Tunnelbau für Stuttgart 21 Endspurt unterm Rosenstein
Die Tunnelbauer für Stuttgart 21 sind unter dem Rosensteinpark auf der Zielgerade. Es steht aber noch ein diffiziles Stück unter viel befahrenen Gleisen an.
Die Tunnelbauer für Stuttgart 21 sind unter dem Rosensteinpark auf der Zielgerade. Es steht aber noch ein diffiziles Stück unter viel befahrenen Gleisen an.
Stuttgart - Am kommenden Montag werden die Mineure das letzte Stück Erdreich unter dem Rosensteinpark entfernen. Nach dem sogenannten Durchschlag gibt es eine durchgehende Tunnelröhre zwischen dem Neckarufer bei Schloss Rosenstein und den Baugruben für den Hauptbahnhof in der Innenstadt. Wenn Stuttgart 21 nach bisheriger Prognose 2025 in Betrieb geht, werden durch den etwa 3,8 Kilometer langen Tunnel Fern- und Regionalzüge fahren.
„Das ist hier ein bisschen wie Schweizer Käse“, sagt Christoph Lienhart mit Blick auf die vielen Löcher, die es mittlerweile unter dem Rosensteinpark gibt. Mit der Anleihe im alpinen Nachbarland beschreibt der Österreicher, was auf der von ihm verantworteten Baustelle geschehen ist. Der Steirer baut für die Bahn die Tunnel von Feuerbach und Bad Cannstatt in die Innenstadt. Am Rande des Rosensteinparks kreuzen sich dabei die Tunnel für die S-Bahn mit jenen für den Fernverkehr. Zudem erlaubt eine Zufahrt in die Röhre, dass im Falle eines Unfalls Rettungskräfte mit schwerem Gerät vorankommen. Das Gewirr unter Tage komplettiert ein Notausgang. Der besteht aus einem 25 Meter senkrecht in den Parkuntergrund hinunterreichenden Schacht, von dem je ein Stollen zur S-Bahn-Röhre und einer zum Fernbahntunnel abzweigt. Wenn die Tunnelbauer abgezogen sind, soll nur noch ein etwa fünf mal fünf Meter großes Ausstiegsgebäude am Rand der Ehmannstraße auf den Notausgang hindeuten. „Das bauen wir Mitte 2021 und damit als letztes in diesem Bereich“, sagt Lienhart bei einem Besuch auf der Baustelle.
Während mit dem Durchschlag in der Fernbahnröhre am Montag der Vortrieb so gut wie erledigt ist und der Einbau der schweren Innenschale aus Beton weitergehen kann, stehen die Mineure für die S-Bahn noch vor einem herausfordernden Abschnitt. Von einer Baugrube beim Abstellbahnhof aus müssen sie sich unter bestehenden Eisenbahnstrecken hindurcharbeiten, ehe sie an der künftigen S-Bahnhaltestelle Mittnachtstraße wieder Licht sehen. Über dem künftigen S-Bahn-Tunnel läuft der komplette Fern- und Regionalverkehr in den Norden, die drei S-Bahn-Linien nach Weil der Stadt, Bietigheim-Bissingen und Marbach sowie der Verkehr der Gäubahnstrecke. Ein Zwischenfall wie beim Tunnelbau in Rastatt, der monatelang den Verkehr auf der Rheintalbahn lahmlegte, hätte verheerende Folgen für den Bahnverkehr rund um Stuttgart. „Wir setzen ein extrem aufwendiges Monitoringsystem ein“, sagt Lienhart. Die Messinstrumente sollen schon kleinste Setzungen im Gleisbereich anzeigen. Zudem stehe immer eine sogenannte Stopfmaschine für den kurzfristigen Einsatz zur Verfügung, mit der die Gleislage korrigiert werden könne. Im März soll der Vortrieb beginnen, rund ein halbes Jahr später fertig sein.
Nicht nur Lienharts Mannschaften biegen beim Tunnelbau im Talkessel auf die Zielgerade ein. Auch Günter Osthoff, der die beiden Tunnel am anderen Ende des Durchgangsbahnhofs, also die Röhren aus dem Neckartal und von den Fildern verantwortet, hat in der City nur noch vergleichsweise wenige Meter vor sich. Unter dem Kernerviertel hat der erste von zwei Tunneln den Bahnhofsbereich erreicht. Noch im Februar soll der letzte Zug mit Erdreich von der Baulogistikfläche am Nordbahnhof auf die Fahrt gehen. Wie die durch den Tunnelbau in Mitleidenschaft gezogene Parkkante unterhalb des Schloss Rosenstein einmal aussehen soll, erarbeitet gerade ein Planungsbüro. Tunnelbauer Lienhart muss auch noch an dem Steg für Fußgänger und Radfahrer, der unter der neuen Neckarbrücke hängt, einen Zahn zulegen. Im Juni soll es dort zusammen mit der Stadt, die den B-10-Tunnel unterm Rosenstein hindurchtreibt, einen Tag der offenen Baustelle geben.