TV-Serie: Call My Agent Heike Makatsch: „Wer das glaubt, würde mich auch für eine Mörderin halten“

, aktualisiert am 15.09.2025 - 09:57 Uhr
Der Schauspielagent und sein Star: Michael Klammer und Heike Makatsch in „Call My Agent Berlin“ Foto: © 2025 The Walt Disney Company

Die Serie „Call My Agent Berlin“ erzählt aus dem Alltag einer Schauspielagentur. Michael Klammer spielt den Agenten von Heike Makatsch, die ihm auch privat das Leben schwer macht.

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Jürgen Vogel fühlt sich bei Partys an der Bar am wohlsten, Florence Kasumba möchte Marlene Dietrich und nicht Josephine Baker sein, Heiner Lauterbach lobt am liebsten sich selbst, Katja Riemann ist die netteste Frau der Welt, Moritz Bleibtreu weigert sich, sich Botox spritzen zu lassen, um die Rolle im nächsten Film von Christopher Nolan zu bekommen, und Heike Makatsch ist in ihren Agenten Konstantin verliebt. In der großartigen Serie „Call My Agent Berlin“, die an diesem Freitag bei Disney+ startet, spielen Stars sich selbst und machen sich dabei auch über ihr eigenes Image lustig. Wie haben vor der Premiere in Berlin mit Heike Makatsch und Michael Klammer, der ihren Agenten Konstantin spielt, über die Serie gesprochen

 

Frau Makatsch, in einer Episode aus „Call My Agent Berlin“ sehnt sich die Heike Makatsch, die Sie in der Serie spielen, danach, ein ganz normales Leben zu führen. Träumt auch die echte Heike Makatsch von so etwas?

Heike Makatsch Ich führe tatsächlich ein recht normales Leben, auch mit vielen Menschen, die gar nichts mit Film oder Theater zu tun haben. Was man sich wünscht, ist eine Begegnung ohne Vorurteile – dass jemand einem einfach als Mensch begegnet, nicht als „bekannte Schauspielerin“. Weil öffentliche Bekanntheit eben dazu führt, dass Menschen mit einer Haltung, einer Meinung auf einen zukommen. Das ist manchmal schön, manchmal aber auch einengend. Ich habe das stark gespürt, als ich eine Zeit in England lebte – dort kannte mich niemand. Ein Lächeln auf der Straße hat sich dadurch sehr viel echter angefühlt.

In der Serie will sich Heike Makatsch wie Julia Roberts in „Notting Hill“ in einen ganz normalen Menschen, am liebsten in einen Buchhändler, verlieben. Fallen Sie selbst auch manchmal auf romantische Komödien herein?

Makatsch Natürlich berühren einen auch als Schauspielerin Filme, die ein Happy End finden, und man wünscht sich das auch für sein eigenes Leben. Aber meistens schaue ich Filme professionell analytisch: Ich sehe dann Drehbuchentscheidungen, Anschlussfehler, Schauspielmethoden. Das nimmt mir manchmal die Illusion. Aber die Sehnsucht nach solchen Momenten bleibt.

Heike Makatsch bei der Premiere von „Call My Agent Berlin“ Foto: IMAGO/Raimund Müller

Heike Makatsch verliebt sich in der Serie ausgerechnet in ihren Agenten Konstantin, der ihr das aber schnell wieder ausredet: „Du bist ein guter Agent, du kannst einen gut bequatschen“, sagt sie hinterher. Ist das Bequatschen-Können die Kernkompetenz eines guten Schauspielagenten?

Michael Klammer Es hilft auf jeden Fall. Wobei Bequatschen ja auch bedeutet, jemanden wachzurütteln oder ihm eine andere Perspektive aufzuzeigen. Konstantin mischt sich ein, manchmal sogar sehr entschieden – etwa wenn er Heike klarmacht, dass sie sich ihre Verliebtheit in Wahrheit nur einbildet. Das ist ein riskanter Eingriff, aber er kennt sie gut genug, um so etwas zu wagen.

Makatsch Genau. „Bequatschen“ klingt nach Manipulation, aber eigentlich geht es darum, dass ein Agent einem Möglichkeiten zeigt, auf die man selbst vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Welche Rolle spielen Schauspielagenten denn in Wirklichkeit? Psychotherapeut, Geschäftspartner, Freund?

Makatsch Von allem etwas. Meine Agentin begleitet mich seit 30 Jahren. Sie ist Managerin, Krisenbewältigerin, manchmal Psychotherapeutin – und vor allem jemand, mit der ich jede berufliche Entscheidung bespreche. Sie schützt mich auch davor, falsche Projekte anzunehmen, selbst wenn sie finanziell reizvoll wären. Dieses Vertrauen ist enorm wichtig.

Klammer Und genau darum geht es auch in der Serie: Das fragile Gleichgewicht zwischen Freundschaft und Professionalität. Konstantin ist ein Menschenfreund, manchmal zu vorsichtig, manchmal zu konfliktscheu. Aber er will immer das Beste – für Heike und für sich.

Michael Klammer mit seiner Kollegin Karin Hanczewski bei der Serienpremiere Foto: IMAGO/Raimund Müller

Hätten Sie beide im echten Leben gerne einen Agenten wie Konstantin?

Heike Makatsch Ja, ich glaube schon.

Klammer Ich auch. Er ist ein guter Mensch, manchmal ein bisschen zu sehr Diplomat. Aber grundsätzlich: ja.

„Call My Agent Berlin“ basiert auf der französischen „Dix pour cent“. Haben Sie das Original zur Vorbereitung geschaut?

Makatsch Ich habe zwar die Folge angesehen, die als Vorlage für unsere Geschichte diente, aber Monica Bellucci ist ein ganz anderer Typ Frau. Ich habe schnell gemerkt, dass ich da meinen eigenen Weg gehen muss.

Klammer Ich hatte das Original schon vorher gesehen. Aber ich finde, „Call My Agent Berlin“ ist etwas Eigenständiges. Deutschland hat eine andere Kultur, eine andere Mentalität als Frankreich. Deswegen ist es etwas Anderes. Das finde ich spannend.

Was macht denn die Faszination der Serie aus? Ist sie einfach eine gute Arbeitsplatz-Satire wie „The Office“ oder „Severance“?

Makatsch Es gibt Intrigen, Dramen, Liebesgeschichten im Agenturalltag – das ist schon eien Art Arbeitsplatz-Komödie. Aber das Besondere ist, dass Schauspielerinnen und Schauspieler sich selbst spielen. Zu sehen, wie bereit sie sind, über sich selbst zu lachen, macht den Reiz aus.

Klammer Absolut. Ich habe großen Respekt davor, dass Heike und die anderen Stars den Mut hatten, sich selbst zu spielen. Sich selbst nicht so ganz ernst zu nehmen. Vielleicht sogar eventuelle Schwächen aufzuzeigen. Und dabei trotzdem authentisch und humorvoll zu bleiben.

Wie schwer ist es, über sich selbst zu lachen?

Makatsch Ich kann das ganz gut – hoffe ich zumindest.

Klammer Ich finde, das ist die Grundvoraussetzung für so ein Projekt. Man abstrahiert immer, egal welche Rolle man spielt. Und Humor ist dabei ein Schlüssel.

Die Heike Makatsch in der Serie ist sehr empfindsam, etwas naiv, und sie verliebt sich schnell. Machen Sie sich keine Sorgen, dass Zuschauerinnen und Zuschauer diese fiktive Heike Makatsch mit der echten verwechseln könnten?

Makatsch Nein! Wer mich in einer Serie für „echt“ hält, würde mich ja auch für eine Mörderin halten, wenn ich mal eine spiele. Ich vertraue da auf die Klugheit des Publikums.

Heike Makatsch, Michael Klammer und „Call My Agent Berlin“

Personen
Beim TV-Sender Viva begann die Karriere von Heike Makatsch (54) zunächst als Moderatorin. Sie hat inzwischen in vielen Filmen Hauptrollen gespielt und war bis vor zwei Jahren auch „Tatort“-Kommissarin. Michael Klammer (45) spielte von 2014 bis 2016 spielte er eine der Hauptrollen in der Serie „Dr. Klein“, war zuletzt im Kinofilm „Das Lehrerzimmer“ und der Netflixserie „Cassandra“ zu sehen.

Swerie
„Call My Agent Berlin“ beruht auf der französischen Serie „Call My Agent“ (Originaltitel: „Dix pour cent“). Die Serie, in deren Mittelpunkt die Schauspielagentur Stern steht, startet am Freitag, 12. September, bei Disney+.

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