TV: „Das Leben ist kein Kindergarten“ Kopfläuse und andere Lebenskrisen

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„Das Leben ist kein Kindergarten“ von und mit Oliver Wnuk ist am Ende vielleicht ein bisschen zu nett zu den Figuren. Aber auf dem Weg dahin kommt man an vielen interessanten Situationen vorbei.

Der Erzieher Freddy (Oliver Wnuk, Mitte) hat immer gut zu tun. Foto: ARD Degeto/Reiner Bajo 19 Bilder
Der Erzieher Freddy (Oliver Wnuk, Mitte) hat immer gut zu tun. Foto: ARD Degeto/Reiner Bajo

Stuttgart - Laut Abendunterhaltung im Fernsehen muss man sich um die Rentenfinanzierung keine großen Sorgen machen. Früher oder später, legt die Krimiflut nahe, endet sowieso jeder Deutsche vorzeitig als Mordopfer. Damit der Zuschauer diese etwas makabre Statistik besser verkraften kann, gibt es im Wechsel mit den Krimis immer auch was Nettes. Also Fernsehfilme, in denen ein Übermaß an Problemen die Figuren erst zu ulkigen Fehlleistungen treibt, bevor sich dann alle Krisen in heiterem Wohlgefallen auflösen. „Das Leben ist kein Kindergarten“ gehört zwar in letztere Kategorie, steckt den Kopf aber nicht ganz so weit in die rosa Wolken. Es fängt ja auch gleich mit Kopfläusebefall im Kindergarten an, hat also ziemlich Bodenhaftung.

Oliver Wnuk spielt den Kindergärtner Freddy, einen studierten Mediziner, der diesen sehr schlecht bezahlten und zumindest unter Männern wenig respektierten Job aus Überzeugung, mit Hingabe, mit echtem Talent und viel Kreativität ausübt. Daheim aber knirscht es deswegen. Freddys Frau Juliana (Meike Droste), eine Klinikärztin, die täglich in die Schweiz pendelt und eine Beförderung in Aussicht hat, will, dass die Familie umzieht und Freddy seine Reformpläne für das Kindergartenwesen aufgibt. Es bringt nichts ein, es macht ihr das Leben schwer, und obendrein hat sich der Kindergarten so weit ins Privatleben vorgefressen, dass zuhause, so empfindet das zumindest Juliana, über nichts anderes mehr geredet wird.

Stress und Verwicklungen

Kopfläuse scheinen heutzutage tatsächlich ein noch viel drängenderes Problem in der Kindertagesbetreuung zu sein als früher. Vielleicht waren früher ja mehr DDT-Rückstände im Shampoo. Jedenfalls bemerken die Erzieher die Tierchen, dürfen aber offiziell nicht eingreifen. Sie wollen die Kinder nicht beschämend kontrollieren, sie müssen sich erst etwas ausdenken, wie sie die kleinen Plagegeister regelkonform „entdecken“ können. Das ist nur der Beginn von Stress und Verwicklungen mit Eltern, Kolleginnen, Vorgesetzten und Familie. Dass Freddy mehr tut als Ringelreihen organisieren, wird einem hier sehr praxisnahe beigebracht.

Oliver Wnuk, der mit „Stromberg“ bekannt wurde, spielt nicht nur die Hauptrolle, er hatte die Idee zu „Das Leben ist kein Kindergarten“ und hat das Drehbuch geschrieben. Er packt ein bisschen zu viel hinein und bindet am Ende ein wenig zu konfliktscheu Schleifchen um alles. Aber in erstaunlichem Maße drängt sich hier doch das echte Leben ins Spiel und lässt einen stutzen: über die Kaltschnäuzigkeit etwa, mit der Besserwissereltern den Kindergärtner abservieren wollen.

Ausstrahlung: ARD, Freitag, 25. September 2020, 20.15 Uhr. Vorab in der Mediathek des Senders ab 23. September, 20.15 Uhr verfügbar.




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