„Deniz Yücel verlässt das Gefängnis und ist frei“, hat die „Welt“ am Freitag bei Twitter geschrieben. Der Journalist soll von Mitarbeitern des deutschen Generalkonsulats in Istanbul abgeholt worden sein.

Istanbul/Silivri - Nach mehr als einem Jahr in türkischer Haft hat der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel das Gefängnis in Silivri bei Istanbul verlassen. „Deniz Yücel verlässt das Gefängnis und ist frei“, schrieb die Zeitung am Freitag bei Twitter. Yücels Anwalt Veysel Ok twitterte ein Bild des deutsch-türkischen Journalisten, auf dem dieser seine Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel umarmt. Aus Kreisen des Gefängnispersonals in Silivri hieß es, Yücel sei von Mitarbeitern des deutschen Generalkonsulats in Istanbul abgeholt worden. Zunächst war unklar, wohin Yücel gebracht werden sollte.

Trotz der Freilassung Yücels soll in der Türkei ein Strafverfahren gegen den „Welt“-Korrespondenten eröffnet werden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, das 32. Strafgericht in Istanbul habe Yücels Freilassung angeordnet, zugleich aber die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft angenommen. Die Staatsanwaltschaft fordert zwischen vier und 18 Jahren Haft für Yücel. Der „Welt“ zufolge gilt keine Ausreisesperre.

Vorwürfe basieren auf Artikeln des Journalisten

In der Anklageschrift, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird dem Journalisten „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit“ vorgeworfen. Bei den Terrororganisationen handelt es sich der Anklage zufolge um die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen. Die türkische Regierung macht die Gülen-Bewegung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Die Vorwürfe basieren laut Anklage vor allem auf Artikeln des Journalisten. Darüber hinaus führt die Staatsanwaltschaft in der lediglich drei Seiten umfassenden Anklageschrift nur Bücher Gülens, die bei einer Hausdurchsuchung gefundenen wurden, und telefonische Kontakte Yücels zu Terrorverdächtigen als Beweismittel an. Gülen war bis zu einem offenen Zerwürfnis im Jahr 2013 ein enger Vertrauter des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

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