TV-Kultsendung soll nicht sterben „Eisenbahn-Romantik muss bleiben“ – Ex-Moderator mobilisiert Fans gegen SWR-Aus

, aktualisiert am 21.09.2025 - 14:47 Uhr
Dampft die Kultsendung Eisenbahn-Romantik tatsächlich aufs Abstellgleis? Ex-Moderator Hagen von Ortloff will das verhindern. Foto: SWR, Eva Herschmann

Der SWR will die Kultsendung „Eisenbahn-Romantik“ einstellen – doch ein Ex-Moderator aus Kernen und hunderttausende Fans haben andere Pläne. Und plötzlich mischt sich sogar England ein.

Im gemütlichen Reihenhaus in Kernens Ortsteil Rommelshausen (Rems-Murr-Kreis) sind die Weichen auf Protest gestellt. Hier wohnt Hagen von Ortloff, der bis 2015 die Sendung „Eisenbahn-Romantik“ im dritten Fernsehprogramm moderiert hat, die der Südwestrundfunk zum Ende des Jahres aufs Abstellgleis schieben will. Von Ortloff, dessen Youtube-Kanal mehr als 23 000 Abonnenten hat, veröffentlicht einmal in der Woche „Ortloffs Dienstags-Bitte“ an den SWR, in denen er den Sender bittet, die Entscheidung rückgängig zu machen. „Denn sie ist lieblos, herzlos, nicht wissend, was du für ein Juwel im Portfolio hast“, sagt der 76-Jährige.

 
Die Harzer Schmalspurbahn Foto: IMAGO/Krauthöfer

Der Protest unter dem Motto „Eisenbahn-Romantik muss bleiben“ steht voll unter Dampf: Fast 250 000 Clicks haben die Dienstags-Bitten von Hagen von Ortloff, mit denen er vor rund zwei Monaten begonnen hat, mittlerweile im Internet. Die Kommentare sind eindeutig und gehen in die gleiche Richtung. „Vom Allgäu bis Buxtehude, Eisenbahn-Romantik läuft in jeder Bude.“ „Eisenbahn-Romantik fällt unter Kulturgut, das kann man doch nicht abschaffen.“ „Was ist der SWR ohne Eisenbahn-Romantik? Wir Gebührenzahler können einfordern, dass diese sehr beliebte Sendung erhalten bleibt.“ „An den SWR: Es ist die einzige Sendung, die ich bei Euch schaue.“ „Ich habe die Sendung früher als Kind mit meinem Opa später mit meinem Vater gesehen. Inzwischen schaue ich sie regelmäßig mit meinem fünfjährigen Sohn. Eisenbahn-Romantik muss bleiben.“

  

Fans kämpfen online für den Erhalt von „Eisenbahn-Romantik“

Selbst in England, dem „Mutterland der Eisenbahn“, ist die geplante Stilllegung der Fernsehsendung registriert worden. Die London Times berichtet unter der Überschrift „Slow train television runs out of steam“ über die Pläne des SWR, „Eisenbahn-Romantik“ von der Schiene zu nehmen. Der Autor Oliver Moody bedauert darin das Ende von „Railway Romance“ und weist darauf hin, dass die SWR-Sendung „Slow TV“ populär gemacht hat, lange bevor dieser Begriff in Mode kam. „Diese Sendung ist eine halbstündige Ruheoase in einer verrückten Welt“, sagt Hagen von Ortloff. 

Doch der Sender ist offensichtlich gewillt, „ein Kultprogramm zu beenden, das ein Stück kulturelles Erbe und Fernsehgeschichte ist“. Bisher bleibt der SWR in der Spur. „Die Redaktion wird zum Jahresende aufgelöst, und künftig werden keine neue Folgen produziert“, so die Auskunft. Als Gründe gibt der Sender zum einen den Sparzwang an, zum anderen die zurückgehenden Zuschauerzahlen im linearen Fernsehen. Auch der Wunsch, den SWR für jüngere Menschen attraktiver zu machen, spiele eine Rolle.

Die Schwarzwaldbahn fährt im Jahr 2010 in Hornberg (Ortenaukreis) über ein Viadukt. Foto: dpa

SWR beruft sich auf Sparzwang und sinkende Quoten

Die Argumente kann Hagen von Ortloff, der 24 Jahre „Mr. Eisenbahn-Romantik“ im Fernsehen war, entkräften. „Eisenbahn-Romantik“ sei keine teure Sendung. „Es handelt sich um eine mittlere sechsstellige Summe, ein Nasenwasser, die Sendung ist eigentlich sehr preiswert.“ Zudem werde der SWR keine Personalkosten sparen. Die Redaktion bestehe aus drei festen freien Mitarbeitern, die dann anderweitig eingesetzt würden. „Gespart werden also nur die Produktionskosten, und die sind nicht so hoch.“ Zudem produziere die Redaktion jedes Jahr für den Kulturkanal Arte fünf Sendungen jeweils 45 Minuten lang Zugfilme in exotischen Ländern wie „Mit dem Zug durch Madagaskar“ oder „Mit dem Zug durch Indien“. „Die werden von Arte bezahlt, dürfen aber ein paar Monate nach der Ausstrahlung dort auch für ,Eisenbahn-Romantik’ genutzt werden. Da fallen nur noch geringe Kosten für die Nachbearbeitung an.“ Auch er habe in seiner Zeit als Chef der Sendung mit einem geringen Budget arbeiten müssen. „Wir haben immer gespart.“ 

Dass die Zuschauerzahlen im linearen Fernsehen zurückgegangen sind, dafür hat Hagen von Ortloff eine Erklärung. „Eine zeitlang lief Eisenbahnromantik nur noch am Vormittag, nicht mehr am Nachmittag.“ Zudem würden die Folgen, von denen es mehr als 1000 gibt, auch auf Phoenix, auf 3Sat und in vielen dritten Programm ausgestrahlt und seien in der Mediathek zu finden. Auf dem Youtube-Kanal „SWR Eisenbahn-Romantik“, der 130 000 Follower hat, seien einzelne Folgen bis zu 1,6 Millionen Mal geklickt worden, sagt von Ortloff. „Und da sind schließlich viele Jüngere unterwegs.“ 

YouTube-Erfolge und neue Zielgruppen für die Eisenbahn-Sendung

Wie viele Fans durch alle Generationen hinweg die Sendung hat, zeigt sich jetzt. Uli Klumpp aus dem rheinischen Speyer, der von sich sagt, er habe die erste Episode über die Sauschwänzlebahn mehr als 20 mal gesehen, hat eine Petition zur Erhaltung der Sendung gestartet, die bereits mehr als 18 500 Menschen unterschrieben haben. Außerdem erreichen den SWR unzählige Briefe, Postkarten und E-Mails von Zuschauerinnen und Zuschauern, die wollen, dass „Eisenbahn-Romantik“ weiter über den Bildschirm rollt. Allerdings, wie viele im Internet bedauern, würden die vom SWR mit dem immer gleichlautenden Standardschreiben beantwortet.  

Der Protest geht weiter. Es gibt sogar ein Lied mit dem Titel „Eisenbahn-Romantik muss bleiben“ von Jürgen Oßwald aus Wangen bei Göppingen, der sich als Sänger „AC on track“ nennt. Hagen von Ortloff hat die Fan-Hymne auf seinem Youtube-Kanal gepostet. Und es tröstet niemanden, dass die alten Folgen noch in der Mediathek und auf Youtube zu finden sind. „Wenn eine Sendung nicht mehr produziert wird, stirbt sie“, so der ehemalige Moderator.  

Petition, Fan-Lied und große Solidarität mit „Eisenbahn-Romantik“

Der Widerstand gegen die Einstellung der Kult-Sendung, die vom Pausenfüller zum Publikumsliebling avancierte, ist groß, nicht nur im Reihenhaus in Kernen-Rommelshausen. „Eigentlich müsste der SWR einen Luftsprung machen, wenn sich die Zuschauerinnen und Zuschauer so für eine Sendung engagieren“, sagt Hagen von Ortloff.

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