TV-Alternativen während der WM Fußball ist dann doch nicht alles

Von Cornelia Wystrichowski 

Mit Anbruch der Fußball-WM und der stabilen Sommertemperaturen befürchten Sportmuffel wieder die große Saure-Gurken-Zeit im Fernsehen. Doch das Programm bietet durchaus Alternativen: neue Filme, Shows, Dokus und auch Comedy.

Elegante  Kleidung wird überschätzt: Die „Global Gladiators“  (v. li.: Ben, Jana Pallaske, Miriam Höller, Joey Heindle, Manuel Cortez, Sabrina Setlur, Lucas Cordalis und Sabia Boulahrouz) treten auf Pro Sieben gegen das große Kicken an. Foto: Pro Sieben
Elegante Kleidung wird überschätzt: Die „Global Gladiators“ (v. li.: Ben, Jana Pallaske, Miriam Höller, Joey Heindle, Manuel Cortez, Sabrina Setlur, Lucas Cordalis und Sabia Boulahrouz) treten auf Pro Sieben gegen das große Kicken an. Foto: Pro Sieben

Stuttgart - Will man die Pressesprecher deutscher Fernsehsender reizen, reicht eine einzige Frage: die nach dem Sommerloch. Beim Thema Saure-Gurken-Zeit werden die TV-Anbieter schnell schmallippig. Einerseits will keiner zugeben, dass das eigene Programm in der warmen Jahreszeit oft kalter Kaffee ist – andererseits können die Sender nicht verhehlen, dass sie mit den attraktivsten Formaten im Sommer geizen. Quizmaster wie Günther Jauch („Wer wird Millionär?“) und Polittalker wie Frank Plasberg („Hart aber fair“) machen Pause, neue Folgen vom „Tatort“ oder vom ZDF-Montagsfilm sind rar, viele Serien wie „The Big Bang Theory“, „Die Rosenheim Cops“ oder „In aller Freundschaft“ gibt es nur als Wiederholung. Dieses Jahr versteppt das Programm sogar besonders früh, nämlich mit Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland an diesem Donnerstag.

Wie findet es das Publikum, dass viele seiner Lieblingssendungen in die Ferien gehen? „Nachfragen gab es. In der Regel zeigten die Zuschauerinnen und Zuschauer aber Verständnis dafür, dass wir in der zuschauerärmeren Zeit Wiederholungen zeigen, auch um mit Rundfunkbeiträgen sparsam und verantwortungsvoll umzugehen“, sagt Burchard Röver von der ARD-Programmdirektion. „Es gab in den letzten Jahren keine Beschwerdewelle seitens der Zuschauer“, sagt Julia Kikillis, Pressesprecherin von Vox.

Kein Generalstreik

Der Grund dafür, dass das Programm zwischen Juni und August auf Sparflamme kocht, ist simpel: „Im Sommer wird rund 25 Prozent weniger ferngesehen als in den kühleren Monaten, viele Bundesbürger sind im Urlaub oder verbringen mehr Zeit im Freien statt vor dem Fernseher“, sagt ARD-Sprecher Röver. Wenn weniger Zuschauer vor den Bildschirmen sitzen, dann will man natürlich keine feinen Programmperlen verplempern.

RTL wird seine etablierten Highlight-Formate daher weiterhin in den besonders reichweitenstarken Monaten zeigen“, sagt Anke Eickmeyer vom Kölner Privatsender. Doch wie die Sprecher der anderen großen Anbieter betont auch sie, dass in der WM- und Urlaubssaison keineswegs ein Generalstreik im Programm ausbricht: „Wir investieren auch in dieser Zeit signifikant“, sagt Anke Eickmeyer, und Burchard Röver weist darauf hin, dass im Zeitraum Juni bis August 2017 der Anteil der Erstausstrahlungen zwischen 20 und 23 Uhr im Ersten immerhin bei stattlichen 73 Prozent lag.

Raum für Sperriges

In gewisser Hinsicht hat die Saure-Gurken-Zeit sogar ihr Gutes, denn nun ist im sonst streng durchgetakteten Programmschema endlich mal Raum für Neues und Sperriges. Während etwa Oliver Welkes Nachrichtensatire „heute-show“ Ferien macht, testet das ZDF auf deren Sendeplatz am späten Freitagabend ab 13. Juli die Sketchcomedy „Danke Deutschland!“.

Die ARD kann am 8. Juli Til Schweigers an der Zuschauerkasse gefloppten Kino-„Tatort“ zeigen, der 130 Minuten dauert und somit normalerweise mit dem Polittalk von Anne Will um 21.45 Uhr kollidieren würde – die Moderatorin macht aber bis August Urlaub. Außerdem ist Platz für Filmreihen wie „Shooting Stars“ im ZDF (ab 17. Juli), „Filmdebüt“ im Ersten oder „Kinosommer“ bei RTL, in denen Kinofilme als Free-TV-Premieren laufen. Außerdem wird es unter dem Titel „Exclusiv im Ersten“ im Juli und August in der ARD sechs neue gesellschaftskritische Reportagen geben.

Der Charme von Sangria-Eimern

Die Privatsender nutzen die Sommerwochen traditionell für Shows, die den Charme von Ballermann und XXL-Sangria-Eimern haben. So wird es neue Folgen von „Die Bachelorette“ und „Das Sommerhaus der Stars“ (beide im Juli bei RTL) geben, außerdem eine neue Runde „Promi Big Brother“ (im August bei Sat 1). Vox setzt auf Sommerspecials von „Grill den Profi“, Pro Sieben hat eine neue Staffel der „Global Gladiators“ im Köcher, nennt aber noch keinen Sendetermin.

Kulturinteressierte mögen sich bei diesen Aussichten mit Grausen abwenden, haben aber Alternativen: den alljährlichen sommerlichen Themenschwerpunkt bei Arte etwa, der diesmal „Summer of Lovers“ heißt und sich ab 1. Juli um Sexsymbole von Marilyn Monroe bis George Clooney dreht. Und zum Trost für alle, die das Fernsehprogramm dennoch insgesamt etwas dürftig finden: Ungefähr ab Mitte August hat die Saure-Gurken-Zeit ein Ende.