutschland aus erspähen will, braucht Glück - wie Leser Martin Hubrich unserer Zeitung. Er beobachtete den Kometen gegen 19.45 Uhr von Stuttgart-Dürrlewang aus.

 

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte unserer Redaktion, dass die Chancen, den Kometen zu sehen, am Dienstagabend in der Region gut waren. Für den Montagabend sei eine Prognose angesichts der derzeitigen Wetterlage schwierig, sagte Thore Hansen vom DWD in Offenbach. Prinzipiell herrsche auch dann voraussichtlich über weiten Teilen von Deutschland dichte Bewölkung vor. Lücken in der Wolkendecke seien am ehesten südlich der Donau und im nordwestlichen Niedersachsen möglich, so Hansen.

Tsuchinshan-Atlas wird lichtschwächer

Um den Kometen zu beobachten, sollte man am frühen Abend kurz nach Sonnenuntergang grundsätzlich einen dunklen Ort mit guter Sicht zum Westhorizont aufsuchen. Dort leuchtet der Abendstern, der helle Planet Venus. Streckt man den Arm ganz aus, liegt der Komet Tsuchinshan-Atlas derzeit noch grob zwei Fäuste rechts der Venus, wie Uwe Pilz von der Vereinigung der Sternfreunde erklärte.

Die beste Beobachtbarkeit soll - gutes Wetter vorausgesetzt - zu Anfang der Woche sein. Danach wird Tsuchinshan-Atlas immer lichtschwächer, da er sich von Sonne und Erde entfernt. Zudem stört das Licht des zunehmenden Mondes - am Donnerstag ist Vollmond.

Um den 20. Oktober öffnet sich zwischen Dämmerung und Mondaufgang ein Fenster echter Dunkelheit. Allerdings wird der Komet, der zu diesem Zeitpunkt schon recht hoch am Himmel steht, dann bereits stark verblasst und geschrumpft sein. „Die Sichtbarkeit mit dem freien Auge endet um den 25. Oktober herum, für Geübte unter einem dunklen Himmel vielleicht noch ein paar Tage später“, so Pilz.

Tsuchinshan-Atlas, auch C/2023 A3 genannt, stammt aus der Oortschen Wolke, einer Ansammlung von Objekten am äußersten Rand des Sonnensystems, und bewegt sich seit sehr langer Zeit auf die Sonne zu. Astronomen entdeckten ihn erst im Januar 2023. Nachdem er am 27. September die Sonne passiert hatte, kam er der Erde am 12. Oktober bis auf etwa 70 Millionen Kilometer nahe - das entspricht knapp der halben Entfernung der Erde zur Sonne.