TVB-Spieler bei Handball-WM Lenny Rubin – der Schweizer Schlüssel zum Erfolg

Lenny Rubin obenauf – der Rückraumspieler führte mit seinen Toren die Schweizer Nationalmannschaft in die Hauptrunde. Foto: IMAGO/Claus Bergmann/IMAGO/CB

Den Schwung beim TVB Stuttgart hat Lenny Rubin mit in die Handball-WM genommen. Der Rückraumspieler übernimmt bei der Schweizer Nationalmannschaft immer mehr Verantwortung – jetzt folgt der Härtetest gegen Dänemark.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Als Trainer und Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart in Personalunion wird es Jürgen Schweikardt eher selten langweilig. Wenn er in seiner knapp bemessenen Zeit freie Minuten findet, dann schaut er sich bei der WM neben den deutschen Spielen vor allem die der Schweizer Nationalmannschaft an. Mit Abwehrchef Samuel Röthlisberger, Kreisläufer Lukas Laube und Rückraumspieler Lenny Rubin sind gleich drei TVB-Spieler für die Eidgenossen am Ball. „Sie machen ihre Sache gut. Und wir profitieren hoffentlich davon, wenn sie mit Selbstvertrauen zu uns zurückkehren“, sagt Schweikardt.

 

„Aus Dornröschenschlaf erwacht“

Einer hat sich in der Vorrunde ganz besonders hervorgetan: Lenny Rubin. „Seine immer besser werdenden Leistungen bei uns setzen sich bei der WM fort“, hat sein Vereinstrainer festgestellt. Die Formkurve zeigt offenbar sogar so steil nach oben, dass die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb, er sei endlich auch im Nationalteam „aus seinem Dornröschenschlaf“ erwacht. Mit 20 Treffern in den drei Vorrundenspielen hatte der 28-Jährige gehörigen Anteil am Einzug in die Hauptrunde. Auch dort ging es erfolgreich weiter: Mit sieben Rubin-Toren gab es am Dienstag ein souveränes 37:26 gegen Tunesien. Jetzt folgt der Härtetest gegen Dänemark (Donnerstag, 20.30 Uhr), danach das Nachbarschaftsduell mit Italien (Samstag, 15.30 Uhr).

Dass Rubin plötzlich so stark auftrumpft, liegt paradoxerweise auch an der Verletzung eines Teamkollegen. Spielmacher Manuel Zehnder vom SC Magdeburg, der Top-Torschütze der vergangenen Bundesliga-Saison, verpasst die WM wegen einer komplizierten Knieverletzung (Kreuzband-, Innenband-, Meniskusriss). „Zehnders Ausfall wiegt schwer. Aber das Spiel ist nun stärker auf mich zugeschnitten. Es macht als Rückraumspieler Spaß, wenn man so oft zum Abschluss kommt“, sagt Rubin. Und auch Schweikardt ist die neue Rolle seines Schützlings nicht entgangen: „Lenny muss jetzt viel mehr Verantwortung übernehmen.“

„Vorne und hinten eine Bank“

Der Rechtshänder tut dies nicht nur, indem er selbst mit seiner unbändigen Wurfkraft die Bälle aufs gegnerische Tor knallt. Er spielt auch den Kreis an und setzt die Außen ein. Zudem bestimmt er den Rhythmus in der Offensive, dirigiert seine Mitspieler, beruhigt, wenn nötig, das Spiel. In der Abwehr packt er zu und fängt mit seinen langen Armen Pässe ab. „Lenny ist vorne und hinten eine Bank. Er ist im Eins-gegen-eins stark, wirft aus allen Lagen, auch unter Bedrängnis, und klaut hinten mit seinen Steals viele Bälle“, lobt Schweikardt.

Früher trat Rubin im Nationaltrikot oftmals gehemmt auf, ohne Überzeugung, wirkte phlegmatisch, beging Leichtsinnsfehler. Der Mann vom Thuner See war nicht der Torgarant, der er aufgrund seiner Anlagen hätte sein müssen. Der Nationaltrainer Andy Schmid hatte ihn sich beim WM-Vorbereitungsturnier Yellow-Cup Anfang Januar in Winterthur zur Brust genommen und geigte ihm in aller Deutlichkeit die Meinung: „Ich habe nichts gegen Fehler, aber ich hasse Aktionen, die ohne Überzeugung durchgeführt werden“, kritisierte der Ex-Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen die Körpersprache des 2,05-m-Riesen.

Mentale Stärke hinterfragt

Auch in der Schweiz zweifelt keiner an seinem Potenzial, seine mentale Stärke wurde dagegen in der Vergangenheit immer wieder infrage gestellt. „Wegen seiner Größe wirkt er manchmal behäbig, hüftsteif sogar. In Gesprächen redet er zurückhaltend, fast scheu. Auf den ersten Blick ist Rubin kein Spieler, der die Teamkollegen mitreißen kann“, schrieben sie in der Heimat über Rubin.

Vielleicht liegt die besondere Erwartungshaltung an ihn auch am großen Namen: Rubins Vater Martin war als Spieler Teil der goldenen Schweizer Handballgeneration, die sich einige Jahre in der erweiterten Weltspitze tummelte. Martin Rubin wurde 1993 WM-Vierter, 1995 bei der WM und 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles jeweils Siebter. Der 60-Jährige hinterließ große Fußstapfen.

Mit Selbstvertrauen zum TVB

Jetzt füllt sie der Filius aus. „Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich eine wichtige Rolle in dieser Mannschaft einnehmen werde“, sagt Rubin. Der Spätzünder ist im Nationalteam angekommen, was auch den TVB Stuttgart und Jürgen Schweikardt freut. Schließlich kann eine zusätzliche Portion Selbstvertrauen im Kampf gegen den Abstieg nicht schaden.

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