Tuttlinger Imagekampagne Ein kleiner Landkreis mit ganz großem Anspruch

Landrat Bär vor einem der neuen Schilder. Foto: Landkreis Tuttlingen

„Weltzentrum der Lebensqualität“: mit diesem Slogan wirbt der Kreis Tuttlingen neuerdings für sich. Wie die Kreisräte darauf gekommen sind – und ob sie es ernst meinen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wer mit dem Auto in den Landkreis Tuttlingen einfährt, kann eines neuerdings nicht mehr übersehen: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, verkünden frisch aufgestellte Schilder an Bundes- und Landstraßen, nämlich das „Weltzentrum der Lebensqualität“. Bei vielen auswärtigen Fahrern dürfte das ein Grinsen auslösen – und die Frage: meinen die das wirklich ernst?

 

Breiter bekannt wird damit der neue Slogan, den sich der Kreis (Kfz-Kennzeichen TUT) bereits vor zwei Jahren gegeben hat. Der alte Auftritt war in die Jahre gekommen, eine neue „Marke“ musste her. Man sei mit 140 000 Einwohnern zwar klein, aber in vielem großartig – in diesem Bewusstsein machten sich die Kreisoberen um Landrat Stefan Bär auf die Suche. Mehrere Agenturen wurden um Vorschläge gebeten, das Rennen machte schließlich eine aus Villingen-Schwenningen. Zweimal durften die Bürger mitreden, es gab insgesamt 3000 Rückmeldungen und sogar einen Vorschlag aus ihrer Mitte. „TUT ist top“, empfahl ein einstiger Banker und ließ das sogar als Wortmarke beim Patentamt eintragen. Doch sein Vorschlag fand keinen Gefallen. Am Ende kam das „Weltzentrum der Lebensqualität“ heraus.

„TUT ist top“ findet keinen Gefallen

Weltzentrum – als das galt die Kreisstadt Tuttlingen schon bisher, aber nur in einer Branche: der Medizintechnik. Führende Firmen haben hier ihren Sitz, Aesculap etwa als Spezialist für chirurgische Instrumente. Daran wollte man anknüpfen. Auch sonst habe der Kreis viel zu bieten: Wirtschaft, Freizeit, Natur und Kultur wurden von den Bürgern als Pluspunkte genannt, oft verbunden mit dem Begriff Lebensqualität. Prompt war der Slogan „Weltzentrum der Lebensqualität“ geprägt.

Imagekampagne mit einem „Augenzwinkern“

Man meine das „nicht ironisch, aber mit einem Augenzwinkern“, erläutert eine Landrats-Sprecherin. Doch das Augenzwinkernde erschließt sich Kritikern nicht so recht, für sie klingt der Anspruch eher anmaßend. Nirgendwo auf dem Globus sei die Lebensqualität so hoch wie im Kreis Tuttlingen? Lokalpatrioten mögen das so sehen, auf Auswärtige wirkt es eher provinziell. Immerhin blieben die Tuttlinger bodenständiger als die Wirtschaftsregion Ortenau, die einen Kunstnamen für sich ersinnen ließ: „Nectanet“ nennt sie sich neuerdings, begleitet von manchem Spott.

Die Rückmeldungen auf die Imagekampagne seien „in größten Teilen sehr positiv“, berichtet die Sprecherin. Viele Bewohnerinnen und Bewohner freuten sich, dass „ Einzigartigkeit und Vorzüge des Kreises zur Geltung“ kämen. Kritische Stimmen habe es auch gegeben, doch die Bedenkenträger hätten „meist überzeugt beziehungsweise umgestimmt“ werden können. Von außerhalb gebe es bisher keine Reaktionen, „weder positiv noch negativ“.

Slogan bald auch auf Dienstwagen und Bussen

Nun soll die Kampagne weiter ausgerollt werden. Bisher wird das „Weltzentrum der Lebensqualität“ auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Kreises sowie im Arbeitgebermarketing eingesetzt. Künftig wolle man auch Dienstwagen und Busse damit bekleben. Bei der Ausfahrt aus dem Landkreis wird übrigens klar, dass es die Tuttlinger nicht ganz ernst meinen. „Sie verlassen das Weltzentrum der Lebensqualität“, mahnen die Schilder. „Bitte wenden.“

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