Turn-Bundesliga in Esslingen Angelina Melnikowa: keine Proteste, nur Applaus

Die russische Kunstturnerin Angelina Melnikowa überzeugt sportlich nicht nur mit ihrem Auftritt am Balken in Esslingen. Foto: Georg. Hrivatakis

Die politisch umstrittene Turn-Weltmeisterin Angelina Melnikowa begeistert das Publikum beim Bundesliga-Wettkampf in Esslingen.

Verhaltenes Klatschen hallte durch die Halle im Esslinger Sportpark Weil, als der Hallensprecher Angelina Melnikowa ankündigte, die sich bereits für ihren ersten Auftritt beim Sprung positioniert hatte. Viele der 1000 Zuschauer zückten ihr Smartphone, um diesen Moment festzuhalten. Es war mucksmäuschenstill, als die russische Kunstturnerin Melnikowa losrannte und nach sechs Sekunden perfekt auf der Matte landete. Sie verließ das Gerät unter tosendem Applaus.

 

Nachmeldung Melnikowas sorgt für Aufsehen

Beim vierten und letzten Wettkampftag der Turn-Bundesliga in Esslingen zeigte die 25-jährige Melnikowa, die drei Wochen zuvor im Mehrkampf-Finale und am Sprung bei der WM 2025 in Jakarta Gold geholt hatte, ihr ganzes Können. Kurz zuvor sorgte die Nachricht über die Nachmeldung Melnikowas aber noch für gehöriges Aufsehen. Denn einerseits ist ein spektakulärer Coup des Bundesliga-Ersten TSV Tittmoning-Chemnitz, der Melnikowa kurzfristig bei der Deutschen Turn-Liga (DTL) für diesen Wettkampf nachgemeldet hatte. Andererseits wurde auch Skepsis bis Unverständnis für ihre Verpflichtung – vor allem in den sozialen Medien – zum Ausdruck gebracht. Denn der 25-jährigen Russin wird Nähe zur putintreuen Partei „Einiges Russland“ nachgesagt.

Auch Esslingens OB Matthias Klopfer äußert sich

Die Trainerin der Chemnitzerinnen, Tatjana Bachmayer, gab im Interview mit dem SWR zu, dass sie die politischen Dimensionen unterschätzt habe, der Sache etwas blauäugig entgegen gegangen sei, aber dachte, dass das für ihr Team vor allem ein sportliches Highlight wäre. Auch Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer ergriff bei der Begrüßung der Teams zu Beginn des Bundesliga-Wettkampfs das Wort und brachte Kritik zur Nachnominierung Melnikowas zum Ausdruck: „Ich wünsche mir, dass die Chemnitzer nach dem DTL-Finale in Heidelberg über ihre Entscheidung nachdenken, die amtierende Weltmeisterin zu nominieren.“ Die Polizei ist jedenfalls im Vorfeld des Events gewarnt worden, dass es Gerüchten zufolge zu Protesten gegen den Auftritt der Russin kommen könnte. Einige Beamte positionierten sich vor der Halle. Protestaktionen gab es aber keine.

Beste Turnerin des Wettkampfes

Im Gegenteil, das Publikum in der Sporthalle in Weil war von den Auftritten der 25-jährigen Russin begeistert. Die Weltmeisterin lieferte ab und zeigte trotz aller Diskussionen hervorragende Leistungen: Am Barren (14,60 Punkte) und Balken (14,05 Zähler) war sie die beste Turnerin des Wettkampfs, lediglich beim Sprung wurde TSV-Teamkollegin, Europameisterin und die wohl derzeit beste deutsche Kunstturnerin Karina Schönmaier, besser bewertet. Aber auch eine Weltmeisterin kommt mal ins Straucheln: Bei ihrer letzten Übung am Boden kam Melnikowa am Ende ihrer letzten Bahn kurz zu Fall, was zu Punktabzügen führte. Dennoch wurde die Russin mit insgesamt 55,40 Punkten zur besten Turnerin des Wettkampfes gekürt und führte ihr Team zum Tagessieg.

Tittmoning-Chemnitz erhofft sich nun im Ligafinale in knapp zwei Wochen in Heidelberg durch die Verpflichtung der russischen Spitzenturnerin, Rekordmeister MTV Stuttgart nach 13 Jahren von der Spitze zu stürzen. Melnikowa verließ die Halle in Esslingen rasch und unter Applaus – und erfüllte noch ein paar Selfie-Wünsche junger Turnerinnen mit einem Lächeln.

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