TVB Stuttgart Jürgen Schweikardt wird Trainer – und holt Torwart Samir Bellahcene

Der neue Trainer Jürgen Schweikardt und sein neuer Torwart Samir Bellahcene. Foto: Baumann/imago

Geschäftsführer Jürgen Schweikardt wird bis Saisonende in Doppelfunktion Trainer des TVB Stuttgart, gemeinsam mit Jens Bürkle. Die günstige interne Lösung macht es möglich, Samir Bellahcene vom THW Kiel als Verstärkung fürs Tor zu holen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Diese interne Lösung hatte sich immer mehr angedeutet, am Samstagnachmittag folgte nun die offizielle Bestätigung: Geschäftsführer Jürgen Schweikardt wird beim Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart bis zum Saisonende auch als Trainer tätig sein und damit Nachfolger seines jüngeren Bruders Michael. Der 44-Jährige arbeitet als Duo gemeinsam mit dem gleichaltrigen, erfahrenen Bundesligatrainer Jens Bürkle zusammen, Schweikardt trägt aber die Verantwortung. Bürkle ist seit Sommer Mitglied der Sportlichen Leitung des TVB und für den Nachwuchs zuständig.

 

Aus gesundheitlichen Gründen wollte er nicht an vorderster Front das Sagen haben. Los geht es für die beiden ehemaligen Mitspieler mit dem ersten Mannschaftstraining am kommenden Dienstag. Am 24. November (16.30 Uhr) steht für den Tabellen-17. (2:18 Punkte) mit dem neuen Trainergespann das erste Bundesligaspiel bei den Füchsen Berlin an. Dann wird auch der neue Torwart Samir Bellahcene (THW Kiel) mit dabei sein.

„Kräfte bündeln“

Der Transfercoup war nur möglich, da die Kosten für einen externen Trainer eingespart wurden. „Ich bin dreieinhalb Jahre aus dem Trainergeschäft raus. Ich halte mich nicht grundsätzlich für die beste Lösung, aber in Kombination mit der Torwartverpflichtung und mit Jens an der Seite ist es kurzfristig die beste Möglichkeit, die sportliche Situation zu stabilisieren. Wir müssen die Kräfte nun bündeln, und ich stelle mich auch meiner Verantwortung gegenüber dem Verein“, sagte Jürgen Schweikardt.

Die Entscheidung für die neue Konstellation hatte die Gesellschafterversammlung getroffen. Der gehören fünf Mitglieder an. Dies sind Christian May aus dem Hause des Hauptsponsors Kärcher als Sprecher, dazu Wolfgang Andrä (von der gleichnamigen Consulting Group) sowie der Unternehmer Klaus Mitterlindner, die gewissermaßen den wirtschaftlichen Part abbilden. Dazu kommen für die sportliche Seite Günter Schweikardt, der Vater von Jürgen und Michael, und Rainer Heib als Vertreter des Hauptvereins TV Bittenfeld. „Wir sind überzeugt, dass dies aktuell die beste Lösung für den TVB ist. Sowohl Jürgen als auch Jens verfügen über eine große Erfahrung und kennen die Mannschaft sehr gut“, sagte May.

Jürgen Schweikardt übernimmt zum dritten Mal bei seinem Heimatverein das Traineramt. 2015 führte er den TVB gut zwei Jahre nach seinem Einstieg zum Bundesliga-Aufstieg. Danach übernahm erst Thomas König, dann Markus Baur, den Schweikardt 2018 als Trainer ablöste und bis zum Einstieg von Roi Sanchez auch drei Jahre lang auf der Bank blieb. Durch die erneute Bereitschaft von Jürgen Schweikardt, in Doppelfunktion Trainer zu werden, spart der Club das Geld für einen externen Coach. In Anbetracht der durch die Insolvenz des früheren Hauptsponsors Wohninvest angespannten finanziellen Lage, alles andere als das unwichtigste Kriterium.

Nur so war es möglich, auf dem Transfermarkt gleich zweimal zuzuschlagen und Fehleinschätzungen in Sachen Kader zu korrigieren. Nach Spielmacher Torben Matzken (Kadetten Schaffhausen) kommt im französischen Europameister Samir Bellahcene auch noch ein erfahrener Mann fürs Tor. Der 29-Jährige hatte in Kiel noch einen Vertrag bis zum Saisonende, kam zuletzt hinter Nationaltorwart Andreas Wolff und Tomas Mrkva aber nur noch zu wenig Spielanteilen.

Lobedanks Zukunft offen

„Die Aufgabe beim TVB reizt mich enorm. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass der Verein den Umschwung schafft und in den nächsten Wochen und Monaten der Anschluss ans Mittelfeld gelingt“, sagte Bellahcene. Er wird zwischen den Pfosten das Duo mit dem slowenischen Nationalkeeper Miljan Vujovic bilden. Wie es mit dem dritten TVB-Torwart Luka Krivokapic mittelfristig weitergeht, ist offen. Genauso wie die sportliche Zukunft des bisherigen Co-Trainers Felix Lobedank.

Mit den Nachverpflichtungen setzt der TVB sowohl ein internes Zeichen, als auch ein Signal an die Konkurrenz, dass er alles dafür tut, den Bock im Kampf gegen den Abstieg umzustoßen. Unabhängig davon beginnt für Jürgen Schweikardt auch bereits die Suche nach einem Nachfolger für die kommende Saison. „Die neue Konstellation gibt uns die Gelegenheit, ohne zeitlichen Drück nach einem passenden Trainer für die Zukunft zu schauen“, erklärte Christian May.

TVB-Termine

Pflichtspiele
SC DHfK Leipzig – TVB Stuttgart 33:24, TVB – SG Flensburg-Handewitt 25:39, HC Erlangen – TVB 25:26, TVB – VfL Gummersbach 28:35, TVB – HSG Wetzlar 23:26, HSC 2000 Coburg – TVB (25:22/DHB-Pokal, zweite Runde), THW Kiel – TVB 29:24, TVB – MT Melsungen 27:36, TBV Lemgo Lippe – TVB 28:24, TVB – SC Magdeburg 25:36, TSV Hannover-Burgdorf – TVB 33:20, Füchse Berlin – TVB (24. November, 16.30 Uhr), TVB – HSV Hamburg (28. November, 19 Uhr), TVB – Frisch Auf Göppingen (5. Dezember, 19 Uhr), SG BBM Bietigheim – TVB (9. Dezember, 19.30 Uhr), ThSV Eisenach – TVB ( 14. Dezember, 20 Uhr), TVB – Rhein-Neckar Löwen (23. Dezember, 19.30 Uhr), TVB – 1. VfL Potsdam (27. Dezember, 19 Uhr). (jüf)

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