Tumulte in Ludwigsburg Gewaltexzess nach Faschingsumzug

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Fünf verletzte Polizisten, neun Festnahmen: Faschingsfeiern im Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen endeten am Sonntagabend in einem Gewaltexzess. Betrunkene attackierten Polizisten, die Beamten reagierten mit Pfefferspray.

Wenige Stunden nach dem friedlichen Faschingsumzug  (hier ein Archivbild aus dem Jahr 2016) eskalierte die Situation in Ludwigsburg-Neckarweihingen. Foto: factum/Bach
Wenige Stunden nach dem friedlichen Faschingsumzug (hier ein Archivbild aus dem Jahr 2016) eskalierte die Situation in Ludwigsburg-Neckarweihingen. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Ein Großaufgebot der Polizei, fünf verletzte Beamte, Festnahmen – die Faschingsfeiern in Neckarweihingen endeten am Sonntagabend in einem für Ludwigsburg beispiellosen Gewaltexzess. Nachdem der traditionelle Faschingsumzug der Zunft Mistelhexen im Ort mit geschätzt 15 000 Zuschauern völlig friedlich verlaufen war, eskalierte die Situation um 20.15 Uhr bei einer Feier auf dem Vorplatz des Gerätehauses der Feuerwehr. Nach Angaben des Polizeipräsidiums griffen mehrere stark betrunkene Personen die alarmierten Einsatzkräfte an, schubsten und schlugen die Beamten.

„Erst unter Einsatz von zehn Streifenwagenbesatzungen konnte der Platz geräumt werden“, heißt es im offiziellen Bericht. Dazu sei allerdings der Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken notwendig gewesen. Die Täter hätten „jegliche Anweisungen ignoriert“ und alle „polizeilichen Maßnahmen boykottiert“. Es habe eine Stunde gedauert, bis man die Situation vor Ort im Griff gehabt habe.

Offenbar solidarisierte sich die betrunkene Menge gegen die Polizisten

Ermittler sind nun dabei, die Hintergründe aufzuklären. Neun Personen im Alter zwischen 19 und 60 Jahren wurden vorläufig festgenommen, dabei handle es sich ausnahmslos um Deutsche, die meisten davon jünger als 30 Jahre. Gegen sie wird wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung ermittelt. Ob weitere Personen involviert waren, sei noch unklar, sagt die Präsidiumssprecherin Yvonne Schächtele.

Zur Art der Verletzungen könne man noch keine Aussage treffen. Ob neben den Polizisten auch Angreifer verletzt wurden, sei ebenfalls unsicher. Fest stehe, dass „glücklicherweise auf beiden Seiten niemand schwer verletzt worden“ sei. Auch der Ablauf ist bis dato nur grob bekannt. Demnach wurde die Polizei um 20.15 Uhr wegen einer handgreiflichen Auseindersetzung alarmiert, zu diesem Zeitpunkt sollen lediglich drei Personen involviert gewesen sein. „Als die Polizisten versuchten, die Streitenden zu trennen, hinderten sie weitere Besucher daran“, berichtet das Präsidium. Offenbar solidarisierte sich die stark alkoholisierte Menge daraufhin gegen die Beamten.

Die Zahl der Angriffe gegen Polizeibeamte nimmt stetig zu

Stefan Diefenbach, der Vorsitzende der Fasnetzunft, ist fassungslos. „Wir machen das für Familien und Kinder“, sagt er. „Nicht für irgendwelche Halbstarken, die sich wegsaufen und dann nicht mehr wissen, was sie tun.“ Der Umzug der Mistelhexen ist die größte Faschingsveranstaltung in Ludwigsburg. Als es zu den Tumulten kam, war die Parade mit 65 Gruppen und 2500 Teilnehmern bereits mehrere Stunden beendet. Die Feuerwehr, vor deren Gerätehaus die Eskalation ihren Ausgang nahm, verweigerte am Montag eine Stellungnahme. Der Abteilungskommandant des Stadtteils reagiert äußerst ungehalten auf die Nachfrage, ob er etwas von den Vorgängen mitbekommen habe.

Anders die Polizei. „Wir müssen feststellen, dass die Zahl der Angriffe gegen Polizeibeamte stetig steigt“, sagt der Sprecher Peter Widenhorn. „Unsere Kollegen erleben es immer wieder, dass sich Gruppen plötzlich gegen sie solidarisieren – wenn auch selten in diesem Ausmaß.“ Das Hauptproblem, so Widenhorn, sei eindeutig der Alkohol. Mit zunehmendem Konsum gehe eine zunehmende Aggressivität einher.

Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums, also in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen, wurden 2016 exakt 315 gewalttätige Angriffe gegen Polizisten registriert, 115 mehr als noch vor fünf Jahren. Die Statistik für 2017 liegt noch nicht vor. „Aber auch hier ist erneut eine deutliche Steigerung zu erwarten“, sagt Widenhorn.




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