Der TVB Stuttgart hat im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga einen Big Point verpasst. Gegen den Mitkonkurrenten Hüttenberg musste sich die Mannschaft mit einem 30:30 begnügen.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Stuttgart - Als seine Mannschaft sieben Minuten vor Schluss mit einem Tor im Rückstand lag, da wurde es dem TVB-Trainer Jürgen Schweikardt zu bunt und er brüllte an der Außenlinie: „Auf jetzt!“ Ob seine Spieler diesen Weckruf in der aufgeheizten Atmosphäre der ausverkauften Scharrena überhaupt mitbekommen haben, darf bezweifelt werden – er wirkte letztendlich auch nur bedingt. Am Ende musste der Handball-Bundesligist aus Stuttgart beim 30:30 (14:13) mit einem Punkt zufrieden sein und Schweikardt zugeben: „Ich denke, das Ergebnis geht in Ordnung.“

Dabei hätte der TVB mit einem Sieg gegen den Mitkonkurrenten im Abstiegskampf ein Sechs-Punkte-Polster legen können, und nachdem die Mannschaft kurz vor der Pause mit 14:11 geführt hatte, hoffte Schweikardt noch darauf, auf vier oder fünf Tore wegziehen zu können. Pustekuchen, daraus wurde nichts, weil der Aufsteiger schon bis zur Halbzeit auf ein Tor verkürzt hatte und auch besser aus der Kabine kam. Die Mannschaft besann sich auf ihre Qualitäten. Schnelles, kampfbetontes Spiel, bei dem es praktisch zu keinen gefährlichen Würfen aus dem Rückraum kommt. Dafür versuchten die Hüttenberger immer wieder, über Außen und den Kreis für Gefahr zu sorgen. Zudem bekam der TVB den Linkshänder Ragnar Johannsson nicht in den Griff, so dass der Isländer zu zehn Toren kam. „Vielleicht hätten wir die Abwehr früher umstellen müssen“, sagte Schweikardt, gab aber auch zu bedenken: „Es fehlen uns da die Alternativen.“ Weil sowohl Tobias Schimmelbauer als auch Max Häfner, der mit Rückenproblemen bis zum Saisonende passen muss, nicht zur Verfügung stehen. Insgesamt war aber auch für den TVB-Trainer klar: „Die Defensive war der Grund dafür, dass wir nicht gewonnen haben.“

Mimi Kraus vergibt Siebenmeter

In der zweiten Hälfte lief die Mannschaft über weite Strecken einem Rückstand (25:27/52.) hinterher. Zumindest Dominik Weiß konnte seinen Formanstieg der vergangenen Wochen unterstreichen und erzielte in dieser Phase fünf seiner sechs Tore. „Insgesamt standen wir nicht kompakt genug“, monierte das TVB-Urgestein. Als sich das Blatt doch noch zu wenden schien, vergab Michael Kraus (7/1) beim Stande von 29:29 einen Siebenmeter und den letzten Angriff spielte die Mannschaft so unkonzentriert aus, dass sie zu keinem freien Wurf mehr kam. Stefan Salger kam nur bei Freiwürfen zum Zuge und bewies da mit drei blitzsauberen Toren seine Qualitäten. Schweikardt: „Gegen die aggressive Hüttenberger Abwehr habe ich aber lieber auf Bobby Schagen gesetzt.“

Der hat sein Sache nicht schlecht gemacht, und mit dem Remis hielt der TVB zumindest den Abstand zum Konkurrenten. „Jeder Punkt hilft“, sagte Samuel Röthlisberger, und Schweikardt resümierte: „Man hat heute schon gemerkt, dass wir etwas zu verlieren hatten.“ Das gilt auch nächstes Wochenende in Leipzig, allerdings mit dem Vorteil, dass der TVB dann wieder Außenseiter ist. Und diese Rolle lag der Mannschaft zuletzt deutlich besser.

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