Turn-Bundesliga mit Weltmeisterin Auftritt von Angelina Melnikowa sorgt für Aufsehen

Die Turnerin Angelina Melnikowa holt bei der WM 2025 in Jakarta Gold. Foto: IMAGO/Russian Look

Der Start der russischen Weltmeisterin Angelina Melnikowa beim vierten und letzten Turn-Bundesliga-Wettkampf in Esslingen ist „eine zweischneidige Geschichte“.

Als die 25-jährige russische Kunstturnerin Angelina Melnikowa im Mehrkampf-Finale und am Sprung bei der WM 2025 in Jakarta Gold geholt hatte, ertönte bei der Siegerehrung statt der Nationalhymne das 1. Klavierkonzert von Tschaikowski. Denn sie startete unter neutraler Flagge. Drei Wochen später tritt Melnikowa an diesem Samstag in Esslingen im Sportpark Weil an, wenn um 16 Uhr der vierte und letzte Wettkampftag der Turn-Bundesliga ansteht. Der Auftritt der derzeit weltbesten Turnerin sorgt für gehöriges Aufsehen.

 

Vorfreude und Unverständnis

Es ist ein spektakulärer Coup des Bundesliga-Tabellenführers TSV Tittmoning-Chemnitz, der Melnikowa kurzfristig bei der Deutschen Turn-Liga (DTL) für diesen Wettkampf und das Ligafinale am 29. November in Heidelberg nachgemeldet hat. Tittmoning-Chemnitz erhofft sich durch die Verpflichtung von Melnikowa, Rekordmeister MTV Stuttgart nach 13 Jahren von der Spitze zu stürzen. Und noch nie zuvor ist eine amtierende Weltmeisterin bei einem Wettkampf in Esslingen angetreten. Sportlich gesehen ist die Vorfreude auf Melnikowas Auftritt groß, der aber auch auf Unverständnis – vor allem in den sozialen Medien – trifft. Denn der 25-jährigen Russin wird Nähe zur Partei „Einiges Russland“ nachgesagt. 2022 wurde Melnikowa, wie viele andere russische Sportlerinnen und Sportler, von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Der Turn-Weltverband FIG erteilte ihr für die WM in diesem Jahr in Jakarta aber eine Starterlaubnis unter neutraler Flagge, unter der sie auch beim Bundesliga-Wettkampf im Sportpark Weil starten wird. „Es gab in den vergangenen Tagen zur Personalie Melnikowa ein überdurchschnittliches bundesweites Medieninteresse und eine signifikant größere Nachfrage an Akkreditierungen. Das haben wir normalerweise erst im Finale so“, berichtet DTL-Pressesprecher Nils Bohl.

„Es ist eine zweischneidige Geschichte“

Dem Gastgeber TSV Berkheim ist der Rummel um die russische Kunstturnerin freilich nicht entgangen – er richtet laut dem Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit Holger Bentzien den Fokus aber lieber auf sich, „denn wir wollen im Heimwettkampf den Klassenverbleib schaffen“. Aber Bentzien sagt dennoch: „Es ist eine zweischneidige Geschichte und wir sind, wie vermutlich viele, hin- und hergerissen. Es ist ein sportliches Highlight, dass Melnikowa in Esslingen mit dabei ist, aber politisch ist sie eine umstrittene Persönlichkeit.“

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