Der TVB Stuttgart hat den ersten Sieg in der Handball-Bundesliga geschafft. Der Neuling gewann gegen den Mitaufsteiger Leipzig mit 28:26 (13:11). Aber jetzt warten vier Auswärtsspiele.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Stuttgart - Bisher lautete die provokante Frage: wie viele Tore Vorsprung braucht der TVB Stuttgart, damit es in dieser Saison zum Sieg reicht. Die vorläufige Antwort lautet: Sechs Tore Vorsprung genügen. Zumindest am Samstag beim 28:26 (13:11) gegen den Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig. Dem ersten Sieg in der Handball-Bundesliga, ein historisches Ergebnis also.

 

Um das die 2251 Zuschauer in der zum dritten Male ausverkauften Scharrena nahezu bis zur Schlusssirene zittern mussten, nachdem die Mannschaft eine Viertelstunde vor dem Ende scheinbar bereits sicher mit 23:17 geführt hatte. „Wenn wir in den Spielen zuvor nicht immer knapp verloren hätten, wäre das Ergebnis sicher etwas souveräner ausgefallen“, sagte ein sichtlich erleichterter TVB-Trainer Thomas König. Schließlich gab auch der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt zu: „Wir standen schon unter großem Druck, auch wenn wir versucht hatten, uns das auszureden.“

Spatz trifft neunmal

Doch bei einer erneuten Niederlage im vierten Spiel, zumal zu Hause, wäre unweigerlich die Frage aufgetaucht: gegen wen will die Mannschaft eigentlich gewinnen? Wie in den bisherigen Spielen hat sie auf jeden Fall bewiesen, auch gegen stärkere Gegner (zu denen Leipzig nach bereits zwei Siegen zumindest auf dem Papier zählte) mithalten zu können, auch wenn sie am Ende bisher stets mit leeren Händen dastand.

„Wir müssen einfach versuchen, die Konzentration über die gesamten 60 Minuten hochzuhalten“, sagte der Ex-Nationalspieler Michael Spatz, mit neun Toren erfolgreichster Werfer, darunter sieben Siebenmeter (bei nur einem Fehlversuch). Er und sein Außenkollege Tobias Schimmelbauer (4) auf links hielten mit ihren Treffern nach der Pause die Mannschaft erfolgreich im Spiel. Genau wie auch der türkische Torhüter Yunus Özmusul, der im kurzen Zusammenspiel mit dem jungen Sebastian Arnold, der bei seiner ersten Aktion gleich einen Siebenmeter hielt, das Torwartduell gegen das Leipziger Duo gewann. Wie der TVB das gesamte Spiel.

Dennoch zeigte sich immer mal wieder, dass es noch ein langer Weg bis zum Klassenverbleib wird. In der ersten Hälfte versäumte es der TVB bei gleich sechs Zeitstrafen gegen Leipzig (und nur einer eigenen), einen höheren Vorsprung als das 13:11 herauszuholen. Und später wechselte Leipzig erst den Torhüter und später noch die Abwehr auf eine offene Deckung, was die Stuttgarter zunächst einmal aus dem Konzept brachte.

Jetzt folgen vier Auswärtsspiele

Da fehlt noch Erfahrung und Cleverness. Die nächsten vier Spiele werden da Anschauungsunterricht liefern und kommen dem Trainer deshalb gar nicht so ungelegen, obwohl sie allesamt auswärts stattfinden und das as zum Teil bei Topteams: in Berlin, bei den Rhein-Neckar Löwen, in Flensburg und bei den nicht so stark eingeschätzten Lemgoern. „Wie stehen jetzt nicht mehr so unter Druck und wollen unsere Außenseiterchance nutzen“, sagt König – um dann bis zum nächsten Heimspiel gegen Gummersbach am 4. Oktober die Integration der Neuen abgeschlossen zu haben und dann „endgültig in der Bundesliga angekommen zu sein“.

Das ist zumindest schon der Neuzugang Kapser Kisum, nicht nur wegen seiner vier Tore, er war auch in er Deckung effektiv. „Sein bestes Spiel“, sagte König. Nicht zu vergessen der Kreisläufer Simon Baugarten, der nicht nur drei blitzsaubere Tore vom Kreis markierte, sondern auch noch gleich fünf Siebenmeter herausholte. Der 29-Jährige hat einst in Göppingens schon Bundesligaluft geschnuppert hat, „Aber da hatte ich viel weniger Spielzeit, deshalb ist dieser Sieg dreimal so schön.“ Aber statt der gefühlten sechs Punkte gab es dennoch nur zwei. Aber eben besondere, die ersten in der Bundesliga.