Turbulenzen im Krankenhaus Leonberg Abrupter Abgang von Chefärzten wirft bis heute Fragen auf – kehrt 2026 Ruhe ein?

, aktualisiert am 09.01.2026 - 09:19 Uhr
Barbara John untersucht im November 2024 eine Patientin. Ein halbes Jahr später war die renommierte Chefärztin nicht mehr da. Foto: Simon Granville

Geschichten des Jahres 2025 aus Leonberg und Umgebung: Das plötzliche Ausscheiden der Chefärztin Barbara John löste große Unruhe aus. Es war nicht der einzige Abgang.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

So was machen nur die Amerikaner? Nein, das ist leider nicht so. Auch in Deutschland erleben nicht wenige Führungskräfte, eben noch ganz oben, dass sie binnen einer halben Stunde ihr Büro räumen müssen, oft unter Aufsicht von Sicherheitspersonal. Das ergeht nicht nur in Ungnade gefallenen Managern so, sondern selbst leitenden Medizinern.

 

Eine derartige Szene hat sich im April 2025 im Leonberger Krankenhaus abgespielt. Dem Chef der Anästhesie wurde damals sehr deutlich gemacht, dass seine Dienste nicht mehr erwünscht sind. Ob er nun regelrecht abgeführt wurde, wie unsere Zeitung aus gut informierter Quelle im Juli erfahren hatte, oder nur aufgefordert wurde, seine Arbeit unverzüglich einzustellen, sei dahingestellt.

Krankenhaus Leonberg: Weggang von Barbara John überraschte

Entscheidend allerdings ist der Sachverhalt als solcher. Denn der erfahrene Narkosearzt war nicht der einzige Topmediziner, der die Klinik voriges Jahr verlassen hat. Große Aufmerksamkeit erzeugte der für die Öffentlichkeit völlig überraschende Weggang von Barbara John. Die überregional renommierte Darmspezialistin hatte als Chefärztin die Innere Abteilung zu einer gefragten Anlaufstelle für Patienten aus ganz Süddeutschland gemacht. Auch Künstler und andere Prominente vertrauten ihr ihre Gesundheit an.

Warum Barbara John von jetzt auf gleich von der medizinischen Bildfläche des Klinikverbundes Südwest verschwunden ist, ist bis dato rätselhaft. Beide Seiten haben Stillschweigen vereinbart. Fakt ist, dass sich die Chefärztin immer mit Verve für ein starkes Krankenhaus Leonberg eingesetzt hat. Offerten innerhalb des Klinikverbundes, in ein größeres Haus zu wechseln, habe sie stets abgelehnt. Dass der machtbewusste Geschäftsführer Alexander Schmidtke, der als Sanierer geholt wurde, allzu große Eigenwilligkeiten nicht duldet, wird in Insiderkreisen für sehr wahrscheinlich gehalten.

 

Beide ärztliche Abgänge in kurzer Zeit, vor allem der von Barbara John, haben die Mischung aus Verunsicherung und Unmut sowohl in der Bevölkerung wie auch in der Kommunalpolitik deutlich vergrößert. Etliche Patienten der Chefärztin hatten sich erbost und frustriert bei unserer Zeitung gemeldet. Die Leonberger CDU erklärte, das Krankenhaus werde „kaputtgemacht“. Denn nicht nur die Personalien gäben parteiübergreifend Anlass zu größten Sorgen, sondern auch die auf Eis gelegte Sanierung des Krankenhauses.

Bei den Kosten der Flugfeldklinik steht die Milliarde am Horizont

Treiber des Sparkurses ist neben der desolaten Krankenhaus-Finanzierung in Deutschland im Allgemeinen das Lieblingsprojekt des Böblinger Landrats im Besonderen: Roland Bernhard möchte die Vollendung der Flugfeldklinik unbedingt im Amt erleben. Das Großprojekt, das mit einer Uniklinik mithalten soll, wird immer teurer: Die 800-Millionen-Euro-Grenze ist erreicht. Dass am Ende bei den Kosten eine Milliarde Euro erreicht werden, gilt als sehr wahrscheinlich.

Roland Bernhard, der sich mit seinem Calwer Kollegen Helmut Riegger im Vorsitz des Aufsichtsrates des Klinikverbundes abwechselt, weiß freilich, dass zu viel Unruhe in Leonberg negative Auswirkungen auf das Flugfeld-Klinikum haben könnte. Deshalb gab er kurz vor den Sommer eine Bestandsgarantie für das Leonberger Krankenhaus ab, die er allerdings auf seine Amtszeit beschränkt, die in knapp fünf Jahren abläuft.

Sanierungsgeld fließt für Krankenhaus Leonberg – auch in die Zentrale Notaufnahme

Auch Sanierungsgelder in Höhe von drei Millionen Euro werden fließen. Der Finanzausschuss des Kreistages gab im Oktober grünes Licht. Damit soll unter anderem ein ambulanter Operationssaal realisiert und die stark frequentierte Zentrale Notaufnahme erweitert werden. Mit der guten Nachricht des Geldsegens im Rücken versicherte Landrat Bernhard seinerzeit, dass Leonberg weiterhin ein Haus der Grund- und Regelversorgung bleibe und einen Schwerpunkt für Geriatrie bekomme: Altersmedizin gewinne immer mehr an Bedeutung.

Foto: Simon Granville

Und eine positive Personalie haben Bernhard und Schmidtke ebenfalls parat: Die vakante Stelle von Barbara John wird mit einem alten Bekannten besetzt. Wolfgang Heinz war schon bis 2014 Chef des Gastroenterologie in Leonberg. Nun kehrt er im kommenden März an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dass Heinz nur eine Übergangslösung sei, wie in der Leonberger Politik befürchtet wird, weisen der Landrat und der Klinikverbundchef vehement zurück.

Landrat Roland Bernhard und Leonbergs Oberbürgermeister Tobias Degode (rechts): Ein guter Neuanfang? Foto: privat

Zumindest ein wenig Beruhigung könnte also zum neuen Jahr rund ums Leonberger Krankenhaus einkehren. Zumal der neue Oberbürgermeister Tobias Degode deutlich moderatere Töne in Richtung Landrat anschlägt, als dies bei seinem Vorgänger der Fall war. Dann kommt aber erneut eine Personalie, die den Skeptikern recht zu geben scheint: Anfang Dezember wird bekannt, dass der Chefarzt der Gynäkologie gekündigt hat. Dabei hat Arkadiusz Praski noch nicht einmal ein Jahr zuvor die Leitung der Frauenklinik übernommen und sich in kurzer Zeit einigen Respekt erarbeitet.

Dass die Stelle neu ausgeschrieben wird, mag nicht wirklich beruhigen. Denn Ruhe und Kontinuität sind genau das, was Patienten und Personal in Leonberg am dringendsten benötigen. Nur so lässt sich der immer wieder zu hörende Vorwurf ausräumen, das Management und die Landkreis-Führung ließen die Klinik am ausgestreckten Arm verhungern.

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