TVB Stuttgart Toni Serradilla: „Wenn der SC Magdeburg anfragt, ist es schwer, nein zu sagen“

Nur eine Saison für den TVB Stuttgart am Ball: Antonio Serradilla. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Antonio „Toni“ Serradilla spielt am Sonntag mit dem TVB Stuttgart gegen seinen ehemaligen und künftigen Verein. Wie schätzt der Spanier das Duell mit dem SC Magdeburg ein?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Handball-Bundesligist TVB Stuttgart empfängt an diesem Sonntag (17 Uhr/es gibt noch wenige Resttickets) in der Porsche-Arena den SC Magdeburg. Für Antonio Serradilla ist das Duell mit dem Champions-League-Sieger eine ganz besondere Partie.

 

Herr Serradilla, wie überrascht waren Sie über das verpasste Endspiel des SC Magdeburg beim Final Four um den DHB-Pokal?

Das Halbfinal-Aus war schon überraschend, da der SCM normalerweise sehr dominant auftritt – gegen jeden Gegner.

Wie erklären Sie sich diese Niederlage gegen den abstiegsgefährdeten Bergischen HC?

Der BHC hat mit viel Einsatz, Emotionen und einer starken Defensive inklusive Torhüter überzeugt, das war letztlich entscheidend für den Sieg.

Der SCM kommt nach der Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Lemgo sogar mit zwei Niederlagen in Folge nach Stuttgart. Welche Auswirkungen haben diese ungewohnten Misserfolge auf das Spiel am kommenden Sonntag?

Ich weiß nicht, ob das ein Vorteil für uns ist. Wir gehen mit der gleichen Mentalität ins Spiel und wollen unser bestes Spiel machen. In Spanien sagt man, ein Team kommt nach Niederlagen wie ein verletztes Tier zurück. Der SC Magdeburg wird also mit viel Energie reagieren wollen.

Der SCM hat in der Liga als Spitzenreiter sieben Punkte Vorsprung und steht als Titelverteidiger im Champions-League-Viertelfinale gegen Pick Szeged. Trauen Sie dem Team immer noch beide Titel zu?

Ja, weil sie einen extrem starken und breiten Kader haben, selbst Ausfälle können sie problemlos kompensieren. Das Team spielt eine überragende Saison und gehört zu den Topfavoriten auf beide Titel. Auf den SC Magdeburg möchte keiner in einem Viertfinale treffen.

Der TVB ist seit sieben Spielen ungeschlagenen. Was sind die Gründe, dass sich Ihr Team so stabilisiert hat?

Ich glaube, wir spielen grundsätzlich ähnlich wie zuvor. Der große Unterschied ist, dass wir die Schlussphasen jetzt viel besser kontrollieren. Zu Beginn haben wir enge Spiele oft verloren, inzwischen bleiben wir in den entscheidenden Momenten ruhiger und machen weniger Fehler. Das gibt uns die nötige Stabilität.

Toni Serradilla feiert mit dem SCM den Triumph in der Königsklasse 2025. Foto: IMAGO/Jan Huebner

Warum hat der TVB auch gegen SCM eine Chance?

Wir haben eine Chance, weil wir eine gute Mannschaft sind und um jeden Ball kämpfen. In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen, das hat man ja auch jetzt wieder im Pokal gesehen. Wenn ein Team nicht 100 Prozent bringt, dann kann es besiegt werden.

Zuletzt gab es vier Unentschieden hintereinander. Wie erklärten Sie sich die Flut an Punkteteilungen beim TVB und auch in der Liga insgesamt?

Ich glaube, wir bleiben auch in schwierigen Phasen immer dran und kämpfen bis zum Ende, deshalb verlieren wir selten deutlich. Gleichzeitig fehlt uns in manchen Situationen noch die Erfahrung, Spiele, auch bei einer Führung, ruhiger und kontrollierter zu gestalten. Genau das ist oft der Unterschied zwischen Unentschieden und Siegen.

Sie selbst verlassen den TVB ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Was sind die Gründe? Hat es Ihnen in Stuttgart nicht gefallen?

Ich gehe, weil ich die Chance habe, auf höchstem Niveau zu spielen. Wenn ein Club wie der SC Magdeburg anfragt, ist es schwer, nein zu sagen. Dort kann ich um Titel spielen. Beim TVB Stuttgart hatte ich aber eine sehr gute Zeit.

Stuttgart und Magdeburg sind beides Landeshauptstädte. Wo liegen für Sie die Hauptunterschiede, was die Städte, die Mentalität der Menschen und die beiden Vereine betrifft?

Stuttgart ist größer und internationaler, während Magdeburg familiärer wirkt und die Identifikation mit dem SC Magdeburg besonders stark ist. Dort spürt man mehr Druck durch die Fans, während die Atmosphäre beim TVB Stuttgart etwas ruhiger, aber ebenfalls sehr positiv ist.

Sie sind mit dem SCM Champions-League-Sieger geworden. Zuletzt gab Trainer Misha Kaufmann dem 19-jährigen Linus Schmid im Innenblock den Vorzug. Wie nahmen Sie das auf, wie gehen Sie damit um?

Ich sehe mich als absoluten Teamspieler. Auch wenn ich aktuell weniger Spielzeit bekomme, versuche ich immer, der Mannschaft zu helfen. Im Moment bekommt Linus Schmid seine Chance. Natürlich will ich selbst so viel wie möglich spielen, aber die Entscheidung liegt beim Trainer, und die respektiere ich.

SCM-Coach Bennet Wiegert und Misha Kaufmann sind beide emotionale Trainer. Worin unterscheiden sie sich am meisten – taktisch und was die Führung der Mannschaft betrifft?

Beide Trainer leben den Handball sehr emotional und mit großer Leidenschaft, darin sind sie sich ähnlich. Unterschiede gibt es vor allem in der Spielweise und im Detail der Taktik. Bennet Wiegert gibt seinen Spielern viel Vertrauen und Freiheit auf dem Feld, was mir persönlich sehr geholfen hat.

Was nehmen Sie aus dem Jahr in Stuttgart mit?

Ich nehme vor allem die Stadt Stuttgart mit, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Beim TVB habe ich tolle Menschen kennengelernt, und besonders die Spiele in der Porsche-Arena bleiben mir in Erinnerung.

Welchen Traum möchten Sie sich als Handballer noch erfüllen?

Ich will mit dem SC Magdeburg Titel gewinnen, vor allem die Champions League. Mit der Nationalmannschaft träume ich von einer Olympia-Medaille, und persönlich möchte ich zu den besten Abwehrspielern der Welt gehören. Langfristig wäre es ein Traum, meine Karriere in meiner Heimat Sevilla ausklingen zu lassen.

Zur Person

Vita
Antonio „Toni“ Serradilla wurde am 10. Januar 1999 in Sevilla geboren. Seine Stationen: Quabit Guadalajara (2018 bis 2020), BM Logroño La Rioja (2020 bis 2023), Elverum Handball/Norwegen (2023/24), SC Magdeburg (2024/25; Champions-Legue-Sieger), TVB Stuttgart (2025/26). 19 A-Länderspiele für die spanische Nationalmannschaft.

Persönliches
Im April 2021 war Serradilla ein Tumor in seinem rechten Auge diagnostiziert worden. Es wurde operativ entfernt. Seitdem trägt er eine Sportbrille, um auf dem guten Auge keine Verletzungen zu riskieren. (jüf)

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