Marco Mengon sieht eine von insgesamt drei Rote Karten für den TVB Stuttgart beim Bundesligaspiel in Berlin. Foto: IMAGO/Foto Lächler
Der TVB Stuttgart kassiert in Berlin drei Rote Karten und fühlt sich benachteiligt. Auch Frisch Auf Göppingen hatte zuletzt Probleme mit einer Schiedsrichterentscheidung.
Unmittelbar nach der 32:37(16:13)-Niederlage bei den Füchsen Berlin hielt sich Misha Kaufmann noch zurück: „Ich habe die Szenen nicht gesehen“, sagte der Trainer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart am Sonntagabend auf der Pressekonferenz. Es ging um die Roten Karten für Max Häfner (13.), Neuzugang Marco Mengon (27.) und Antonio Serradilla (38.). Am Tag danach war der Schweizer Coach schlauer, er hatte sich die Bewegtbilder noch einmal in Ruhe angeschaut und kam zu der Erkenntnis: „Die ersten beiden Roten Karten waren viel zu hart. Wenn diese Maßstäbe angelegt werden, kommst du in vielen Spielen unter zehn Roten Karten nicht aus einem Spiel heraus.“
Die Schiedsrichter Marvin Cesnik und Jonas Konrad (beide Gummersbach) hatten sich die strittigen Szenen per Videobeweis noch einmal angesehen, die Fouls von Max Häfner (gegen Nils Lichtlein) und Marco Mengon (gegen Matthes Langhoff) als gesundheitsgefährdende Aktionen im Gesicht geahndet und jeweils Rot gezückt. TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt brachte dafür kein Verständnis auf: „Wenn sie beidesmal eine Zeitstrafe geben, hätte sich keiner beschwert. Das nervt wirklich.“
Zu viel Bauchgefühl
Kaufmann hat vor allem ein Problem damit, dass jedes Schiedsrichterpaar ähnliche Aktionen Woche für Woche anders bewerten: „Mal gibt es eine Zeitstrafe, mal eine Rote Karte, mal gar nichts.“ Zu viel Bauchgefühl sei bei den Entscheidungen im Spiel, zu wenig klar definierte Regeln. Berlins Coach Nicolej Krickau pflichtete seinem Schweizer Kollegen bei dieser Einschätzung bei.
Bei der dritten Roten Karte war der Fall dagegen anders gelagert. Serradilla forderte nach der zweiten Zeitstrafe gegen ihn, die Schiedsrichter per sichtbarem Zeichen auf, den Videobeweis zu bemühen. Dies zieht laut Regelwerk eine Zweiminutenstrafe nach sich, weshalb der Spanier nach seiner dritten Zeitstrafe Rot sah. „Das war die Schuld von Toni“, nahm Kaufmann die Unparteiischen aus der Schusslinie. Wobei Kenner der Schiedsrichterszene einräumen, dass bei bereits zwei gezückten Roten Karten gegen den TVB diese Szene von Cesnik/Konrad auch anders hätte wegmoderiert werden können.
So aber stand der TVB in den letzten 22 Minuten ohne Innenblockspieler da, denn Samuel Röthlisberger (Adduktorenprobleme) und Lenny Rubin (im Training umgeknickt) standen nicht zur Verfügung. Ob sie am kommenden Sonntag (16.30 Uhr/Porsche-Arena) gegen die TSV Hannover-Burgdorf wieder am Ball sein können, ist noch offen.
Immer wieder stellt sich auch im Handball die Frage, wann der Videobeweis von den Schiedsrichtern im Zusammenhang mit Fouls bemüht werden kann. Zur Klarstellung: Dies ist bei Gesichtstreffern, Simulationen und bei unfairen Aktionen außerhalb des Blickfeldes der Unparteiischen möglich.
Haderte gegen Minden mit einer Schiedsrichterentscheidung: Frisch-Auf-Coach Ben Matschke. Foto: Pressefoto Baumann
In den letzten 30 Sekunden des Spiels kann dagegen jede den Spielausgang verändernde Situationen überprüft werden. In diesem Zusammenhang gab es beim vergangenen Heimspiel von Frisch Auf Göppingen gegen GWD Minden eine Szene, die für Aufregung sorgte: Mindens Philipp Vorlicek versenkte unmittelbar vor der Schlusssirene einen Freiwurf zum 28:28-Endstand ins Netz.
Der Fuß des Spielers stand bei Ausfühung jedoch nicht fest auf dem Boden, sondern er hatte den direkten Freiwurf mit Anlauf, mit einem Stemmschritt, ausgeführt – ein klarer Regelverstoß. Die Göppinger Bank hätte die Schiedsrichter Christian und Fabian von Dorff auffordern können, sich die Szene per Videobeweis anzuschauen. Das passierte aber nicht.