Türkischer Arzt aus Karlsruher Klinik Herzchirurg wegen Tweet beurlaubt: „Homosexualität ist Krankheit“

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Ein Herzchirurg aus Karlsruhe schreibt auf Twitter einen homo- und transphoben Tweet auf Türkisch, der im Netz massiv Beachtung findet. Sein Arbeitgeber, die Helios-Klinik, leitet Ermittlungen ein und beurlaubt den Arzt.

Ein Arzt aus Karlsruhe hat auf Twitter mit einem Post für Aufregung gesorgt. (Symbolbild) Foto: imago images/imagebroker/imageBROKER/Thea Jaeger, via www.imago-images.de
Ein Arzt aus Karlsruhe hat auf Twitter mit einem Post für Aufregung gesorgt. (Symbolbild) Foto: imago images/imagebroker/imageBROKER/Thea Jaeger, via www.imago-images.de

Karlsruhe - Ein türkischer Arzt aus Karlsruhe tippt am Montagnachmittag „Bir hekim olarak Eşcinselliğin, transsexuelliğin hastalık olduğunu belirtmek isterim“ in einen Twitter-Post und stellt ihn ins Netz. Welche Brisanz hinter dem türkischen Satz steckt, wird erst durch die Übersetzung ins Deutsche deutlich: „Als Arzt möchte ich hier erwähnen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind.“ Der Satz hätte in den Weiten des Internets versieben können, doch mehr als 55.000 Likes und über 6000 Retweets sorgen für eine Reichweite, die der Arzt offenbar unterschätzt hat – und die für ihn nun die Beurlaubung bedeutet.

Tweet wurde mittlerweile gelöscht

Der Mann ist bei der Helios-Klinik in Karlsruhe angestellt, wie Unternehmensprecherin Silke Bentner unserer Redaktion bestätigt. Der Mitarbeiter sei seit über 20 Jahren als Herzchirurg tätig und im Team der Klinik als Kollege anerkannt.

Arbeiten darf er aber vorerst nicht mehr. „Wir haben gemeinsam mit ihm entschieden, ihn vorläufig zu beurlauben“, teilt Bentner mit. Es gebe interne Ermittlungen, dazu würden rechtliche Konsequenzen geprüft, wie das Unternehmen auch auf Twitter einer Vielzahl von Kommentatoren antwortet, die sich über die Aussage des Mediziners entsetzt zeigen. Der Tweet des Arztes wurde mittlerweile gelöscht, ist jedoch als Screenshot vorhanden.

Die Helios-Klinik stellt klar, dass Diversität und Inklusion täglich gelebte Praxis sind. „Wir unterstützen die Vielfalt in unserem Unternehmen und gehen gegen Ausgrenzung jedweder Art vor“, teilt Unternehmenssprecherin Silke Bentner mit. Die Klinik werde als Reaktion auf den Lesben- und Schwulenverband zugehen und Gespräche anbieten.

Die Aussage des Chirurgen könnte im Zusammenhang mit den kürzlich getätigten Äußerungen des Chef der Religionsbehörde Diyanet aus der Türkei stehen. Diyanet-Chef Ali Erbas predigte zu Beginn des Fastenmonats Ramadan am vergangenen Freitag, wenige Tage vor dem Tweet des Karlsruher Mediziners. Darin hatte Erbas gesagt, dass Homosexualität Krankheiten mit sich bringe und Generationen „verrotten“.

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