Türkei nach dem Putschversuch 42 Haftbefehle gegen Journalisten

Nach dem Putschversuch hält die Türkei die Welt mit Festnahmen, Protesten, Demonstrationen und täglich neuen Meldungen von Präsident Erdogan in Atem. Foto: AP
Nach dem Putschversuch hält die Türkei die Welt mit Festnahmen, Protesten, Demonstrationen und täglich neuen Meldungen von Präsident Erdogan in Atem. Foto: AP

Medienberichten zufolge soll es in der Türkei nach dem Putschversuch mehr als 40 Haftbefehle gegen Journalisten geben.

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Istanbul - Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei hat die Istanbuler Staatsanwaltschaft 42 Journalisten zur Fahndung ausgeschrieben, darunter eine prominente Regierungskritikerin. Die Journalistin Nazli Ilicak gehöre zu den 42 Verdächtigen, nach denen im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Putschversuch gefahndet werde, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, die Ermittlungen richteten sich gegen Medien aus dem Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen. Die Regierung macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Unklar war zunächst, ob die Betroffenen bereits festgenommen wurden.

DHA meldete weiter, bei Razzien gegen Gülen-Anhänger in Istanbul seien 31 Akademiker festgenommen worden, darunter auch Professoren. Seit dem Putschversuch sind nach offiziellen Angaben mehr als 13 000 Verdächtige festgenommen worden, knapp 6000 davon sitzen in Untersuchungshaft.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, den Staat von Gülen-Anhängern „säubern“ zu wollen. Nach dem Putschversuch hat er einen 90-tägigen Ausnahmezustand verhängt, der seit Donnerstag gilt.

Ilicak war Ende 2013 von der regierungsnahen Zeitung „Sabah“ entlassen worden, als sie im Rahmen von Korruptionsermittlungen den Rücktritt mehrerer Minister der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP forderte. Die Regierung hält die damaligen Korruptionsermittlungen für ein Gülen-Komplott.

Ilicak hatte unter anderem auch für die Zeitung „Bugün“ geschrieben, die den Gülen-Medien zugerechnet wurde. Die Regierung hatte „Bugün“ im vergangenen Jahr unter Zwangsverwaltung gestellt, auf AKP-Kurs gezwungen und später geschlossen.




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