Wenn die dramatischsten Titelgewinne die schönsten sind, dann ist diese errungene U-19-Weltmeisterschaft der deutschen Nachwuchshandballer nicht zu toppen. Mit 41:40 nach Siebenmeterwerfen triumphierte das Team von Trainer Erik Wudtke vor 4500 Zuschauern im Finale von Kairo gegen Spanien.
„Das ist ein phänomenaler Titel. Von beiden Teams wird man in den kommenden Jahren einige Spieler im A-Nationalteam sehen“, prognostizierte Bundestrainer Alfred Gislason. Auch der künftige Chef-Bundestrainer des männlichen Nachwuchses, Michael Schweikardt (ab 1. September im Amt), zeigte sich begeistert: „Das ist ein genialer Erfolg und belegt die gute Arbeit, die beim Deutschen Handballbund gemacht wird. Nach der goldenen Generation um Lichtlein, Fischer, Uscins und Späth wächst eine weitere heran, das ist überragend“, sagte der ehemalige Coach des TVB Stuttgart gegenüber unserer Redaktion.
Auch sein früherer Club freut sich mit. Denn mit Rückraumspieler Linus Schmid (fünf Tore im Finale), Kreisläufer und Abwehrspezialist Max Heydecke und Spielmacher Nick Scherbaum standen drei Spieler von Nachbar und Kooperationspartner JANO Filder im deutschen Kader. Seit der D-Jugend spielen sie zusammen. Nach der deutschen A-Jugend-Vizemeisterschaft in der vergangenen Saison mit ihrem Club folgte nun die Krönung auf der internationalen Bühne. Zu der trug ein weiterer Württemberger bei: Kreisläufer Bennet Strobel vom HBW Balingen-Weilstetten, der Sohn von Ex-HBW-Profi und -Geschäftsführer Wolfgang Strobel.
„Für uns ist der Titel eine weitere Bestätigung für unsere Arbeit. Die Jungs sind Role Models für kommende Generationen“, sagt Magnus Gründig, Sportlicher Leiter und U-19-Trainer der JANO, der das Trio von den Fildern während des Turniers in Ägypten begleitete und mit ihm am Montag auch zurückflog.
Erstspielrecht bei Daniel Brack
Für die drei Goldmedaillengewinner geht es künftig in der dritten Liga bei den „Maddogs“ des TSV Neuhausen weiter, wobei Heydecke und Scherbaum auch noch ein Jahr in der U 19 spielen dürfen. Neben ihrem Erstspielrecht für das TSV-Team von Trainer Daniel Brack (Saisonstart am 6. September daheim gegen TuS Fürstenfeldbruck) könnten sie via Zweifachspielrecht auch für den TVB Stuttgart zum Einsatz kommen.
Gefördert werden sie auf alle Fälle beim Erstligisten im Rahmen des NextGen Performance Centers. In dem sogenannten TVB Talent Hub wird talentierten Spielern aus der Region Stuttgart die Möglichkeit geboten, auf Bundesliganiveau zu trainieren – unter der Leitung von Misha Kaufmann. Co-Trainer Danijel Grgic und Jugendkoordinator Jens Bürkle unterstützen den TVB-Chefcoach.
„Wir haben bisher keine Aktien an diesen Top-Nachwuchsspielern, aber wir freuen uns, dass sie sich bei der WM auf höchstem internationalem Niveau bewiesen haben, und wollen sie in einem professionellen Bundesliga-Umfeld weiterentwickeln“, sagt TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Bisher besteht das Konzept nur auf dem Papier. Mit ihrer Rückkehr beginnt es, mit Leben gefüllt zu werden.“