Wenn es im Hexenkessel Werner-Aßmann mucksmäuschen Still wird, dann muss etwas Besonderes passiert sein: Das war nach dem 29:25 (16:14)-Auswärtssieg des TVB Stuttgart beim ThSV Eisenach der Fall. Denn dieser Erfolg der Mannschaft von Trainer Jürgen Schweikardt vor 2800 Zuschauern (ausverkauft) bei den heimstarken Thüringern kam durchaus überraschend, zumal der TVB stark ersatzgeschwächt angetreten war und dadurch wenig Wechselmöglichkeiten hatte. Neben den langzeitverletzten Jonas Truchanovicius und Max Häfner fielen auch Patrick Zieker (Daumenbruch), Nico Schöttle (Schulterverletzung), Torben Matzken (Adduktorenprobleme), Bruno Reguart (Mittelfußbruch) und Gianfranco Pribetic (Pferdekuss) aus.
Kein Wunder, dass Schweikardt betonte: „Heute bin ich wirklich stolz auf die Mannschaft, das war der unbedingte Leistungswille, wir wollten bis zum Letzten dagegenhalten.“ Das ist dem TVB eindrucksvoll gelungen. Selbst als aus einer 21:16-Führung (37.) ein 24:25-Rückstand (51.) wurde, behielt das Team die Nerven und drehte das Spiel noch ziemlich souverän.
Ganz entscheidend in der Schlussphase: Die Paraden von Miljan Vujovic. Der TVB-Keeper war für den lange Zeit sehr gut haltenden Samir Bellahcene ins Tor gekommen und war sofort voll da. Eisenachs Nationalspieler Marko Grgic brachte drei Siebenmeter gegen den slowenischen Nationaltorwart nicht im Gehäuse unter. „Ich habe viel zu viel verballert. Ich bin richtig bedient“, gab sich Grgic selbstkritisch. „Marko war die tragische Figur, aber er hat uns schon so viele Spiele gerettet“, sagte Eisenachs Sportlicher Leiter Maik Nowak. Die meisten ThSV-Werfer warf Gian Attenhofer (6), für den TVB waren Kai Häfner (6), Lenny Rubin (5) und Achilleas Toskas (5), der sein bestes Spiel im Stuttgarter Dress machte, am Erfolgreichsten.
Die Turbulenzen um den bevorstehenden Abgang (spätestens am Saisonende) von ThSV-Coach Misha Kaufmann, der auch in Stuttgart im Gespräch ist, wollte Schweikardt nicht kommentieren: „Wir konzentrieren uns auf den Sport. Die drei Siege gegen Frisch Auf, in Bietigheim und jetzt in Eisenach waren für uns überlebensnotwendig. Die Situation war prekär. Jetzt können wir wieder atmen, aber mit acht Punkten haben wir noch nichts erreicht.“
Kaufmanns Appell
Und Kaufmann? Der appellierte nach der Partie an Anstand, Zusammenhalt, Vernunft, Vertrauen und positives Denken: „In einer Familie gibt es Streit, aber wir sollten wieder aufeinander zugehen und gemeinsam in eine Richtung gehen. Lasst uns kommunizieren, lasst es nicht zu, dass wir uns spalten. Es geht nicht um mich, es geht nur um den ThSV Eisenach.“ Der kämpft an diesem Donnerstag (19 Uhr) in Heidelberg bei den Rhein-Neckar Löwen um den Einzug ins Final Four um den DHB-Pokal. Der TVB wird’s aufmerksam verfolgen. Am 23. Dezember (19.30 Uhr) kommen die Löwen zum Bundesligaduell in die Porsche-Arena.
Torschützen
ThSV Attenhofer (6), Grgic (5/2 Siebenmeter), Vistorop (5), Mengon (3), Hangstein (2/2), Donker (1), Snajder (1), Walz (1), Reichmuth (1).
TVB Häfner (6), Rubin (5), Toskas (5), Serrano (4), Laube (4), Fernandez (2/1), Ivankovic (2), Bacani (1).
Ergebnisse und Termine
Bisherige Spiele
SC DHfK Leipzig – TVB Stuttgart 33:24, TVB – SG Flensburg-Handewitt 25:39, HC Erlangen – TVB 25:26, TVB – VfL Gummersbach 28:35, TVB – HSG Wetzlar 23:26, HSC 2000 Coburg – TVB 25:22 (DHB-Pokal, zweite Runde), THW Kiel – TVB 29:24, TVB – MT Melsungen 27:36, TBV Lemgo Lippe – TVB 28:24, TVB – SC Magdeburg 25:36, TSV Hannover-Burgdorf – TVB 33:20, Füchse Berlin – TVB 33:29, TVB – HSV Hamburg 27:28, TVB – Frisch Auf Göppingen 30:26, SG BBM Bietigheim – TVB 29:30, ThSV Eisenach – TVB 25:29.
Kommende Spiele
TVB – Rhein-Neckar Löwen (23. Dezember, 19.30 Uhr), TVB – 1. VfL Potsdam (27. Dezember, 19 Uhr), VfL Gummersbach – TVB (8. Februar, 20.30 Uhr), TVB – TSV Hannover-Burgdorf (13. Februar, 19 Uhr), MT Melsungen – TVB (22. Februar, 20.30 Uhr), TVB – TBV Lemgo Lippe (27. Februar, 19 Uhr), 1. VfL Potsdam – TVB (6. März, 19 Uhr). (jüf)