Tübinger Modell im ganzen Land Schnelltests vor Weihnachten

Lisa Federle hat das Arztmobil initiiert, mit dem anfangs Flüchtlingen geholfen wurde und das jetzt als mobiles Testlabor zu Altenheimen fährt oder auf dem Tübinger Marktplatz parkt. Foto: Gottfried Stoppel
Lisa Federle hat das Arztmobil initiiert, mit dem anfangs Flüchtlingen geholfen wurde und das jetzt als mobiles Testlabor zu Altenheimen fährt oder auf dem Tübinger Marktplatz parkt. Foto: Gottfried Stoppel

Nach dem Tübinger Modell werden an Heiligabend in zwei Dutzend Städten im Land kostenlose Corona-Tests angeboten. Etliche Städte stehen fest, darunter Stuttgart, Ludwigsburg und Reutlingen.

Seite Drei: Christine Keck (kek)

Tübingen - In rund zwei Dutzend Städten im Land sollen zu Heiligabend kostenlose Schnelltests angeboten werden, darunter auch Stuttgart, Ludwigsburg, Göppingen, Rottweil, Reutlingen und Sigmaringen. Ziel der Aktion des baden-württembergischen Sozialministeriums ist es, besonders gefährdete Gruppen vor dem Coronavirus zu schützen. Am 23. und 24. Dezember können sich unter anderem Angehörige testen lassen, die mit älteren Menschen zusammen Weihnachten feiern wollen. Binnen Minuten liegt das Ergebnis des Abstrichs vor.

Vorbild der Aktion ist das Tübinger Projekt der Notärztin Lisa Federle, die sich seit Monaten unermüdlich im Kampf gegen die Pandemie engagiert. Seit drei Wochen parkt regelmäßig eine mobile Teststation vor dem Tübinger Rathaus, auch Rottenburg und Mössingen fährt das Arztmobil des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes einmal die Woche an. „Die Angst der Menschen ist groß, ihre Lieben anzustecken“, sagt Federle, so könne man die Senioren vor dem Virus schützen, anstatt sie isolieren zu müssen. „Ich will nicht, dass jemand Weihnachten einsam zu Hause feiert.“

Auf 100 Tests im Schnitt zwei bis vier Infektionen

Auf 100 Tests kämen im Schnitt zwei bis vier infizierte Personen, bilanziert Federle. Der Test biete eine 95-prozentige Sicherheit. Wenn er positiv ausfalle, müsse sofort ein Labortest folgen. Vor Ort in Tübingen erhält Federle prominente Unterstützung von Schlagersänger Dieter Thomas Kuhn. Er hilft beim Aufbau und hat zusammen mit einem Bandkollegen, das Plakat der Kampagne gestaltet.

„Selbst Hamburg will das Konzept aufgreifen“, sagt Federle. Die DRK-Präsidentin des Kreisverbandes erhält aus ganz Deutschland Anfragen. Dass Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) das Projekt auf Baden-Württemberg ausrollt, freut Federle besonders. Sie habe Luchas Zögerlichkeit beim Schutz der Senioren immer wieder kritisiert. Mittlerweile habe sie sich mit dem Minister unter vier Augen getroffen und mit ihren Forderungen Gehör gefunden.

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