Für Freunde regional gefärbter Fernsehunterhaltung ist donnerstags eigentlich alles klar: Im ZDF gibt es bei den „Bergrettern“ österreichische Berge zu sehen. Aber diesen Donnerstag gibt es Konkurrenz von der ARD: mit Daniela Katzenberger in der Südpfalz.
Stuttgart - Klar, das Allerbeste ist vorübergehend vorbei: „Der Bergdoktor“, ein donnerstäglicher ZDF-Fixtermin für Freunde gut gemachter, regional eingefärbter Fernsehunterhaltung, hat derzeit Pause. Aber während an der neuen Staffel gedreht wird und samstags „Bergdoktor“-Wiederholungen laufen, sorgen „Die Bergretter“ donnerstags zur besten Sendezeit für adäquaten Ersatz. Nicht nur, dass der Hauptdarsteller der alpinen Abenteuerserie „Bergretter“ so heißt wie die Hauptfigur in der Arztserie „Bergdoktor“, nämlich Martin Gruber – er gibt weitere Parallelen, die die Umstellung von Berg zu Berg verkraftbar machen. Das tolle Panorama. Der Umstand, dass auch „Die Bergretter“ nach einem harten Arbeitstag niemanden überanstrengen. Die Handlung der letzten Folge „Das fremde Mädchen“ hat locker auf einen gelben Post-it-Zettel gepasst: Bergretter-Team sucht Transportbox mit Spenderherz und findet sie in letzter Minute.
Spannend erzählt war der Wettlauf mit der Zeit allemal, und auch an diesem Donnerstag wird Nervenkitzel versprochen, wenn es in der Folge „Abgerauscht“ um einen beinahe tödlichen Unfall mit einem Heißluftballon geht. Doch – und das ist neu – am heutigen Donnerstagabend gibt es für Fans regional gefärbter Unterhaltung eine ernst zu nehmende Alternative. Während Andreas Marthaler (Martin Gruber) und sein Team im ZDF versuchen, eine Katastrophe zu verhindern, probiert Miri Marxer (Daniala Katzenberger) in der SWR-Produktion „Frauchen und die Deiwelsmilch“ in der ARD so etwas ähnliches.
Daniela Katzenberger macht ihre Sache gut
Daniela Katzenberger, die es mit allerlei obskuren Reality-Formaten im Privatfernsehen zu einiger Bekanntheit gebracht hat, macht ihre Sache als ermittelnde Bankangestellte richtig gut: Die Blondine im Spannungsfeld zwischen Naivität, Schlauheit und Herzensgüte verkörpert sie mit Lockerheit, Witz und der Portion Selbstironie, die wohl nötig ist, wenn man minutenlang seine Unterschenkel von hinten zeigen lässt. Katzenberger spielt mit den Klischees, die ihr anhaften. Und ihre Figur, eben jene Miri Marxer, spielt mit der Einfältigkeit mächtiger Männer, um eine Riesensauerei in ihrem pfälzischen Städtchen aufzudecken: Ein Winzer wird tot aufgefunden, und bald stellt sich heraus, dass der Bürgermeister von Hattenstein in üble Machenschaften verstrickt ist.
Was also gucken?
Zur Klärung der Frage, welchem regional getränkten Neunzigminüter man an diesem Donnerstagabend einen Teil seiner Lebenszeit anvertrauen möchte, empfiehlt es sich, systematisch vorzugehen. Wie gut also, dass es Kriterien gibt, anhand derer man zu einer Entscheidung gelangen kann, die man hinterher im besten Fall nicht bereuen muss. Hier einige Entscheidungshilfen:
Sprache, Landschaft und Protagonisten im Test
Sprache: Während bei den „Bergrettern“ weitestgehend Hochdeutsch gesprochen wird, während allenfalls zarte Dialekteinsprengsel aus verschiedenen Regionen Österreichs an den Drehort erinnern („Dann gemma halt“), wird bei „Frauchen und die Deiwelsmilch“ ausdauernd auf Pfälzisch diskutiert: „Natirlischned“ wird gesagt, wenn „Natürlich nicht“ gemeint ist, und den Bankredit gibt es „ohnesischaheida“ („ohne Sicherheiten“) nicht. Man muss das mögen. Aber wer’s mag, wird satt bedient. Landschaft: „Die Bergretter“ werden in der österreichischen Steiermark gedreht, rund um Ramsau am Dachstein. Das Allerschönste dabei: Viele Szenen spielen im Dachsteingebirge selbst, und wenn der mächtige Hohe Dachstein höchstselbst über dem Geschehen wacht, dann haben es die pfälzer Weinberge, in denen Daniela Katzenberger ermittelt, als Kulisse nicht leicht. Andrerseits haben die herbstlich goldgetünchten Wälder rund um Bad Dürkheim, wo „Frauchen und die Deiwelsmilch“ entstanden ist, ihren ganz eigenen Charme. Protagonisten: Martin Gruber gibt in den „Bergrettern“ einen tatkräftigen Zupacker, der lieber macht als zu viel redet. Zupacken ist allerdings auch in Daniela Katzenbergers Rolle ein wichtiges Thema: dauernd tatschen irgendwelche Männerfinger auf ihr Hinterteil, das sie „Arsch“ nennt. Ansonsten lebt ihre Bankangestellte Miri aber so sittsam wie der weiterhin um seine verunglückte Freundin trauernde Bergretter Andreas. Er knurrt manchmal Anweisungen an sein Team. Sie plaudert ausführlich mit einem ihr zugelaufenen Dackel.
Vielleicht, das wäre die Lösung, spielen Martin Gruber und Daniela Katzenberger ja mal gemeinsam in einer Serie, in der sie abwechselnd in der Steiermark und der Pfalz Gutes tun. Fortsetzungen sind jedenfalls – freilich streng getrennt – sowohl in der Pfalz als auch in der Steiermark geplant.