U-Bahn-Bau in Manila Hoffen auf das Jahrhundertprojekt
Manila gilt als Stadt mit der weltweit schlimmsten Verkehrslage. Der Bau einer U-Bahn soll die Lage erleichtern. Beteiligt ist auch ein deutscher Betrieb.
Manila gilt als Stadt mit der weltweit schlimmsten Verkehrslage. Der Bau einer U-Bahn soll die Lage erleichtern. Beteiligt ist auch ein deutscher Betrieb.
Wer sich dieser Tage in Manila umsieht, wird auf den ersten Blick kaum etwas Besonderes entdecken. Laut ist es, ob wegen der oft alten Motoren, die bei jeder Grünphase aufheulen, oder der nächsten Baustelle, die nie weit ist. Die philippinische Hauptstadt platzt aus ihren Nähten – und das seit Jahrzehnten. Im Vergleich zu 1990 hat sich die Bevölkerung der Metropolregion auf gut 14 Millionen fast verdoppelt. Tendenz weiter steigend, zum Leidwesen der Verkehrsteilnehmenden. Aber das soll sich ändern. Denn viele der Baustellen, die sich seit einiger Zeit auf der Nord-Süd-Achse Manilas auftun, sind Teil eines Megaprojekts: Hier, wo der Verkehr bisher fast ausschließlich auf den Straßen stattfindet, wird eine U-Bahn gebaut. Bis 2027 sollen die Bauarbeiten offiziell fertiggestellt sein. Die Hoffnung an dieses Jahrhundertprojekt, für das Planungen schon in den 1970ern begannen: Manila soll endlich den Ansprüchen einer modernen Metropole gerecht werden.
Bis jetzt ist sie eher ein Negativbeispiel. Erst 2024 kam wieder heraus, dass nirgends auf der Welt die Verkehrslage schlimmer ist als in Manila. Zu diesem Ergebnis gelangte der Anbieter von Navigationssystemen Tomtom, der mit seinen Daten aus weltweit 387 Metropolen ein Ranking aufgestellt hatte: Von 240 Stunden, die die Bewohnerinnen und Bewohner der südostasiatischen Metropole 2023 im Straßenverkehr verbrachten, standen sie 117 Stunden, oder knapp fünf Tage, still.
Die Gründe sind lange bekannt: Während in Manila im 19. Jahrhundert, als die Philippinen noch spanische Kolonie waren, schon eine Straßenbahn fuhr, wuchs die Stadt im 20. Jahrhundert unter der folgenden Kolonialherrschaft der USA vor allem über ihr schon bald mehrstöckiges Straßennetz. Und während das Wetter so heiß und stickig ist, dass jede Person, die es sich leisten kann, lieber ins Auto steigt, haben Fußgänger ohnehin kaum Platz. Rad- und Gehwege werden ständig unterbrochen.
Das U-Bahnprojekt gibt Licht am Ende dieses Tunnels. Denn das von der japanischen Entwicklungsagentur JICA finanzierte Vorhaben führt über 33,1 Kilometer und 17 Stationen vom internationalen Flughafen im Süden durch das Zentrum bis zum nördlichen Subzentrum Valenzuela. Täglich 1,5 Millionen Passagiere sollen über diese Strecke täglich befördert werden – womit der Verkehr zumindest etwas erleichtert werden soll. Denn die Handvoll Metrolinien, die bereits oberirdisch fahren, bieten dann weitere Umsteigemöglichkeiten.
Die Bauarbeiten laufen schon seit 2019. Zu den vielen Unternehmen, die ins Vorhaben involviert sind, zählt mit dem Tiefbauunternehmen Bauer aus dem oberbayerischen Schrobenhausen auch ein deutscher Betrieb. Doch hört man sich in Manila zum Projekt um, ist nicht mehr nur Zuversicht vernehmen. „Das eigentliche Ziel 2028 wird wohl nicht erreicht“, sagt Roland Odenthal, der lange bei Bauer angestellt war und das Unternehmen heute berät. „Es werden eher die frühen 2030er Jahre werden.“
Für sechs der bisher ausgeschriebenen Haltestellen hat Bauer bereits den Auftrag erhalten, Fundamente zu bauen. Im Gesamtprojekt, das insgesamt ein Volumen von gut 355 Milliarden Philippinischen Peso umfasst (rund 5,6 Milliarden Euro), setzt Bauer pro Station rund 10 Millionen Euro um. Nur liegt hierin eine der Ursachen für Verspätungen: „Der Cashflow hakt leider oft“, so Odenthal. Häufig würden Auftraggeber Prüfvorgänge in die Länge ziehen, offenbar um fällige Zahlungen nicht sofort leisten zu müssen.
Dabei wäre das U-Bahnvorhaben in einer dicht bevölkerten Metropole wie Manila auch ohne Zahlungsverzug schon hoch anspruchsvoll. „Es gibt eigentlich drei klassische Hürden für Fortschritte“, sagt Odenthal: „Erstens geht es darum, dass man dort, wo man bauen will, auch bauen darf.“ Zweitens müssen diverse Wasserleitungen umverlegt werden. „Drittens muss an vielen Stellen Land gekauft werden, um voranzukommen.“ Und auch hier stockt es.
Anwohner haben bereits Beschwerden eingereicht, weil sie die U-Bahn nicht unter ihrem Wohnhaus wollen. So kann es sogar sein, dass sich das Megaprojekt noch um weitere Jahre verzögert. Die Website des TV-Senders ABS-CBN erklärte im Februar: „Großes Eisenbahnprojekt wird aufgrund von Hindernissen im Straßenverkehr wahrscheinlich nicht innerhalb der Amtszeit von Marcos abgeschlossen.“ Ferdinand Marcos ist der Präsident der Philippinen, dessen Amtszeit noch bis 2028 läuft – und der eigentlich mit der Einweihung dieses Prestigeprojekts öffentlich strahlen wollte.
Vorerst aber macht sich in Manila Nervosität breit. „Es ist ja nicht so, dass hiermit das große Umdenken auf die Schienen begonnen hat“, sagt Red Constantino, Vorsitzender der der NGO „Institute for Climate and Sustainable Cities.“ Selbst wenn noch weitere Bahnprojekte geplant seien: „Die Regierung baut parallel auch das Straßennetz aus.“ Dies sei fatal, so Constantino: „Die Erfahrung zeigt, dass Stau auf den Straßen nie dadurch gelöst wird, dass man mehr Straßen baut. So kommen nur mehr Autos dazu!“ Bei gleichzeitigen Verzögerungen im U-Bahnprojekt, das auch zu Sperrungen auf einigen Straßen führt, ist die Folge klar: Vorerst noch mehr Stau. Aber das kennt man in Manila ja schon.