TSV Musberg Ringerstreit: Jetzt wehren sich die Eltern

Zufällig kommt der OB (Zweiter v.r.) vorbei, an den der Hilferuf gerichtet ist. Foto: G. Bock
Zufällig kommt der OB (Zweiter v.r.) vorbei, an den der Hilferuf gerichtet ist. Foto: G. Bock

Der Streit um die Ringer in Musberg (Leinfelden-Echterdingen) hat für Familien ganz konkrete Folgen. Weil sie diese nicht hinnehmen wollen, machen sie nun Rabatz.

Musberg - Unübersehbar steht es da, das fast fünf Meter lange Plakat mit den roten Symbolen drauf. „Solidarität mit den Ringern“, steht da unter anderem. Das Plakat steht im Garten von Otto Kellermann. In großen schwarzen Buchstaben auf weißem Stoff wird die Stadt Leinfelden-Echterdingen zum Handeln aufgefordert. Die Stadt solle sich dafür einsetzen, dass der TSV-Vorstand „die tollen Jungs“ wieder in ihrem Ringerraum trainieren lässt. Unterschrieben ist das Plakat mit „Die Eltern der Musberger Ringer“.

Dass in Kellermanns Garten ein Plakat steht, hat mit dem Streit um die Ringer zu tun. Diese hatten sich nach finanziellen Streitigkeiten im vergangenen Jahr in einen neuen Verein, den KSV Musberg, abgespaltet und im Januar die Lizenzen, die zum Antritt in den Ligen berechtigen, beantragt. Darauf hat der TSV reagiert, indem er seit April alle Ringer – mit Ausnahme der ganz Kleinen und des Weltmeisters Frank Stäbler – aus den Trainingsräumen verbannt. „Wir wissen nicht, welche TSV-Ringer auch Mitglied beim KSV sind, darum sperren wir alle aus“, sagt TSV-Chef Joachim Beckmann.

Sie wünschen sich Bewegung in der verfahrenen Lage

Unter den Musberger Eltern trifft er da auf wenig Verständnis. Otto Kellermann hat selbst einen Sohn, der im KSV ringt, und an diesem schönen Nachmittag haben sich auch etliche andere Eltern von ringenden Kindern vor seinem Grundstück versammelt. Sie haben das Plakat aufgestellt, um Bewegung in die verfahrene Lage zu bringen, es soll alle Musberger auf ihre Lage aufmerksam machen. „Wir sind die Leidtragenden. Wir müssen wegen des Streits bis nach Kornwestheim oder Holzgerlingen fahren, damit unsere Kinder trainieren können, das geht eigentlich nicht“, sagt Kellermann. Er trägt demonstrativ eine rote TSV-Musberg-Jacke. Also eine Jacke des Vereins, dessen Vorstand er für die missliche Lage zurzeit verantwortlich macht.

Er und seine Mitstreiter sind mit samt ihren Familien Mitglieder des TSV. „Wir sind Mitglieder im KSV geworden, um unseren Kindern das Ringen zu ermöglichen. Der TSV hat ja im Moment nicht einmal einen Trainer oder eine Mannschaft“, sagt eine Mutter. Die Eltern ärgern sich, dass sie mit ihrer Zeit und ihrem Geld dafür aufkommen müssen, dass ihre Vereine streiten. Vor allem gegenüber den Jugendlichen finden sie das Gebaren des TSV-Vorstands ungerecht. „Es kann doch nicht sein, dass die Jugendlichen in Sippenhaft genommen werden“, meint ein Vater.

Das wäre zum Nachteil der Ringer

Von der Stadtverwaltung verlangen die Eltern, dass sie dem TSV die übertragene Schlüsselgewalt über die Hallen wieder abnimmt. „Der TSV zeigt doch, dass er mit der ihm gegebenen Verantwortung nicht umgehen kann, und es muss doch auch der Stadt ein Anliegen sein, dass die Hallen nicht leer stehen“, meint Kellermann unter Zustimmung seiner Mitstreiter.

Recht bald entspinnt sich unter den Eltern auch eine Diskussion über den jüngsten Vorschlag von Oberbürgermeister Roland Klenk. Der hatte vor wenigen Tagen vorgeschlagen, dass KSV und TSV ihre Konzepte zum Ringen in Musberg zu Papier bringen und diese dann einer Mitgliederversammlung des TSV zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Eltern in Kellermanns Garten sind sich schnell einig: „Der Beckmann mobilisiert doch einfach die anderen Abteilungen, und dann stimmen mehr als 2000 TSVler über das Schicksal von 190 Ringern ab, das ist ein Witz“, sagt Otto Kellermann.

Zwischen Erstaunen, Amüsement und Ärger

Es ist einer jener Zufälle, dass just in diesem Moment ein vorbeifahrender schwarzer SUV langsamer wird, sich die Scheibe senkt – und der Fahrer, der Oberbürgermeister, das Plakat mit einem Lächeln zwischen Erstaunen, Amüsement und Ärger begutachtet. Die Botschaft geht an ihn. OB Klenk wird sofort damit konfrontiert, dass die Stadt nichts tue und dass sein Vorschlag zum Nachteil der KSV-Ringer sei.

Das will Klenk nicht gelten lassen. „Zunächst ist das eine Streitigkeit zwischen den Vereinen, in die wir eigentlich gar nicht eingreifen wollten. Jetzt tun wir es doch und müssen dabei natürlich neutral bleiben“, sagt er. Auch die Abstimmung verteidigt er: „Mein Vorschlag soll dem Streit mit einem demokratischen Mittel ein Ende setzen. Ich denke, dass die Ringer die TSV-Mitglieder mit guten Argumenten überzeugen können und so eine gute Chance haben.“ Die Eltern schlagen statt der Mitgliederversammlung eine Urwahl vor, an der sich auch die beteiligen können, die nicht zu der Versammlung kommen. Klenk findet den Vorschlag nicht schlecht und will ihn sich offenhalten.




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