Tunnelpläne in Freiberg am Neckar Autobahndeckel als teure Alternative

Die A 81 zerschneidet die Stadt Freiberg am Neckar – so könnte die Überdeckelung aussehen. Foto: structure/Leightweight Design

Die Region sucht verzweifelt nach neuen Möglichkeiten, Wohn- und Gewerbeflächen zu schaffen. Die in Freiberg (Kreis Ludwigsburg) und Stuttgart angedachten Lösungen gestalten sich schwierig.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Es ist ein Hoffnungsschimmer. Denn bei der Suche nach Wohn- und insbesondere Gewerbeflächen stoßen die Kommunen und der Verband Region Stuttgart (VRS) immer wieder schnell an Grenzen. Wenn man Autobahnen und große Straßen überbauen würde, könnten gerade in einer dicht besiedelten Gegend wie Stuttgart neue Möglichkeiten der Bebauung entstehen. Deshalb wollte die CDU/ÖPD-Fraktion in der Regionalversammlung wissen, ob das ganze nur ein schöner Traum ist – oder vielleicht doch eine realisierbare Option zur Verbesserung der Flächenversorgung.

 

Die Antwort, die die Fraktion in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses,von Christina Baumgärtner erhielt, der Referentin für Landschaftsentwicklung im VRS, deutet eher in die Schöner-Traum-Richtung. Zwar gebe es national und international durchaus Beispiele für gelungene Überbauungen, also ebenerdige Überdeckelungen einer tiefer liegenden Trasse, oder Einhausungen einer ebenerdigen Straße. Das in Deutschland wohl bekannteste Beispiel ist die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße in Berlin, entstanden in den 1970er Jahren. Sie steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Die Diskussionen in Böblingen haben Jahrzehnte gedauert

Aber auch aus der Region Stuttgart gibt es ein aktuelles Beispiel: Im Zug des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn 81 zwischen Sindelfingen und Böblingen-Hulb wird die Autobahn dort auf 850 Meter Länge überdeckelt. Zugegeben, von einer schnellen Lösung kann nicht die Rede sein: Die Diskussionen darüber haben sich über mehrere Jahrzehnte hingezogen – also bereits im vergangenen Jahrhundert begonnen.

In der Region Stuttgart gibt es derzeit zwei Kommunen, die mit solchen Gedanken spielen: In Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg)  wird über das zur Internationalen Bauausstellung IBA’27 vorgelegte Konzept „Freiraum für Freiberg“ diskutiert. In der Landeshauptstadt Stuttgart geht es um ein Konzept zur Überbauung der Bundesstraße 10 im Neckartal zwischen Hedelfingen und Obertürkheim.

Stadtteile sollen miteinander verbunden werden

In Freiberg ist es das Ziel, mit Hilfe einer 450 Meter langen Landschaftsbrücke in hybrider Leichtbauweise den durch die Autobahn 81 abgetrennten Ortsteil Geisingen mit den Ortsteilen Beihingen und Heutingsheim zu verbinden. Neben Wohn- und Büroräumen sollen ein Schulgebäude, eine Sporthalle und Grünflächen entstehen.

Natürlich gäbe es gute Argumente und Potenziale für solche Überbauungen, betonte Baumgärtner: Es entstünden neue Flächenpotenziale für die Innen- und Nachverdichtung. Solche Stadterweiterungen entlasteten Freiräume im Außenbereich vom Siedlungsdruck, Und natürlich sorgen solche Tunnelbauten für eine Verringerung der Luft- und Lärmemissionen und damit für eine Verbesserung der Wohnqualität in angrenzenden Wohnquartieren.

Grundstücksfragen stellen eine hohe Hürde dar

Diesen Vorteilen stehen aber auch eine ganze Reihe Hürden gegenüber. Die Abstimmung mit dem Bund als Eigentümer vieler Straßenflächen gestalteten sich oft zäh und langwierig. Der so entstehende Raum für Wohnungen und Gewerbe sei wegen der immens hohen Baukosten voraussichtlich jenseits der marktüblichen Preise. Auch die Grundstücksfragen seien nicht einfach zu lösen. Das deutsche Recht sehe keine unterschiedlichen Eigentümer von zwei übereinander liegenden Ebenen vor.

Durch eine Überdeckelung entstehen also nicht automatisch neue Grundstücke. Dazu komme eine aufwendige Baustellenlogistik, der Brandschutz müsse in Tunneln beachtet werden, und und und… Die anfängliche Euphorie in Freiberg ist deshalb mittlerweile einer gewissen Ernüchterung gewichen. Das als Leuchtturmprojekt der IBA Stuttgart‘27 geplante Projekt ist ins Stocken geraten.

Noch schwieriger gestaltet sich, so Christina Baumgärtner, die angedachte Entwicklung am Neckar zwischen der Otto-Konz-Brücke und der Hedelfinger Brücke. Die Ersteller der vom Stadtbezirk Hedelfingen in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie haben sich im Vorfeld nicht mit den zuständigen Fachbereichen in der Stadtverwaltung abgesprochen. Die Studie, so bemängelt die Stadt habe deshalb zahlreiche Mängel und berücksichtige nicht bereits angelaufene anderweitige Planungen.

Nach einer schnellen Verwirklichung klingt anders

Die im Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart aufgeworfene Frage, wie die Region die beiden Projekte unterstützen könne, wurde deshalb sehr zurückhaltend beantwortet. In Stuttgart werde man die Situation beobachten. In Freiberg am Neckar will der VRS alle beteiligten Akteure zu einem Treffen einladen, um realistische Perspektiven des Projekts und Möglichkeiten der Aufgabenverteilung auszuloten. Das klingt nicht gerade nach einer schnellen Verwirklichung.

Fakten zu den Freiberger Plänen

Unterstützung
Von landespolitischer Seite hatte das Projekt von Anfang an zahlreiche Unterstützer. Seit 2020 ist die angedachte Überdeckelung Teil des so genannten IBA‘27-Netzes, der großen Architekturschau der Region Stuttgart.

Kommunikationsprobleme
Aktuell fehlen der Stadt aufseiten des Bundes verantwortliche Ansprechpartner. Eine Verwirklichung bis zur Internationalen Bauausstellung in vier Jahren erscheint unmöglich. Als problematisch erweisen sich die Grundstücksverhältnisse. Die Autobahn selber und die angrenzenden Grünstreifen gehören der Bundesrepublik Deutschland. Die dahinter legenden Flächen sind teilweise im besitz der Stadt Freiberg, teilweise in privatem Eigentum.

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