TV-Serie KRANK Berlin „Das System macht die, die andere heilen sollen, selber krank“

Haley Louise Jones als Notaufnahme-Chefin Zanna Parker und Slavko Popadić als Unfallchirurg Ben Weber in der Apple-TV+-Serie „Krank Berlin“ Foto: Courtesy of Apple

Haley Louise Jones und Slavko Popadić spielen die Hauptrollen in der sensationell guten Krankenhausserie „KRANK Berlin“, die jetzt bei Apple TV+ startet.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Ein Junkie irrt durch Berlin. Kamera, Ton und Schnitt inszenieren verstörend intensiv den Trip, auf dem der Mann ist, der fast überfahren wird, aber wie durch ein Wunder in einem Taxi und dann in der Notaufnahme landet. Was dann kommt, bevor er zusammenbricht, ist die frechste Wendung, die sich das deutsche Fernsehen seit langem getraut hat. Dass Deutschland auch Krankenhausserie kann, beweist „KRANK Berlin“: großartiges Ensemble, vielschichtige Charaktere, clevere Drehbücher, entfesselte Kamera und eine wunderbar nervöse Inszenierung. Wie haben Haley Louise Jones und Slavko Popadić, die Stars der Serie, zum Interview getroffen.

 

Frau Jones, Herr Popadić, sind die Notaufnahme-Chefin Zanna Parker und der Unfallchirurg Ben Weber, die Sie spielen, gute Ärzte?

Slavko Popadić Absolut. Also, ähm, an sich schon.

Haley Louise Jones Ich glaube, dass beide sehr gute Ärzte sind, dass auch beide aus einer puren Liebe für den Job und für die Menschen angetreten sind.

Popadić Und wie sehr sie sich aufopfern für ihre Patientinnen und Patienten.

Jones Gleichzeitig sieht man eben auch, was das Gesundheitssystem und die Arbeitsumstände mit den Menschen machen, die innerhalb dieses Systems arbeiten. Sie machen ihren Job, um Leben zu retten, und das mit Herzblut, aber alles was um sie herum passiert, geht auch an ihnen nicht spurlos vorbei.

Haben Sie selbst in den letzten Jahren Erfahrungen in der Notaufnahme gemacht? Und ging es da auch so hektisch zu wie in „KRANK Berlin“?

Jones Ich durfte das mal selbst als Patient erleben. Es kommt aber wirklich darauf an, in welchem Krankenhaus, in welcher Gegend, in welcher Stadt, in welcher Notaufnahme man landet. Da, wo ich war, war es nicht wirklich wie in „KRANK Berlin“. Ich kann mich aber noch erinnern, als ich im Bett hinter einem Vorhang lag, dass ich da unten so eine kleine Blutlache mit einem Fußabdruck drin gesehen habe.

Popadić Fast wie so ein Hinweis in einem Horrorfilm.

Jones Das war schon absurd. Wahrscheinlich hatte jemand vergessen, das wegzuwischen. Da fragt man sich direkt, was da passiert ist.

In der Serie geht es aber vor allem darum, unter welchen Bedingungen das Personal in Notaufnahmen arbeitet.

Popadić Durch den Dreh haben wir Leute kennengelernt, die in Notaufnahmen arbeiten. Und die zeigen einem dann schon mal Fotos, in denen zum Beispiel die Heizung ausgefallen ist und die dann mit so einem kleinen Elektroding heizen müssen. Solche Geschichten gibt es viele.

Jones  In der Serie stecken viele persönliche Erfahrungen.

Popadić Eine Grundidee von „KRANK Berlin“ ist, zu erzählen, wie Menschen in einem System arbeiten, das dazu bestimmt ist, andere zu heilen, selber krank werden, weil die Bedingungen so schlecht sind. Das ist paradox!

Bei den Szenen in der Notaufnahme scheint bei „KRANK Berlin“ die Kamera ständig in Bewegung zu sein.

Popadić Die Showrunner Samuel Jefferson und Viktor Jakovleski wollten das von Anfang an so haben. „KRANK Berlin“ sollte keine Krankenhausserie sein, die du dir von außen anschaust, sondern du sollst wirklich den Stress und die Pace miterleben. Als Schauspieler musste ich mich daran erst gewöhnen, weil man so viel gleichzeitig beachten muss. Aber nach ein paar Tagen hat sich das wie Tanzen angefühlt.

Haley Louise Jones und Slavko Popadić in „KRANK Berlin“ Foto: Apple TV+

Jones Dadurch, dass die Kamera sich so bewegt hat, musstest du die ganze Zeit präsent sein. Das war toll, denn du wusstest nie so hundertprozentig, ob du gerade im Bild bist oder nicht. Eben noch warst du draußen, aber in der nächsten Sekunde drehst du dich um und bist wieder im Bild. Da musst du deinen Job echt richtig machen und hast keine Denkpausen dazwischen. Das fand ich großartig, weil so dieses Grundtempo und die Grundanspannung in der Notaufnahme betont wurden.

Popadić Ja, du hattest nie viel Zeit, um über irgendwas nachzudenken, sondern du warst einfach in dem Moment.

Gibt es andere Krankenhausserien, die Sie gut finden und vielleicht sogar zur Vorbereitung auf Ihre Rolle geschaut haben?

Popadić Ich habe bewusst keine geschaut, um mich nicht beeinflussen zu lassen. Wir hatten in der Vorbereitung das Glück, mit so vielen Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern zu sprechen, die echte Erfahrung haben. Das war mir viel wichtiger.

Jones Samuel Jefferson hatte mir die britische Serie „This is Going to Hurt“ empfohlen. Die habe ich komplett geschaut und finde sie großartig. Da gibt es eine unglamouröse, sehr, sehr echte, ungeschönte und trotzdem herzliche Sicht auf Krankenhaus. Die Serie spricht viele Themen an, die kein leichter Tobak sind. Ich habe die geguckt, weil sie so besonders ist und weil sie sich traut, die dunklen Seiten anzuschauen, einen sehr bestimmten Humor und eine große Ernsthaftigkeit hat – und da spielen einfach großartige Leute mit.

Haley Louise Jones, Slavko Popadić und „Krank Berlin“

Schauspielerin
 Haley Louise Jones (36) hat in Köln Schauspiel studiert und war zuletzt in der Netflix-Serie „Liebes Kind“ zu sehen.

Schauspieler
 Slavko Popadić hat in Essen Schauspiel studiert, fiel zuletzt in einer Hauptrolle im TV-Thriller „Der Beschützer“ im Ersten auf

Serie
 „Krank Berlin“ ist eine Koproduktion von ZDFneo und Apple TV+ und startet am Mittwoch, 26. Februar, zunächst bei Apple TV+. Der Veröffentlichungstermin bei ZDFneo steht noch nicht fest.

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