Tunnelbau in Untertürkheim Für den Tunnel werden Gleise verschoben

Von Mathias Kuhn 

An der Hafenbahnstraße wird mit Volldampf für das Bahnprojekt Stuttgart 21 gebaut. Um Platz für das Tunnelportal zu gewinnen, müssen die Gleise verschoben und ein Damm gebaut werden.

Ein Abschnitt des Neckarersatzbaches wird in einen Kanal verlegt und der Bereich dann mit 15 000 Kubikmeter Erde aufgefüllt.Foto:  

Untertürkheim - Die Ba uarbeiten für das Bahnprojekt sind nun auch bei der Unterführung zur Hafenbahnstraße in vollem Gang. Im Bereich der Otto-Konz-Brücken soll künftig der Stuttgart-21-Tunnel aus dem Untergrund ans Tageslicht kommen. Die beiden Zuführungsröhren, die die Verbindung zum Hauptbahnhof herstellen, werden vom Zwischenangriff in der Ulmer Straße vorangetrieben. „Wir haben bereits das kleine Gewerbegebiet jenseits der SGU-Sportplätze erreicht, die Röhren nähern sich dem Tunnelportal immer weiter an“, sagt Andreas Dörfel, der Teamleiter des Projektabschnittes. Das anschließende Trogbauwerk wird von kommendem Jahr an in offener Bauweise errichtet. Über eine Rampe sollen künftig die Züge in die bestehenden Gleise der Zugstrecke Bad Cannstatt in Richtung Esslingen eingefädelt werden.

Vier Gleise werden verschwenkt

Um den Trog unter laufendem Bahnbetrieb bauen zu können, sind allerdings noch aufwendige Vorarbeiten zu erledigen: Die vier bestehenden Gleise müssen auf einer Länge von 800 Metern in Richtung Hafenbahnstraße verschwenkt werden. „Damit wir dann auf der bestehenden Fläche die Rampe und den Tunnel in offener Bauweise bauen können, werden die S-Bahnen und Züge von Mitte kommenden Jahres interimsweise etwa 50 Meter neben der bestehenden Gleistrasse verlaufen, “, erklärt Dörfel. Die Voraussetzungen für diese Umleitungsstrecke werden gerade geschaffen. Um auf das Höhenniveau der bestehenden Gleistrasse zu kommen, muss der nieder liegende Bereich, auf dem der Fernradweg und der Neckarersatzbach verlaufen, auf einer Länge von rund 400 Metern aufgefüllt – ein Fangedamm errichtet werden. „Dafür werden wir 15 000 Kubikmeter Erdmaterial lagenweise verdichten“, sagt Dörfel. Das Material – insgesamt 30 000 Tonnen – wird per Lastwagen über die Hafenbahnstraße angeliefert. Diese Auffüllarbeiten sollen im September beginnen.

Doch noch müssen entlang des einstigen Bachbetts Spundwände eingezogen und ein rund 300 Meter langer Abschnitt des Neckarersatzbaches verdolt werden. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Mit einem übergroßen Bohrer und einer Ramme werden die langen Spundwände in den Boden getrieben. Stück für Stück. „Insgesamt 11 000 Quadratmeter“, so Dörfel. Daneben liegen zwei Meter große Betonröhren für den neuen Kanal, in dem der Neckarersatzbach in der Interimszeit fließen wird. „Auch mit dem Kanalbau sind wir beinahe fertig“, gibt sich Dörfel zufrieden.

Bis Ende März 2019 muss die Umleitung fertig sein

Denn der Zeitplan drängt: Die Bahnverantwortlichen haben an zwei Wochenenden im April und Mai je zwei Sperrpausen für den regulären Zugverkehr reserviert. Bis Ende März 2019 müssen der Fangedamm aufgebaut und die Gleise, auf der die Züge vorübergehend rollen sollen, sowie die Weichen, Stromleitungen und sonstigen Einrichtungen installiert sein. „Die kurze Sperrpause müssen wir dann nutzen, um die bestehende Gleistrasse mit der neu gebauten Umleitungsstrecke zu verbinden“, so Dörfel.

Begonnen wird mit dem äußersten Gleis, dem S-Bahngleis Richtung Plochingen. Die restlichen drei Gleise werden nacheinander verschoben. „Die Züge werden in einer sanften Kurve verschwenkt und nach 800 Metern wieder auf die alte Trasse gelangen.“ Die Züge – erst recht die ICEs – können mit einhundert Kilometer in der Stunde auf dem provisorischen Fangedamm verkehren. Der sich dann anschließende Trogbau wird etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Gleichzeitig werden im Bereich zwischen Tunnelportal und Imweg zwei weitere Gleise verlegt werden. „Sobald die Tunnelröhren mit der bestehenden Strecke verbunden sind, wird der Fangedamm zurückgebaut und sowohl der Fernradweg als auch der Neckarersatzbach wiederhergestellt“, verspricht Dörfel.