U-21-Torjäger Luca Waldschmidt Durchbruch im Breisgau

Von jüf 

Beim 6:1 der deutschen U 21 bei der EM gegen Serbien stellt Luca Waldschmidt 60-Millionen-Mann Luka Jovic in den Schatten. Das Selbstvertrauen holte er sich in der vergangenen Bundesligasaison bei Trainer Christian Streich in Freiburg.

Wird nun schon bei Lazio Rom gehandelt: Luca Waldschmidt vom SC Freiburg. Foto: Getty Images
Wird nun schon bei Lazio Rom gehandelt: Luca Waldschmidt vom SC Freiburg. Foto: Getty Images

Stuttgart - An diesem Abend hatte der kleine Luca dem großen Luka ausnahmsweise mal die Show gestohlen. Der vergleichsweise unbekannte Luca Waldschmidt erzielte drei Tore zum 6:1 der deutschen U21 bei der EM gegen Serbien und feierte seine Erfolgserlebnisse ausgelassen. In Anlehnung an den Song „Bierkapitän“ von Markus Becker und Richard Bier jubelte er gemeinsam mit Sturmpartner Marco Richter mit einer Bauch-Geste und einem imaginären Hut, den sie voreinander ziehen. Der Starspieler Luka Jovic, der in diesem Sommer für eine Ablösesumme von mindestens 60 Millionen Euro zu Real Madrid wechselt, wurde nach 69 Minuten ausgewechselt. „Das war ein genialer Teamauftritt. Wir starteten top. Und wenn es dann mal läuft, macht es allen Spaß“, sagte Waldschmidt, der nun schon vier Treffer bei dieser EM auf dem Konto hat.

Bundesligastart bei Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt ist so etwas wie eine gemeinsame Klammer zwischen Luca und Luka. Luka Jovic gelang bei der Eintracht der Durchbruch zum internationalen Topmann und zieht nun weiter zum spanischen Renommierclub. Luca Waldschmidt stand bei Eintracht Frankfurt im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal im Bundesliga-Kader. Spielen durfte er nicht. Unter den Trainern Thomas Schaaf, Armin Veh und Niko Kovac konnte er sich am Riederwald nicht durchsetzen. Vier Jahre später absolvierte er zwar sein 50. Bundesligaspiel. Doch es passte ins Bild seiner bis dahin gerade mal neun Einsätzen von Beginn an: Er wurde in der 89. Minute eingewechselt.

Saison zum Vergessen beim HSV

Es waren seine letzten Minuten im Trikot des Hamburger SV. Für Waldschmidt war die Spielzeit 2017/18 eine Saison zum Vergessen. „Wir haben immer gegen den Abstieg gespielt, was es nicht einfach gemacht hat“, erklärte er. Der Dino stieg ab. Der gebürtige Siegener verlor seinen Platz in der U21. Er wechselte zum SC Freiburg. Schon im Winter wollte er dorthin. „Der Sport-Club ist eine gute Adresse für junge Spieler. Dieses Umfeld möchte ich für mich optimal nutzen und sportlich den nächsten Schritt machen“, sagte Waldschmidt, dessen Vater Wolfgang früher für Darmstadt 98 in der zweiten Liga spielte.

Neustart in Freiburg

Der Neustart im Breisgau gelang. Und wie! 30 Mal kam der hochverlangte Linksfuß bei Trainer Christian Streich zum Einsatz, meistens als hängende Spitze. Er stand im Schnitt fast eine Stunde auf dem Feld – beinahe doppelt so häufig wie in den zwei Jahren beim HSV. Waldschmidt zahlte das Vertrauen zurück. Unter anderem mit neun Toren und vier Vorlagen.

Das Etikett des ewigen Talents hat der Offensivmann, der in den U-Mannschaften des DFB oft neben Timo Werner stürmte, jedenfalls abgelegt. Durch sein in Freiburg neu gewonnenes Selbstvertrauen ist er nun auch in der U21 von Trainer Stefan Kuntz zum Führungsspieler geworden.

Variabilität als Stärke

Er füllt die Position im Sturmzentrum nicht mit der physischen Stärke aus wie das Davie Selke beim EM-Titelgewinn 2017 tat. Der Neuner im 4-3-3-System von Trainer Kunz ist der 1,81 Meter große und vergleichsweise schmächtige Waldschmidt. Wobei er eher ein Zehner ist. Die Nummer steht auch auf seinem Rücken. Mal spielt er ganz vorne, mal lässt er sich ins Mittelfeld zurückfallen, nimmt am Kombinationsspiel teil und entzieht sich so geschickt den Gegenspielern. Kein deutsches Tor fiel nach einer Flanke und einem Kopfball, alle wurden nach Kombinationen oder Ballgewinnen herausgespielt. Diese Variabilität wird nun zu einer Stärke der deutschen Mannschaft, der an diesem Sonntag (21 Uhr/ZDF live) gegen Österreich ein Punkt zum Gruppensieg reichen würde.

Sonntag gegen Österreich

Waldschmidts Klasse hat sich inzwischen herumgesprochen. In der „Gazzetta dello Sport“ wird der Mann, der als Vorbild Antoine Griezman angibt, unter der Überschrift „il bomber“ mit Lazio Rom in Verbindung gebracht. Manchmal geht es schnell in dem Geschäft. Luka Jovic würde das Luca Waldschmidt garantiert bestätigen.