Turnerin bei Olympia 2024 Helen Kevric, ihre positive Olympia-Bilanz – und das Foto mit Simone Biles

Helen Kevric im Finale der Olympischen Spiele von Paris am Stufenbarren. Foto: imago//Steffie Wunderl

Für Helen Kevric sind ihre ersten Olympischen Spiele zu Ende gegangen. Zum Abschluss hat die erst 16-Jährige am Stufenbarren Platz sechs belegt. Und auch ein anderes Ziel erreicht.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Mehrkampffinale erreicht, Gerätefinale erreicht – Helen Kevric hat das, was sie sich für die Olympischen Spiele in Paris vorgenommen hatte, umgesetzt. Auch das, was mit ihrer Leistung an Sprung, Schwebebalken, Boden und Stufenbarren gar nichts zu tun hatte.

 

Vor fünf Jahren, als die Turn-Weltmeisterschaften in Stuttgart stattfanden, entstand ein Foto: Superstar Simone Biles gemeinsam mit der damals elfjährigen Helen Kevric. In Paris turnten die beiden immer wieder Seite an Seite, in den Wettbewerben und in der Trainingshalle. Am Sonntag nun hielt Kevric der Olympiasiegerin das Foto unter die Nase – mit der Bitte um eine Unterschrift. „Oh, da warst du aber noch klein“, sagte Biles. Und unterschrieb.

Auch dahinter konnte die erst 16-jährige Turnerin aus Ostfildern also einen Haken machen. Und sportlich besserte sie ihre Bilanz an ihrem letzten Wettkampftag von Paris noch einmal auf. Starke Achte war sie im Mehrkampffinale am vergangenen Donnerstag geworden, im Finale am Stufenbarren erreichte sie beim Olympiasieg der Algerierin Kaylia Nemour (15,700 Punkte) Rang sechs mit 14,566 Punkten. „Ich habe mich noch um zwei Plätze nach vorne gekämpft“, sagte sie recht zufrieden, obwohl sie ihre bisherige Bestleistung von 14,800 Punkten nicht erreicht hatte. Ins Finale war sie als Achte der Qualifikation eingezogen. Perfekt lief es allerdings nicht: „Ich hatte zwei Fehler, die stören mich ein bisschen.“

Das zeigt den Anspruch des Teenagers, der schon am vergangenen Donnerstag erklärt hatte, die eigenen Übungen künftig noch schwieriger zu machen. Was ihr voraussichtlich helfen wird: Dass sie die olympische Erfahrung nun schon in sehr jungem Alter gesammelt hat. Unter teils extremen Bedingungen.

In der Qualifikation turnte das deutsche Trio in einer Gruppe mit Biles und dem amerikanischen Team. Im Mehrkampffinale war Biles immer kurz vor oder nach Helen Kevric an einem anderen Gerät dran – was das Publikum stets ausrasten ließ. Und zum Abschluss musste die Athletin vom MTV Stuttgart unmittelbar nach der Olympiasiegerin an den Start. Auch hier: eine tobende Halle, da die 17-jährige Nemour in Frankreich geboren und aufgewachsen ist und auch hier lebt.

„Das hat mich aber nicht aus der Bahn geworfen“, sagte Kevric, die den Einmarsch als nun eine der besten der Welt noch genossen hatte. „Das war schön“, sagte sie – und bestätigte den Eindruck, den sie in den Momenten nach dem Wettkampf machte: „Ich bin erleichtert, es war schon auch hart in den vergangenen Wochen.“ Erst das Rennen um die Teilnahme vor allem gegen Elisabeth Seitz, dann die direkte Vorbereitung auf die Spiele, nun die Belastung – physisch und psychisch von drei Wettkämpfen. Aber: „Ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe und diese Erfahrungen sammeln durfte.“ Sie würde es, meinte sie, „jederzeit genauso noch einmal machen“.

Thomas Gutekunst, der Sportdirektor des Deutschen Turnerbundes (DTB), lobte: „Es ist großartig, wie sie in diesem Finale mitgeturnt hat.“ Kevrics Leistung zeige, „dass wir uns in Deutschland auf die Zukunft freuen dürfen“. Vielleicht sogar auf die sehr kurzfristige.

An diesem Montag (11.45 Uhr) turnt Lukas Dauser das Finale am Barren. Helen Kevric will den erfahrenen Kollegen dann in der Halle unterstützen. Und vielleicht das letzte Ziel noch erreichen: von Simone Biles einen Pin bekommen. Die könnte allerdings beschäftigt sein – mit Goldmedaille acht und neun.

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