Typologie der Faschingskostüme Süßes Früchtchen, harter Junge

Von unserer Redaktion 

Auch Erwachsene werden an den tollen Tagen wieder kindisch und schlüpfen in eine andere Rolle. Die Wahl des Faschingskostüm verrät manches über die Träger – und viel über ihre Sehnsüchte.

Weiberfasnacht in Düsseldorf: Diese Damen haben sich bei der Kostümauswahl abgesprochen. Foto: dpa 6 Bilder
Weiberfasnacht in Düsseldorf: Diese Damen haben sich bei der Kostümauswahl abgesprochen. Foto: dpa

Stuttgart - Auch Erwachsene werden an den tollen Tagen wieder kindisch und schlüpfen in eine andere Rolle. Die Wahl des Kostüms an Fasching verrät manches über die Träger – und viel über ihre Sehnsüchte. Wir stellen beliebte Verkleidungen vor.

Indianer

Ganz politisch korrekt ist diese Verkleidung ja nicht mehr, aber aus Kindersicht waren Indianer wild und frei – so wie kleine Buben gerne wären. Aus der Sicht von Jugendlichen verkörperten sie den edlen Aufstand gegen die gemeine Übermacht. Damals war immer klar, als was man an Fasching geht. Für erwachsene Faschingsmuffel ist die Sache komplizierter: Heutzutage gelten die Typen in ihrer Ganzjahres-Cowboyverkleidung ja als die richtig coolen Jungs, Ganzjahres-Möchtegernindianer werden belächelt oder verprügelt. Erwachsener Fasching mit Federn im Haar kündet manchmal von Tumbheit. Zuweilen aber von großen Träumen, die nie begraben werden.

Kim Jong Un

Sie stehen gerne im Mittelpunkt und pfeifen auf Taktgefühl und Tabus? Dann empfiehlt sich ein Kostüm mit Schockwirkung. 2016 war es das „Kim Kardashian Pariser Raubopfer-Kostümset“ für 69,99 Dollar, 2017 Donald Trump. Und nun? Saddam Hussein, Osama bin Laden oder Muammar al-Gaddafi sind tot, bleibt noch Nordkoreas „Oberster Führer“ Kim Jong Un. Keine Sorge, die Haare wachsen wieder nach. Beim leberwurstfarbenen Mao-Anzug sollten Sie aufs Detail achten: Verwenden Sie nur Original-Teile aus Vinalon – möglichst aus der Produktion des Kunstfaser-Werks „8. Februar“ im nordkoreanischen Hungnam.

Pirat

Frauen stehen auf harte Jungs und der Pirat ist der härteste von allen. Er nimmt sich, was er will, haut Sprüche raus, ist stets angetrunken und ein bisschen schmierig. Seeräuberbräute können es gar nicht erwarten, von einem Captain-Jack-Sparrow-Double gekapert zu werden. Sie sollten sich als Schatzkiste verkleiden, um möglichst gute Chancen zu haben. „Pirat“ – das kommt von griechisch „etwas wagen“. Das nehmen Bürohengste zum Anlass, ein paar tolle Tage lang ein bisschen härter aufzutreten. An Aschermittwoch packt der Pirat Totenkopf-Halstuch, Dreispitz und Säbel wieder in die Mottenkiste. Ein bisschen Kajal klebt noch verwegen im Augenwinkel.

Erdbeere

Was für ein Früchtchen! Wer sich als Erdbeere verkleidet, sagt: Baby, süßer wird’s nicht. Der Vorteil der Verkleidung ist: Aufwendig schminken oder anderweitig verkünsteln muss man sich nicht. Man zieht sich ein rotes, sackartiges Kleid an, gerne mit schwarzen Punkten und einem grünen Kragen, dazu ein passendes Hütchen und gut ist. Ist also auch was für künstlerisch Unbegabte und Schminkfaule. Einen Nachteil hat die Sache: Frauen müssen sich auf plumpe Anmachen gefasst machen, Männer sehen als Erdbeere eher seltsam aus. Für Zweijährige ist das Kostüm aber klasse.

Zombie

Wer Fasching mit aller Ernsthaftigkeit angeht, weiß das: Zu vorgerückter Stunde und spätestens Aschermittwoch sieht der Mensch eh wie ein Zombie aus. Doch sich als Frau wie eine Untote zwischen ausgelassene Herren zu mischen, sagt vornehmlich eines: „Vorsicht, Freundchen!“ Fernsehzuschauer wissen schließlich, was passiert, wenn man Zombies nicht mit dem nötigen Respekt begegnet. Bedauernswert und ein bisschen gefährlich: Seit dem Erfolg der US-Serie „The Walking Dead“ ist auch bekannt, wie man Zombies beikommt. Also, Vorsicht bitte. Alle.