Tunnelbrand an der A 8 bei Wiesensteig Großeinsatz im Lämmerbuckeltunnel

Mehrere Stunden dauerte am späten Mittwochabend der Löscheinsatz der Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden. Foto:  

Zunächst fängt ein Sprinter an zu brennen, dann wird er von einem weiteren Transporter gerammt. Feuerwehren löschen am Mittwochabend den Brand in Tunnel an der A 8 bei Wiesensteig im Kreis Göppingen. Bis spät in die Nacht ist der Tunnel komplett gesperrt.

Wiesensteig - Im 625 Meter langen A 8-Lämmerbuckeltunnel oberhalb von Wiesensteig hat am Mittwochabend nicht nur ein defektes Fahrzeug gebrannt, es kam außerdem noch zu einem Unfall mit dem Pannenfahrzeug. Der Schaden wird von der Polizei auf 80 000 Euro geschätzt.

 

Wie die Polizei mitteilte, stellte der 67 Jahre alte Fahrer eines Sprinters gegen 20.25 Uhr einen Defekt an seinem Fahrzeug fest und stellte es auf dem rechten Fahrstreifen im Lämmerbuckeltunnel in Fahrtrichtung Ulm ab. Der Mann versuchte erfolglos den Motor zu starten. Dabei brach ein Feuer im Motorraum aus. Zu diesem Zeitpunkt war ein zweiter Sprinter im Lämmerbuckeltunnel unterwegs; dessen 50 Jahre alter Fahrer sah das Pannenfahrzeug aber zu spät und rammte es. Dabei wurde der brennende Sprinter gegen die Tunnelwand gedrückt, berichtet die Polizei. Versuche der Fahrer, den Brand mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen, schlugen fehl.

Feuerwehren aus der gesamten Gegend waren im Einsatz

Erst die Rettungskräfte brachten das Feuer unter Kontrolle. Wie die Gruibinger Feuerwehr, die vor Ort war, mitteilt, musste sie nicht nur das Feuer löschen. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer prüften auch, ob sich Menschen in den beiden Rettungsstollen des Lämmerbuckeltunnels befanden. Verletzt wurde niemand. Alle Personen konnten sich ohne Blessuren aus dem Tunnel retten.

Zusammen mit der Wehr aus Gruibingen rückten die Ehrenamtlichen aus Wiesensteig zum Lämmerbuckeltunnel aus. Beide Wehren sind sogenannte Stützpunktfeuerwehren. Gemeinsam sind sie zuständig für den Autobahn-Abschnitt von Aichelberg bis knapp vor Merklingen und dafür mit geeigneten Fahrzeugen ausgerüstet. Auf dem Weg zum Einsatzort wurde der Brand im Tunnel bestätigt, weshalb weitere Feuerwehren alarmiert wurden, erklärt Gruibingens Feuerwehrkommandant Frank Burr. Also rückten noch die Feuerwehren aus Drackenstein, Hohenstadt, Laichingen, Merklingen und Geislingen aus.

Die Tunnelröhre musste abgekühlt werden

Die Feuerwehrmitglieder löschten umgehend den Brand. Außerdem kümmerten sich auch darum, dass die Tunnelröhre abkühlte. Unterstützung erhielten die Rettungskräfte dabei von der Sicherheitstechnik im Lämmerbuckeltunnel. Dieser sei auf dem neuesten Stand der Technik, betont Petra Hentschel, die Sprecherin der Niederlassung Südwest der Autobahn GmbH des Bundes. „Die automatische Brandmeldeanlage hat auf das Feuer reagiert“. Auf diese Weise wurden nicht nur die Feuerwehren alarmiert, sondern auch spezielle Lüfter zur Entrauchung des Tunnels aktiviert. Zusätzlich wurden die Ampeln am Tunneleingang auf Rot geschaltet, um den nachfolgenden Verkehr an der Einfahrt zu hindern. „Das macht uns die Arbeit bei einem Brand im Tunnel einfacher“, betont Kommandant Frank Burr.

Nachdem die Tunnelröhre durchlüftet worden war, ergänzt die Polizei in ihrem Bericht, konnten die beiden Unfallfahrzeuge abgeschleppt werden. Danach wurde die Fahrbahn mit einer Kehrmaschine gereinigt. Anschließend musste das Tunnelbauwerk auf Schäden untersucht werden. Die Autobahn musste während der Lösch- und Aufräumarbeiten in Fahrtrichtung Ulm und München zwischen den Anschlussstellen Mühlhausen und Merklingen komplett gesperrt werden. Die Strecke konnte erst gegen 2.15 Uhr wieder freigegeben werden. Für die Feuerwehrmitglieder war der Einsatz dagegen bereits gegen 0.30 Uhr beendet.

Asphalt, Tunnelwand und Technik sind beschädigt

Allerdings bleibt der Brand nicht ohne Folgen für die Strecke, informiert Petra Hentschel weiter. Zwar sei der Tunnel befahrbar, allerdings mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf zunächst 60 Stundenkilometer. Zuvor galten 100 Km/h. „Ein Gutachter wird zeitnah die Schäden prüfen“, ergänzt die Sprecherin. Schäden seien am Asphalt, an der Tunnelwand und an der Technik entstanden. Im Anschluss würden die Schäden zeitnah beseitigt; das solle in der Nacht erfolgen, wenn die A 8 weniger stark befahren sei. Zur Schadenssumme am Tunnel konnte Petra Hentschel am Donnerstag noch keine Auskunft geben.

Ein Tunnel mit wechselvoller Geschichte

Historie
Mit dem Bau des zweispurigen Lämmerbuckeltunnels wurde im Herbst 1937 begonnen, im Sommer 1938 erfolgte der Tunneldurchbruch, 1942 wurde die Fahrbahn fertiggestellt. Danach wurden jedoch an den Eingängen schwere Eisentore angebracht und der Tunnel zur Rüstungsfabrik für Kompressoren und Flugmotoren umfunktioniert. Die Lage war ideal, da diese Fabrik aus der Luft nahezu unsichtbar und bombensicher war. Erst im Mai 1957 war der restliche Aufstieg der Autobahn fertig, sodass der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden konnte.

Schutz
 Nach einer Sanierung 2011 wurden von 2018 bis 2020 zwei je 140 Meter lange Rettungsstollen gebaut. Dadurch verkürzen sich die Fluchtwege auf maximal 300 Meter.

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