TVB Stuttgart, Frisch Auf Göppingen, SG BBM Bietigheim Vor der Handball-Saison: ein Trio im Test

Die Trainer der Schwaben-Clubs (v. li.): Michael Schweikardt (TVB Stuttgart), Ben Matschke (Frisch Auf Göppingen), Iker Romero (SG BBM Bietigheim) Foto:  

Drei württembergische Clubs starten in die an diesem Donnerstag beginnende Saison der Handball-Bundesliga. Wir nehmen den TVB Stuttgart, Frisch Auf Göppingen und Aufsteiger SG BBM Bietigheim unter die Lupe und geben eine Prognose ab.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Der HBW Balingen-Weilstetten stieg ab, die SG BBM Bietigheim stieg auf. Dadurch ist Handball-Württemberg auch in dieser Saison mit drei Vereinen in der Bundesliga vertreten. Wo liegen die Stärken und Schwächen des Trios? Wo landen die Clubs?

 

TVB Stuttgart

Team Hinter dem TVB liegt die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Platz elf bedeutete nicht nur die beste Bundesliga-Platzierung seit dem Aufstieg 2015, der Club war damit auch erstmals die Nummer eins im baden-württembergischen Handball. Jetzt aber den schon im Vorjahr angepeilten Sprung unter die Top Ten zu erwarten wäre vor dem Start am Sonntag (15 Uhr) beim SC DHfK Leipzig unrealistisch. Denn die Blau-Weißen gaben etablierte und erfahrene Erstligakräfte wie Silvio Heinevetter, Adam Lönn, Marino Maric, Sascha Pfattheicher und auch Spielmacher Egon Hanusz ab. Von den Neuen bringt lediglich der Schweizer Rückraum-Shooter Lenny Rubin aus seiner Zeit bei der HSG Wetzlar Bundesliga-Erfahrung mit. Hinzu kommt, dass mit Spielmacher Max Häfner (Kreuzbandriss) erst 2025 wieder zu rechnen ist, Jonas Truchanicius und Lukas Laube stehen nach ihren Verletzungen auch noch nicht vollumfänglich zur Verfügung.

Trainer Michael Schweikardt (41) hat an Erfahrung gewonnen und dürfte auch vom Austausch mit dem neuen Sportlichen Leiter Jens Bürkle profitieren. Das unter seiner Regie verbesserte Angriffsspiel will Schweikardt weiter verfeinern und – vor allem durch den Zugang von Rubin – auf mehrere Schultern verteilen. Kai Häfner soll dadurch entlastet werden. Dringend stabilisieren muss er die Defensive, der TVB kassierte in der vergangenen Saison nach dem HSV Hamburg die zweitmeisten Gegentore. Auch die extreme Auswärtsschwäche (4:30 Punkte) gilt es zu beheben.

Saisonziel Der TVB will sich von den beiden Abstiegsplätzen möglichst schnell entfernen und sich dann an Platz zehn orientieren.

Prognose Kommen die Verletzten stabil zurück und bleibt vor allem Schlüsselspieler Kai Häfner gesund, kann der TVB wieder auf Platz elf landen, ansonsten wird es nicht einfach, sich von den beiden Abstiegsplätzen entscheidend abzusetzen.

Frisch Auf Göppingen

Team Den krassen Umbruch hatte der Traditionsclub schon im vergangenen Herbst eingeleitet. Die schlechteste Endplatzierung (Rang 15) seit dem Wiederaufstieg 2001 bestätigte die Verantwortlichen in ihrem Handeln. Mit Kapitän und Urgestein Tim Kneule, Publikumsliebling Kresimir Kozina und auch Nationalspieler Sebastian Heymann ging viel an Erfahrung verloren. Vier der sieben Neuen fehlt jegliche Bundesliga-Erfahrung. Das Team hat nun einen starken skandinavischen Zuschnitt (fünf Schweden, ein Däne), dazu kommt der Isländer Ymir Gislason (bisher Rhein-Neckar Löwen), der gleich zum Kapitän bestimmt wurde. Zur Entdeckung der Vorbereitung avancierte Elias Newel. Der 20-jährige Junioren-Nationalspieler sprang nach der Verletzung von Spielmacher Ludvig Hallbäck mutig und entschlossen in die Bresche.

Trainer Der Verein hat den Nachfolger von Markus Baur gezielt für den Neuaufbau der stark verjüngten Mannschaft ausgewählt. Von der modernen, erfrischenden Art von Ben Matschke verspricht sich der Verein wertvolle Impulse. Der 42-Jährige steht für eine gewisse Aufbruchstimmung, die spürbar ist. Sein Mix aus Analyse und Emotionalität kommt im Umfeld und auch bei der Mannschaft gut an.

Saisonziel Platz im gesicherten Mittelfeld.

Prognose Noch nie war eine Einschätzung vor Saisonbeginn schwieriger. Das neue Frisch-Auf-Team gleicht vor dem Auftakt am Freitag (19 Uhr/EWS-Arena) gegen den HSV Hamburg einer Wundertüte. Die Vorbereitung lief gut, die Generalprobe klappte mit einem 29:26 bei den Rhein-Neckar Löwen. Gelingt trotz des hammerharten Auftaktprogramms (die ersten drei Auswärtsgegner heißen Kiel, Flensburg, Magdeburg) ein einigermaßen passabler Start, bleibt Unruhe im Umfeld aus und finden Trainer, Team und Fans schnell zu einer Einheit – dann ist Platz zehn möglich. Wenn nicht, kann es im unteren Drittel auch ungemütlich werden.

SG BBM Bietigheim

Team Mit Toptorjäger Christian Schäfer und Spielmacher Alexander Velz hat die SG zwei richtig starke Feldspieler verloren. Dem Ex-Göppinger Keeper Daniel Rebmann kommt die Aufgabe zu, entscheidend mitzuhelfen, Torwart Mohamed Aly zu ersetzen. Ansonsten ist die Mannschaft eingespielt und sinnvoll verstärkt worden. Neben Allrounder Fynn Nicolaus ruhen vor dem Start am Sonntag (16.30 Uhr) bei Mitaufsteiger 1. VfL Potsdam große Hoffnungen auf Julius Kühn und seinen einfachen Toren aus dem Rückraum. Ein Shooter-Typ wie der Ex-Nationalspieler fehlte der SG bisher im Kader. Problemzone könnte der rechte Rückraum werden, kein Zufall, dass lange Zeit Fabian Wieder (Füchse Berlin) in der Gerüchteküche gehandelt wurde.

Trainer Iker Romero war zwischen 1997 und 2015 einer der besten Handballer der Welt, gewann fast alles, was es zu gewinnen gab. Seine Strahlkraft wirft zwar keine Tore und als Chefcoach ist die Bundesliga für den 44-Jährigen auch Neuland, doch von seiner taktischen Finesse und seinen Motivationskünsten wird der Aufsteiger auch in der Beletage profitieren.

Saisonziel Klassenverbleib.

Prognose Im dritten Anlauf nach 2014/15 und 2018/19 gelingt es der SG BBM erstmals, länger als ein Jahr in der Bundesliga zu bleiben. Bietigheim lässt zwei Teams hinter sich und landet auf Platz 16.

Info

Erster Spieltag
TSV Hannover-Burgdorf – VfL Gummersbach (5. September, 19 Uhr), TBV Lemgo Lippe – MT Melsungen (5. September, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – THW Kiel (5. September, 20.30 Uhr), Frisch Auf Göppingen – HSV Hamburg (6. September, 19 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – HC Erlangen (6. September, 20 Uhr), SC Magdeburg – HSG Wetzlar (7. September, 18 Uhr), ThSV Eisenach – Füchse Berlin (7. September, 20 Uhr), SC DHfK Leipzig – TVB Stuttgart (8. September, 15 Uhr), 1. VfL Potsdam – SG BBM Bietigheim (8. September, 16.30 Uhr). (jüf)

Weitere Themen