Tübingens OB festigt seinen Ruf Imagepflege à la Boris Palmer
Mit seinen Aussagen zum Impfen von Kindern und zur Meinungsfreiheit pflegt Palmer vor allem seinen Markenkern, kommentiert Korrespondentin Katja Bauer.
Mit seinen Aussagen zum Impfen von Kindern und zur Meinungsfreiheit pflegt Palmer vor allem seinen Markenkern, kommentiert Korrespondentin Katja Bauer.
Berlin/Tübingen - Was geht es die Öffentlichkeit an, ob ein Politiker seine Kinder impfen lassen würde oder nicht? Gar nichts. Auch stellt keine Partei in Frage, dass die Impfung von Kindern Entscheidung der Eltern ist. Warum also erzählt Boris Palmer der „Bild“-Zeitung, dass er seine Kinder nicht impfen lassen würde? Alle drei sind unter zwölf Jahre alt, die Entscheidung über eine Impfung ist im Moment nicht akut.
Interessant ist, wie er seine Aussage begründet: Er sagt, das Risiko der Impfung sei „ziemlich sicher“ höher als das der Infektion und vergleicht an anderer Stelle die Pandemie mit der Grippe. Das eine ist von der sächsischen Impfkommission widerlegt, das andere irreführend. Palmer argumentiert also mindestens fahrlässig und stärkt so Impfgegnern den Rücken, während die Impfkampagne stockt. Vor allem aber pflegt der Populist von Tübingen mal wieder seinen Markenkern: Palmer stellt sich so oft es geht dar als jemand, der das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt. Er hat Recht, Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Kritik an der eigenen Meinung muss man allerdings ertragen können. Das gehört zur Meinungsfreiheit der anderen.