Uber-Chauffeur aus Südafrika Vom Taxifahrer zum Opernsänger

Von Johannes Dieterich 

Das Gesangstalent südafrikanischen Uber-Fahrers Menzi Mngoma wurde zufällig entdeckt. Jetzt könnte er an der weltgrößten Talentshow in Los Angeles teilnehmen – wenn er genug Geld fürs Flugticket auftreibt.

Menzi Mngoma beglückt seine Taxi-Gäste stets mit selbst gesungenen Liedern. Foto: Mngoma/Facebook
Menzi Mngoma beglückt seine Taxi-Gäste stets mit selbst gesungenen Liedern. Foto: Mngoma/Facebook

durban - Jeder kennt Bass-, Tenor- oder Bariton-Sänger. Von Uber-Sängern aber hat bislang noch keiner etwas gehört. Zumindest bis Menzi Mngoma in den sozialen Netzwerken im Internet auftauchte: Ein Südafrikaner, der in seinem bisherigen Leben Kunden für den Taxi-Service Uber mit einem VW-Polo in der Hafenstadt Durban von A nach B kutschiert hat. Ihnen pflegte der 27-Jährige statt des obligatorischen Radiogedudels ein selbstintoniertes Unterhaltungsprogramm zu bieten. Am liebsten sang er Tenor-Arien am Steuer.

An einem Tag im Mai stieg Kim Davey, eine blonde Johannesburgerin, in sein Auto ein. Als Menzi Mngoma wie üblich seine Stimme erhob, sei ihr gesamter Körper „von Gänsehaut überzogen“ worden, sagt sie: „Seine Stimme hat mich völlig überwältigt.“ Allerdings nicht dermaßen überwältigt, als dass sie nicht noch ihr Handy hätte zücken können: Von der Hinterbank aus zeichnete Davey den Uber-Sänger auf und lud das Video später auf ihre Facebook-Seite hoch. Womit die Buchhalterin einer Juweliers-Kette nicht gerechnet hatte: Ihr Facebook-Eintrag löste eine Lawine aus – schon in wenigen Tagen hatten mehr als 600 000 Internetnutzer ihr Video mit Menzi Mngoma alias Caruso gesehen. Inzwischen sind es weit mehr als eine Million.

Mngoma wurde in die Kapstädter Oper zum Vorsingen geladen

Darunter auch die richtigen Leute, nämlich diejenigen, die mit der südafrikanischen Musikszene in Verbindung stehen – Agenten, Produzenten und Radiomoderatoren, die offenbar ebenfalls mit Gänsehaut überzogen wurden. Martin Bester, Moderator bei Jacaranda FM, lud Caruso in seine Morgenshow ein: Alles Weitere liest sich wie eine Geschichte aus einem afrikanischen Traum.

Mngoma wurde in die Kapstädter Oper zum Vorsingen geladen. Und der Durbaner Musikproduzent Hendrik Joerges nahm eine Single mit ihm auf. Mngoma trat beim Open-Air-Festival eines Versicherungskonzerns auf und sang bei einer Großveranstaltung des digitalen Taxiunternehmens Uber in Johannesburg. Außerdem durfte er eine Kostprobe seiner Kunst im privaten Nachrichtensender eNCA im Fernsehen zum Besten geben und schaffte es ins Finale der „South Africa International Opera Singing Competition“ – ein Gesangswettbewerb, bei dem sich die besten Stimmen Südafrikas messen.

„Unglaublich, was in meinem Leben derzeit alles passiert“

Seinen Fans verrät er, dass seine Stimme „ein Geschenk Gottes“ sei. Allerdings kam das Geschenk zunächst ohne Verpackung: Mngoma wuchs in einer bettelarmen Familie auf, weder sein Vater noch seine Mutter hatten jemals einen festen Job. Das meiste, was er heute kann, brachte sich der Sohn selbst bei: einschließlich der Atemtechnik und der theatralischen Gestik. Um einige Veranstaltungen in Musikwissenschaften belegen zu können, heuert er Anfang dieses Jahres schließlich als Uber-Chauffeur an. Dass ihm das den musikalischen Durchbruch verschaffen würde, hätte er niemals gedacht. „Es ist unglaublich, was in meinem Leben derzeit alles passiert“, verriet der dunkelhäutige Caruso im BBC-Interview: „Plötzlich werde ich mit Anfragen überhäuft, die Leute erkennen mich auf der Straße und wollen ein Foto mit mir.“

Dabei steht der Höhepunkt seines Karrieretraums erst noch bevor. Wenn alles gut geht, wird Mngoma bald nach Hollywood fliegen, wo im Dezember die weltgrößte Talentshow „iPOP“ ansteht. Doch bis dahin ist noch eine kleine Hürde zu nehmen: Der Uber-Chauffeur braucht ein Flugticket und müsste ab heute Tag und Nacht am Steuer sitzen, um sich dieses von seinem kleinen Gehalt leisten zu können. Zum Glück hat aber Kim Davey als Entdeckerin nochmals nachgelegt und eine Sammelaktion gestartet. Wäre doch gelacht, wenn dabei nicht das Geld für einen einfachen Flug nach Los Angeles zusammenkäme – einen Rückflug braucht der Uber-Sänger sicher nicht.