Windeln wechseln, statt Akten wälzen: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer nutzt als erster OB das Elterngeld.
20.08.2010 - 14:02 Uhr
Nachdem der Regierungspräsident Palmers Elternzeit offiziell genehmigt hatte, ging für den Rathauschef der Kampf mit den langen Formularen los. "Dreimal habe ich die Anträge zurückgekriegt, bis ich alles richtig ausgefüllt hatte", erzählt er. Dabei sei es ihm gar nicht so sehr um die 1800 Euro Elterngeld pro Monat gegangen, sondern um seine Familie - und darum, ein Zeichen zu setzen. "Ich habe gemerkt: Es ist immer noch nicht selbstverständlich, dass ein Vater in Elternzeit geht." Einige Bürger hätten ihm sogar vorgeworfen, er verrate den Wählerwillen. Jetzt freut sich der 38-Jährige auf zwei Monate, in denen er sich komplett seiner im Mai geborenen Tochter widmen kann. "Ich habe überhaupt nichts geplant, außer Vater zu sein". Die Doppelrolle als Rathauschef und Vater habe ihn zuletzt doch ziemlich geschlaucht, verriet er vor einigen Wochen. "Zehn Minuten vor einem wichtigen Termin fängt die Kleine natürlich an, bitterlich zu weinen."
Für Verwirrung sorgten zuletzt Medienberichte über Palmers angebliche Hochzeit an diesem Wochenende. Dafür gibt es bislang aber keine Bestätigung. Und auch ohne Trauschein spricht der Rathauschef schon länger von "seiner Frau". Ab November wollen Brantner und Palmer dann beide wieder voll arbeiten und die Tochter in einer Krippe unterbringen. "Wir werden eine Familie sein, die gar nicht geht", sagte Palmer vor einiger Zeit. "Beide berufstätig, beide 16-Stunden-Tag und kein Auto." Die Bahn wird an Familie Palmer gut verdienen: Er arbeitet in Tübingen, sie als Abgeordnete im belgischen Brüssel und im französischen Straßburg sowie in ihren Wahlkreisbüros in Freiburg und Ludwigshafen. "Wir werden auf eine gute Kinderbetreuung angewiesen sein", sagt Palmer.