TSV Malmsheim Basketball Lisa Bonds weilt auf den Spuren ihres Vaters
Der Erfolg der Basketballerinnen des TSV Malmsheim ist eng mit dem Namen Lisa Bonds verbunden. Die 36-jährige Trainerin eifert dabei ihrem verstorbenen Vater nach.
Der Erfolg der Basketballerinnen des TSV Malmsheim ist eng mit dem Namen Lisa Bonds verbunden. Die 36-jährige Trainerin eifert dabei ihrem verstorbenen Vater nach.
Es ist noch gar nicht so lange her, da ging es für die Basketballerinnen des TSV Malmsheim nur darum, irgendwie den Klassenerhalt in der Oberliga zu bewerkstelligen. Marcel Dzubba, Basketball-Abteilungsleiter beim TSV, weiß zu berichten, dass es vor ein paar Jahren im Verein noch Stimmen gab, die einen freiwilligen Rückzug in die Landesliga befürworteten. Müde vom Negativziel „Nichtabstieg“ fehlte die Perspektive beim Damen-Team. „Zum Glück haben wir das damals nicht gemacht“, schmunzelt Dzubba über die damalige Stimmungslage. „Denn es ist alles ganz anders gekommen.“
In der Oberliga spielt mittlerweile die zweite Mannschaft des TSV. Das erste Team der Damen ist im vergangenen Jahr in die Regionalliga aufgestiegen und mischt als Neuling in der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands gut mit. Drei Spieltage vor Ende der Saison belegt der TSV Malmsheim Rang sechs mit einer Bilanz von acht Siegen und neun Niederlagen. Obwohl man im Sommer keine Neuzugänge verpflichtet hat und das Team im Kern zusammengeblieben ist, zeigten sich die TSV-Damen um Janina Dzubba, Nadine Sasse und Lena Sroka von Beginn an wettbewerbsfähig. „Vor der Saison habe ich eher damit gerechnet, dass wir gegen den Abstieg spielen würden“, verrät Abteilungsleiter Marcel Dzubba. „Aber ähnlich wie bei unserer Herren-Mannschaft hat die positive Entwicklung viel mit der Trainerposition zu tun.“
Dort hat bei den TSV-Damen seit 2021 mit Lisa Bonds eine Frau das Sagen, die als Spielerin Teil jener perspektivlosen Oberliga-Teams gewesen ist. Dass sie nach ihrer aktiven Laufbahn den Weg auf die Trainerbank überhaupt gefunden hat, hängt auch mit einem Schicksalsschlag zusammen. Denn als im Februar 2019 ihr Vater Tommy Bonds stirbt, gibt sie das Basketballspielen zunächst auf. „Ich konnte nach dem Tod meines Vaters einfach nicht weiterspielen“, schildert die 36-Jährige. „Basketball ist für mich so eng mit meinem Vater verknüpft, dass es nach seinem Tod einfach zu sehr wehgetan hat.“
Denn im Hause Bonds hat Basketball seit jeher einen ganz hohen Stellenwert gehabt. Ende der Siebzigerjahre hat Tommy Bonds erfolgreich in Alabama College-Basketball gespielt. Auch an die Tür der National Basketball Association (NBA) klopfte der 1,93 Meter große Flügelspieler einst. Doch als ihm nach einem Sommer bei den Washington Bullets der Sprung in die beste Liga der Welt verwehrt blieb, meldete er sich bei der US-Army und wurde in Deutschland stationiert. Hier spielte er unter anderem in Marbach weiter Basketball, fungierte als Trainer und gab mit seiner begeisternden Art sein Wissen weiter. Tochter Lisa wurde 1988 geboren. Und Familie Bonds lebt Basketball. „Meine Liebe zum Basketball habe ich ganz klar von meinem Papa“, betont Lisa Bonds. „Bei uns hat sich Zuhause wirklich alles um Basketball gedreht.“
Aktiv zu spielen hat Lisa Bonds erst „relativ spät mit 12 oder 13 Jahren“ begonnen. Zu der Zeit hat ihr Vater zusammen mit Frank Hermann die Jugendarbeit beim TSV Malmsheim geleitet. „Ich bin nicht groß und war keine Scorerin“, erinnert sie sich an ihre aktive Zeit zurück. „In der Verteidigung und beim Rebound hatte ich meine Stärken.“
Nachdem sie die Basketballschuhe an den Nagel 2019 an den Nagel gehängt hat, trainierte sie zwar „aus der Not heraus“ eine Saison die weibliche U 20 des TSV Malmsheim. Aber so richtig begeistern konnte sie sich für die Rolle als Trainerin zunächst nicht. Erst als vor der Saison 2021/2022 einige Spielerinnen bei ihr anfragten, ob sie es sich vorstellen könnte, die erste Damen-Mannschaft zu trainieren, merkte sie: „Ohne Basketball geht es einfach nicht! Ich versuche das Trainer-Ding nochmal!“
Auch da sich schnell Erfolge einstellten, fand sie Gefallen an der neuen Rolle. „Ich vermisse das Spielen gar nicht mehr und habe viel Spaß daran gefunden, dazuzulernen und den Basketball aus dieser Perspektive zu erleben“, betont sie. Wichtig ist der gebürtigen Leonbergerin, Unterstützung zu haben. In dieser Saison steht Dominik Rock als Co-Trainer an ihrer Seite. „Ich habe ja nur auf Oberliga-Niveau gespielt und muss mir nun viele Dinge erarbeiten“, erklärt Bonds. „Es ist mir wichtig, dass ein Austausch besteht und gemeinsam Lösungen gefunden werden.“
Ihren eigenen Anteil an den Erfolgen rückt die Trainerin bescheiden in den Hintergrund: „Die Spielerinnen stehen auf dem Parkett. Ich trage meinen Teil bei und hoffe, das noch eine Zeit lang machen zu dürfen.“
In ihrer Rolle als Trainerin eifert Lisa Bonds natürlich besonders ihrem Vater als großem Vorbild nach. Manchmal stimmt sie das auch etwas traurig: „Es tut mir schon leid, dass mein Vater nie gesehen hat, dass ich als Trainerin in seine Fußstapfen trete.“ Ganz bestimmt wäre Tommy Bonds mächtig stolz auf seine Tochter gewesen.