Er kam im Spiel beim Bergischen HC bei einem 9:12-Rückstand ins Tor, zeigte zehn Paraden, und der TVB Stuttgart gewann noch mit 25:24. Vier Tage später beorderte ihn Trainer Michael Schweikardt im Derby gegen Frisch Auf Göppingen beim Stand von 6:8 zwischen die Pfosten. Er hielt noch 15 Bälle und war mit einer erneut überragenden Leistung der Garant dafür, dass der Handball-Bundesligist noch ein 24:24 holte und damit im Kampf gegen den Abstieg zum zweiten Mal hintereinander ungeschlagen blieb. Die Rede ist von Miljan Vujovic, 22 Jahre jung, und bis zu seiner Leistungsexplosion beim Auswärtsspiel am 26. Februar in Wuppertal im Schatten des erfahrenen, 38 Jahre alten Ex-Nationaltorwarts Silvio Heinevetter.
Harte Arbeit und Glaube an sich selbst
„Miljan hat im Training stets konstant gute Leistungen abgerufen, für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis der Knoten platzt“, sagt TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Auch der Keeper selbst sieht seinen Aufwärtstrend als das Produkt von harter Arbeit und nie verlorenem Selbstvertrauen: „Ich wollte dem Trainer in jeder Einheit mit guten Leistungen zeigen, wieso ich spielen sollte. Zudem hat mir auch der Glaube an mich selbst geholfen.“
Mit dem Glauben an sich selbst, war das in der vergangenen Saison so eine Sache. Da drehte sich das Torwart-Karussell beim TVB schwindelerregend schnell. Zur Erinnerung die Fakten im Schnelldurchlauf: Als Nachfolger von Johannes Bitter wurde vor der Saison 2021/22 Tobias Thulin (27) verpflichtet. Er bildete zunächst ein Gespann mit Primoz Prost (39). Als das Duo viel zu wenig Bälle hielt, legte der TVB im November 2021 mit dem Kroaten Ivan Pesic (33) von Meschkov Brest/Weißrussland nach, wobei schon bei der Verpflichtung klar war, dass er im Sommer 2022 wieder den Abflug zum HBC Nantes macht. Im Januar 2022 wurde der bereits feststehende Transfer von Miljan Vujovic zum TVB vorgezogen. Zwar ging Prost im selben Monat zu IFK Ystad/Schweden, doch mit Thulin, Pesic und Vujovic standen immer noch drei Torhüter unter Vertrag. Und da Pesic die Nummer eins war und sich der schwedische Nationalkeeper Thulin steigerte, drückte Vujovic ein halbes Jahr lang hauptsächlich die Bank.
Zu wenig Geduld mit Thulin
Die Lehren aus dieser wilden Torwart-Rotation? „Wir hätten vielleicht mit Thulin ein bisschen mehr Geduld haben sollen“, sagt Jürgen Schweikardt beim Blick in den Rückspiegel, doch die alles entscheidende Erkenntnis ist für ihn: „Überdurchschnittliche Torwart-Leistungen sind ein Muss, um Erfolg zu haben.“
Überdurchschnittliches Talent war bei Miljan Vujovic schon sehr früh zu erkennen. Der in Cetinje/Montenegro gebürtige Keeper wechselte im Alter von 15 Jahren nach Slowenien. Über Gorenje Velene zog er weiter zum Topclub RK Celje, sammelte früh im Gespann mit seinem Mentor und Freund Klemen Ferlin (33/jetzt HC Erlangen) auch Erfahrungen in der Champions League. Vujovic bekam das Angebot für die slowenische Nationalmannschaft zu spielen, nahm es an und gehörte 2021 zum Kader bei der WM in Ägypten. Was am Bekenntnis zu seinen Wurzeln nichts ändert: „Ich bin mit ganzem Herzen Montenegriner“, stellt er klar.
Keeper mit „Jugo-Style“
Von seinem Torwartpartner Heinevetter unterscheidet sich Vujovic nicht nur, was Mentalität und Alter betreffen. Er hat auch einen komplett anderen Torwartstil. „Jugo-Style“, so nennt ihn der 22-Jährige selbst. Ruhig, ohne jede Hektik, versucht der 1,98-Meter-Mann mit seiner Reaktion so lange wie möglich zu warten, hat dabei stets den Wurfarm des Angreifers im Blick – um dann blitzschnell Arme oder Beine auszufahren.
„Ich denke Silvio und ich sind eine gute Kombination im Tor, weil wir zwei verschiedene Typen von Torhütern sind und uns deshalb gut ergänzen“, sagt Vujovic. Wie er das Verhältnis zum extrovertierten Routinier beschreiben würde? „Wir haben ein gutes Verhältnis. Wenn er im Tor steht und etwas Interessantes macht, dann schaue ich mir das von ihm ab. Speziell seine Erfahrung ist hilfreich.“
Richtungsweisendes Spiel in Minden
Gerade im Kampf gegen den Abstieg, in dem für den Tabellen-15. TVB (13:31 Punkte) am 16. März (19.05 Uhr) beim Tabellenvorletzten GWD Minden (6:34 Punkte) ein richtungsweisendes Spiel auf dem Programm steht. Jürgen Schweikardt drückt sich so aus: „Wenn wir gewinnen, ist das ein Monster-Schritt in Richtung Klassenverbleib.“ Liefert Vujovic zum dritten Mal hintereinander eine Glanzleistung ab, stehen die Chancen nicht schlecht, in tatsächlich zu machen.
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