Turbulenzen beim Roten Kreuz DRK-Schule schasst ihren Gesamtleiter

Vor neuem Problem: DRK-Landeschefin Bosch Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Die zentrale Ausbildungsstätte für dringend benötigte Notfallsanitäter steckt in erheblichen Turbulenzen. Zum Jahresende läuft eine wichtige Ausnahmeregel aus. Wie geht es weiter?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Paukenschlag beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Baden-Württemberg: Die DRK-Landesschule mit Hauptsitz in Pfalzgrafenweiler (Kreis Freudenstadt), an der unter anderem die dringend benötigten Notfallsanitäter ausgebildet werden, steht plötzlich ohne Leitung da. Der seit zwölf Jahren amtierende Gesamtschulleiter Rico Kuhnke wurde „mit sofortiger Wirkung freigestellt“, heißt es in einer internen Information, die unserer Zeitung vorliegt. Dies sei „in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt“, teilte die Sprecherin der Schule in Abstimmung mit dem DRK-Landesverband mit. Hauptgrund seien „unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung der DRK-Landesschule“.

 

Die Turbulenzen fallen zeitlich mit einer entscheidenden Weichenstellung zusammen: Nur noch bis zum Jahresende 2023 gilt laut der Sprecherin eine 2015 erlassene Ausnahmegenehmigung des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe. Damit wurden die Vorgaben für die Lehrkräfte zur Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und -sanitätern mit dem Segen des Stuttgarter Sozialministeriums gelockert.

Stark gewachsener Bedarf an Ausbildungsplätzen

Der Grund: Wegen der Novellierung des entsprechenden Gesetzes gab es seit 2014 einen „stark gestiegenen Bedarf an Ausbildungsplätzen“, den die DRK-Landesschule aufgrund des Mangels an qualifizierten Ausbildern kaum noch erfüllen konnte. Von diesen werden eine abgeschlossene Ausbildung als Notfallsanitäter sowie ein abgeschlossenes pädagogisches Studium verlangt. Mit der Ausnahme wurden offenbar auch ein schlechteres Schüler-Lehrer-Verhältnis und damit größere Klassen zugelassen. Vonseiten des Regierungspräsidiums hieß es, es gehe um die Duldung von „nicht vollständig qualifizierten Lehrkräften“.

Die DRK-Landesschule ist der Sprecherin zufolge in Gesprächen mit Regierungspräsidium und Sozialministerium über die Verlängerung der Ausnahmegenehmigung. Der Ausbildungsbedarf bei Notfallsanitätern sei inzwischen noch größer als ursprünglich geschätzt. Dies spiele in den Gesprächen eine Rolle. Das Regierungspräsidium teilte mit, über die Verlängerung des Erlasses entscheide das Sozialministerium; von dort war am Mittwoch kurzfristig keine Auskunft mehr zu erhalten.

Insgesamt werden 1350 Sanitäter ausgebildet

Derzeit werden an der DRK-Landesschule mit mehreren „Filialen“ im Südwesten 1350 angehende Notfallsanitäter in drei Jahrgängen ausgebildet. Co-Geschäftsführer der Schule ist der neue Geschäftsführer des von Barbara Bosch geführten DRK-Landesverbands, Marc Groß. Über die Nachfolge Kuhnkes wurde zunächst nichts bekannt. Zuletzt war die DRK-Landesschule in die Schlagzeilen geraten, als die Rotkreuz-Landesverbände alle Kreisverbände verpflichten wollte, ihre Schüler nur dorthin zu schicken. Dagegen wehrte sich ein privater Schulbetreiber erfolgreich in mehreren Prozessen.

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