Turnen Toba sucht das Gleichgewicht

Andreas Toba (rechts) tastet sich wieder an seinen alten Leistungsstand heran. Foto: dpa
Andreas Toba (rechts) tastet sich wieder an seinen alten Leistungsstand heran. Foto: dpa

Der deutsche Turner Andreas Toba will sich nach einem schwierigen Jahr mit Verletzungen in Stuttgart für die Turn-WM in Kanada qualifizieren.

Stuttgart - Andreas Toba muss sich erst noch finden in seiner neuen Rolle und gibt zu, dass er damit ein bisschen fremdelt. Der Generalist unter den deutschen Spitzenturnern, der jahrelang als perfekter Mehrkämpfer mit seiner Vielseitigkeit und Zuverlässigkeit glänzte, wird bei der innerdeutschen WM-Qualifikation am Samstag in der Stuttgarter Scharrena nur an den Ringen und am Pauschenpferd turnen. Und hier schließt sich der Kreis.

Das Pferd war nämlich auch das letzte Gerät, bei dem der 26-Jährige international in Erscheinung getreten ist bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Es war ein Moment, mit dem sich Andreas Toba auf eine ganz besondere Art unvergessen gemacht hat im deutschen Turnsport. Nicht mit einem Sieg, nicht mit einer Medaille, sondern mit einem ganz wertvollen Dienst, den er seiner Mannschaft erwiesen hat. Bei der Qualifikation für das Mannschaftsfinale zog er sich am Boden einen Kreuzbandriss zu, turnte dennoch am Pauschenpferd, erhielt dort die höchste Wertung der Deutschen und sicherte dem Team den Finalplatz.

Zum Tränen gerührt

Sein Kampfgeist und seine Tränen rührten das Publikum an, und Toba erhielt unter anderem den Bambi-Publikumspreis. „Damit hätte ich nie gerechnet, es war schon unglaublich, was medial auf mich eingebrochen ist“, sagt Toba. All die Ehrungen und Lobeshymnen hätte er gerne gegen einen gesunden Körper eingetauscht. Denn es blieb nicht bei einer Operation. Nach der Kreuzband- und Meniskusoperation im Sommer musste er im Februar erneut am Meniskus operiert werden. Danach schwoll das Knie immer wieder an – es folgte im April der dritte Eingriff, bei dem sich eine bakterielle Infektion herausstellte.

Das Jahr hat Spuren hinterlassen. Nicht nur die Narben am Knie. „Aber man lernt auch wieder, die einfachen Dinge zu schätzen“, erzählt Toba und meint damit einen Spaziergang durch die Stadt ohne Pausen und Schmerzen oder schlicht wieder Auto zu fahren. Und er konnte an seinen Defiziten arbeiten, an Dingen, die er in den vergangenen Jahren aufgrund der vielen Wettkämpfe vernachlässigt hat. Einen genauen Zeitpunkt, wann er wieder Vertrauen in sein Knie gehabt hat, kann er nicht sagen. Es war ein ganz langsames Rantasten.

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