Tübinger Straße Bald steht Tempo 20 groß auf dem Asphalt

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Die Stadt will die Regeln für den verkehrsberuhigten Bereich transparenter gestalten. Der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer kündigt eine verbesserte Beschilderung an.

Parken ist auf den umgestalteten Flächen nicht erlaubt. Foto: Achim Zweygarth
Parken ist auf den umgestalteten Flächen nicht erlaubt. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Rathausspitze ist alarmiert : „Der Umbau ist wunderbar geworden, aber die Beschilderung der Shared-Space-Zone in der Tübinger Straße muss einfach transparenter sein“, betont der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. „Ich möchte, dass dieser Bereich, in dem alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen müssen, ein Erfolg wird.“

Nach dem die StZ am Freitag berichtet hatte, dass der verkehrsberuhigte Bereich zwischen der Sophienstraße und der Querspange vor allem als wilder Parkplatz genutzt wird, hat Schairer sofort reagiert. „Die Beschilderung des Bereichs wird geändert; sie muss verständlicher sein und sich auf Augenhöhe der Radfahrer und Fußgänger befinden“, stellt er nach einem Besuch vor Ort fest. Auch der Hinweis auf Tempo 20 dürfe sich nicht nur auf einem Blechschild in zwei Meter Höhe befinden, sondern müsse im Großformat den Asphalt zieren. „Wie in der Eberhardstraße, wo mitten auf der Fahrbahn große blaue Schilder mit weißem Symbol auf die Fahrradstraße hinweisen.“ Außerdem denkt man im Rathaus über einen Flyer nach, um allen Verkehrsteilnehmern Sinn und Funktion einer Shared-Space-Zone zu erklären. „Die Faltblätter sollen in den Geschäften ausliegen und Autofahrern hinter die Scheibenwischer gesteckt werden“, sagt Schairer.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit gilt das Parkverbot

Bis jetzt genügt die Ausschilderung der ersten Stuttgarter Shared-Space-Zone nach Ansicht des Bürgermeisters zwar formal den Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung, aber keineswegs dem Informationsbedürfnis der Verkehrsteilnehmer. Es müsse deutlicher gemacht werden, dass in dem zum offenen Stadtraum umgewandelten Bereich alle aufeinander Rücksicht nehmen müssten. Um die Übersichtlichkeit zu bewahren, müsse es in der ganzen Shared-Space-Zone ein Parkverbot geben. „Nur gewerbliche Lieferanten dürfen kurz halten, etwa um Mehl für eine Bäckerei zu liefern“, ergänzt Joachim Elser, der Leiter der Verkehrsüberwachung. Das Zonenzeichen weise die Autofahrer darauf hin, dass in dem Bereich ein eingeschränktes Haltverbot gelte. „Außerdem gilt zwischen Sophienstraße und Querspange das ebenfalls per Schild angezeigte Tempo 20“, erläutert Elser.

Die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung sind zur Zeit mit vier Doppelstreifen zwischen Sophienstraße und Querspange unterwegs. „Wir müssen täglich leider bis zu 50 Strafzettel ausstellen“, sagt Elser. Für einen Bereich von mehreren hundert Metern sei das sehr viel. „Außerdem ist vieles, was sich meine Leute anhören müssen, nicht druckreif.“ Der Chefkontrolleur der Stadt hofft aber, dass sich die Verhältnisse bald bessern. „Schließlich herrscht bei uns ein erheblicher Personalmangel, und wir haben haben auch an vielen anderen Stellen in der Stadt weit mehr als genug zu tun.“

Kritik an der städtischen Informationspolitik

„Die Einführung der gut gestalteten Shared-Space-Zone in der Tübinger Straße muss besser begleitet werden“, verlangt auch Peter Pätzold, der Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat. Vor allem in den Abendstunden stünden im der verkehrsberuhigten Zone zahlreiche tiefer gelegte Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Nachbarkreisen. Es sei erfreulich, dass der Ordnungsbürger nun bessere Informationen in Aussicht stelle. „Bei den nächsten Shared-Space-Zonen in der Stadt muss das aber von vornherein besser laufen.“

„Die Autofahrer müssen sich noch an diese neue Situation gewöhnen“, sagt der Stadtrat Hans H. Pfeifer für die SPD-Fraktion. Die Stadt müsse überwachen, aber auch mehr Informationen anbieten, um die Akzeptanz des neuen Stadtraums zu erhöhen. Pfeifer, der als Citymanager auch die Interessen des Einzelhandels vertritt, sieht auch die Händler in der Pflicht. „Diese sollten aktiv mithelfen, um die attraktiv umgestaltete Straße zu einem Erfolgsmodell zu machen.“

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