Turn-Bundesliga mit Weltmeisterin Das Berkheimer Motto: drin bleiben

Vor einem Jahr nahm der Heimwettkampf für Irene Lanze, Anni Bantel und Trainer Gerhard Weber (von links) ein glückliches Ende. Foto: Herbert Rudel

Die Bundesliga-Turnerinnen wollen erneut beim Heim-Wettkampf den Klassenverbleib feiern. Die russische Weltmeisterin Angelina Melnikowa startet für Tittmoning-Chemnitz.

Das Wort Showdown könnte für diesen Wettkampf erfunden worden sein. Denn für fast alle Teams geht es noch um viel, wenn sie am Samstag (16 Uhr) zum vierten und letzten Wettkampftag der Turn-Bundesliga der Frauen im Esslinger Sportpark Weil antreten. Der TSV Berkheim ist zum zweiten Mal Gastgeber, möchte wie vor einem Jahr vor eigenem Publikum den Klassenverbleib feiern „und auch im kommenden Jahr in Esslingen als Bundesligist dabei sein“, wie Trainer Gerhard Weber betont. Es wäre dann die dritte Saison in der Eliteliga nach dem Aufstieg. Denn, das ist bereits klar, auch in 2026 wird der Showdown-Wettkampf in Esslingen ausgetragen. Dort treten am Wochenende auch die Teams der 2. Bundesliga, der 3. Liga und der Regionalliga an – und die zurzeit beste Turnerin der Welt.

 

Die Ausgangslage im Abstiegskampf

Eins aus drei, heißt es hier. Die Teams der KTG Hannover, des TSV Berkheim und des Dresdner SC stehen in der Tabelle ganz hinten, der Letzte steigt in die 2. Bundesliga ab. Dass die Dresdnerinnen mit 10 Punkten zwei Zähler weniger haben als die Konkurrenten, spielt für die Ausgangslage keine ganz große Rolle. „Es wird die Tagesform entscheiden“, sagt Weber. Und er bekräftigt: „Wir müssen ein Team hinter uns lassen, dann sind wir durch.“

Die Ausgangslage beim TSV Berkheim

Daneben entscheidet auch das Personal. Dass die Lage diesbezüglich bei den Berkheimerinnen in den vergangenen beiden Wettkämpfen sehr angespannt war, führte dazu, dass das Team nach dem bärenstarken 4. Platz beim Auftakt in Mannheim noch in Abstiegsgefahr geriet. Diesmal aber sieht es gut aus. „Es sind keine Verletzungen dazugekommen“, erklärt Weber. Im Gegenteil: Top-Talent Anni Bantel kann nach auskuriertem Muskelfaserriss wieder an allen vier Geräten antreten. Die Italienerin Marta Uggeri und die Schweizerin Anina Wildi teilen sich den Ausländerinnenplatz, werden also jeweils an zwei Geräten zum Einsatz kommen. Dazu ist auch Maike Knaak, die beim dritten Wettkampf in Ketsch ihr Debüt im blauen Berkheimer Turndress gab, in Form und motiviert. Petra Stabile, Anna-Marlen Piee und Sara Virga Espana komplettieren das Aufgebot. Zumal ein Blick auf die Meldeliste zeigt, dass sich die Dresdnerinnen und Hannoveranerinnen nicht zusätzlich verstärkt haben, ist Weber „sehr zuversichtlich. Wir sind gut aufgestellt“. Wenn die Turnerinnen ihre Leistung an die Geräte bringen, ist die Chance also groß, dass es erneut zum Klassenverbleib reicht.

Die Rolle von Carina Kröll

Die frühere deutsche und österreichische Nationalturnerin sowie Berkheim-Urgestein Carina Kröll steht offiziell noch im Kader der TSV-Turnerinnen. Aufgrund von Verletzungen hat sie sich Mitte des Jahres aber entschlossen, ihre Karriere zu beenden. Was sie vor einem Jahr noch nicht wusste: Der Heim-Wettkampf im November 2024 war so ihr letzter Auftritt auf der Turn-Bühne. „Sie ist aber sehr wichtig für uns, sie ist die Leaderin“, sagt Coach Weber. Kröll ist nach wie vor eng an den Turnerinnen. „Ich unterstütze die Mädels jetzt vor allem im Athletiktraining und bin bei den Wettkämpfen für alles da – vom Matten schieben bis zum mentalen Support“, erklärt Kröll selbst und fügt hinzu: „Ehrlich gesagt bin ich jetzt bei Wettkämpfen nervöser als früher, als ich selbst geturnt habe. Das Fliegen durch die Halle fehlt mir zwar, aber ich weiß, dass es für meine Gesundheit so genau richtig ist.“

Die Ausgangslage an der Tabellenspitze

Was die Meisterschaft betrifft, fällt die Entscheidung noch nicht in Esslingen, sondern beim Ligafinale am 29. November in Heidelberg, gemeinsam mit den Männern. Vier Teams qualifizieren sich. Tabellenführer TSV Tittmoning-Chemnitz und Seriensieger MTV Stuttgart sind bereits durch, der Dritte TG Mannheim so gut wie. Spannend wird der Kampf um den vierten Finalplatz zwischen den mit jeweils 22 Zählern punktgleichen TZ DSHS Köln und TG Karlsruhe-Söllingen. Auch hier hält Berkheims Trainer Weber das Rennen für offen. Für Tittmoning-Chemnitz tritt neben der deutschen Sprung- und Mixed-Europameisterin Karina Schönmaier auch Angelina Melnikowa an. Die Russin hatte bei den Weltmeisterschaften in Jakarta Gold im Mehrkampf und am Sprung gewonnen. Dass Melnikowa, die vom Weltverband FIG eine Starterlaubnis unter neutraler Flagge erhielt, nun in der Bundesliga antritt, ist gleichzeitig eine sportliche Bereicherung und politisch umstritten.

Die weiteren Wettkämpfe

In der 2. Bundesliga, die in Weil am Samstag um 11 Uhr das Wettkampfwochenende eröffnet, dürfte sich die TSG Berlin Steglitz den Aufstieg in die Bundesliga nicht mehr nehmen lassen. Auf Platz drei der Tabelle steht im Moment die TS Neckar-Gym Nürtingen. In der 3. Liga (Sonntag, 14.30 Uhr) sind der VfL Kirchheim als Zweiter und die WTG Filder-Neckar dabei, in der Regionalliga (Sonntag, 10 Uhr) treten Schlusslicht TSV Wernau und das zweite Team von Neckar-Gym Nürtingen an.

Wissenswertes

Karten für das Turn-Highlight gibt es über einen Link auf der Vereinshomepage www.tsv-berkheim.de und an der Tageskasse. Da die Parkmöglichkeiten rund um den Sportpark eingeschränkt sind, bietet sich das Anreisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Bushaltestelle wenige Meter vom Eingang – an. Am Sonntag steht das Parkhaus im Neckar-Center zur Verfügung.

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