Die UBS schluckt die einst stolze Credit Suisse komplett. Die neue Großbank streicht 3000 Jobs in der Schweiz und erzielt einen Riesengewinn.

Korrospondenten: Jan Dirk Herbermann (jdh)

Das Schicksal der einstmals stolzen, aber auch skandalgeschüttelten Schweizer Großbank Credit Suisse ist besiegelt. Der Rivale UBS übernimmt in den nächsten Jahren das gesamte Schweiz-Geschäft der Credit Suisse und streicht in dem Alpenland 3000 Stellen. „Jeder Jobverlust ist sehr schmerzhaft“, sagte der CEO der UBS, Sergio Ermotti. Ob und wie viele Credit-Suisse-Mitarbeiter außerhalb der Schweiz die Bank verlassen müssen, wollte Ermotti nicht preisgeben.

 

Damit fällt der Kahlschlag der Credit Suisse-Übernahme durch die UBS nicht ganz so dramatisch aus, wie Experten befürchtet hatten. Insgesamt peilt der UBS-CEO in seiner neuen, mit Abstand größten Schweizer Bank, Kostensenkungen von zehn Milliarden US-Dollar an (9,17 Milliarden Euro).

Reingewinn von 29 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal

Ermotti legte das UBS-Ergebnis für das zweite Quartal vor: In den Monaten April, Mai und Juni erzielte die UBS einen Reingewinn von 29 Milliarden US-Dollar (26,6 Milliarden Euro). Dieser auf den ersten Blick märchenhafte Profit lässt sich mit dem Schnäppchenpreis für die Credit Suisse erklären, den die UBS im März ausgehandelt hatte: Es waren nur drei Milliarden Schweizer Franken (3,13 Milliarden Euro). Dem Deal war ein wochenlanger Überlebenskampf der Credit Suisse vorausgegangen.

In der Schweiz wird das Credit-Suisse-Schicksal mit Wehmut aufgenommen. „Die Überlebenskünstlerin ist am Ende“, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ in einem Nachruf. „Ihre Rolle als Geburtshelferin der modernen Schweiz kann der Credit Suisse jedenfalls niemand wegnehmen.“

Die Credit-Suisse-Story begann in Zürich, wo der Eisenbahnpionier Alfred Escher 1856 die Schweizerische Kreditanstalt gründete, die Vorgängerin der Credit Suisse. Die Kreditanstalt versorgte Schweizer Unternehmen mit Kapital und feuerte die Wirtschaft an. Gleichzeitig wuchs die politische Macht der Bank, die nahezu unbehelligt von Regierung und Parlament ihre Geschäfte machen konnte. In den 1980er Jahren wagten die Schweizer den Sprung in das große Investmentbanking, sie erwarben die US-amerikanische First Boston Corporation. Lange sprudelten in dem Credit-Suisse-Imperium die Milliardengewinne.

Die Hybris am Paradeplatz wuchs

Doch neben den Zahlen schwoll auch die Hybris am Zürcher Paradeplatz an. Die Manager schoben Gesetze immer öfter beiseite, produzierten Krisen und zerstörten Vertrauen. Der damalige Credit-Suisse-Chef Brady Dougan strich 2010 einen Bonus von 70,9 Millionen Franken ein. Im Jahr 2014 musste die Credit Suisse in den USA die Rekordstrafe von mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen wegen Hilfe bei der Steuerhinterziehung.

Zuletzt zogen die Kunden Milliarden ab, und die Bank fuhr Riesenverluste ein. Die Zürcher Sonntagszeitung des „Tages-Anzeigers“ fasst die anrüchige Strategie der Credit Suisse so zusammen: „Seien es Diktatoren- oder Mafiagelder, Korruptionsaffären, Geldwäscherei, Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Sanktionsbrüche – jedes Mal versprach die Bank, sich zu bessern. Stattdessen folgte auf jeden alten Skandal und auf jeden unfähigen Chef ein neuer.“