InterviewUdo Wachtveitl Zwischen Wirtschaft und Moral

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War das Thema illegaler Waffenhandel für Sie vor der Arbeit an dem Film präsent?
Nicht so präsent, wie es jetzt geworden ist dank der Beschäftigung mit dem Drehbuch und dank der medialen Aufmerksamkeit, die der Film erfährt. Hinzu kommt eine reale Erfahrung beim Drehen in Mexiko. Wir haben durch mexikanische Team­mitglieder mitbekommen, wie viele Waffen in diesem Land vagabundieren und wie einfach es auch für die Drogenkartelle ist, sich auf militärschem Niveau zu bewaffnen. Die Frage, wie mit der Überbewaffnung der Welt umzugehen ist, war in meiner Jugend – ich war 1968 zehn Jahre alt – schon ein Thema. Durch den Film hat sie jetzt noch einmal eine andere Dringlichkeit bekommen. Ich habe in den 1970er Jahren den Kriegsdienst verweigert, damals noch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.
Wer damals den Kriegsdienst verweigern wollte, war einer Kommission ausgesetzt, die einen mit Fangfragen zur Aussage verleiten wollte, dass man unter bestimmten Umständen doch bereit sei, eine Waffe einzusetzen.
Ja, daran erinnere ich mich noch gut. Aber mir liegt gar nichts daran, in dieses Wohlfühlgesäusel einzustimmen, dass, wer radikalpazifistisch gegen Waffen ist, gut ist. Ich bin froh, dass die Waffen der Alliierten im Kampf gegen Nazi-Deutschland funktioniert haben. Und 1995 in Srebrenica, als die niederländische Blauhelme die muslimischen Männer und Jungs nicht geschützt haben, hätte man sich gewünscht, sie hätten es getan. Ich bin grundsätzlich gegen Waffenhandel. Aber ich glaube, wir sollten erst einmal den Gesetzen zur Einschränkung des Waffenhandels, die im Laufe von Jahrzehnten mühsam errungen wurden, Geltung verschaffen. Wie der Film zeigt, hält man sich in Deutschland nicht immer an diese Gesetze.
Können Sie sich vorstellen, dass es legitim ist, durch Waffenlieferungen in eine der vielen aktuellen globalen Konfliktregionen eine Wende zum Guten herbeizuführen?
Es kann diesen Einzelfall geben, siehe Hitlerdeutschland. So einer Lieferung muss aber eine von moralischem Ernst geprägte Diskussion vorausgehen. Die Entscheidung muss von Moral und nicht von Wirtschaftsinteressen geleitet sein.
Ihr Kollege Axel Milberg, der die Rolle eines Waffenfirmenchefs spielt, sagt: über „Meister des Todes“: „Endlich! In diesem Film geht‘s um was.“ Daraus spricht eine Frustration darüber, an vielen Filmen mitgewirkt zu haben, für die das nicht zutrifft. Können Sie diese Haltung nachvollziehen?
Ja, aber ich würde das Statement abwandeln. Das Fernsehen ist leider voll von gut gemeinten Filmen, die relevant sein und Betroffenheit erzeugen wollen und stinklangweilig sind. Auch beim „Tatort“ ist es schon passiert, dass das Betroffenheitsgesülze einer guten, spannenden Krimigeschichte entgegensteht. Wenn man einen Film macht, hat man in erster Linie die Aufgabe, einen guten Film zu machen. Ist er dann noch relevant und erfüllt den öffentlich-rechtlichen Auftrag, dann ist das natürlich eine große Freude. Ich arbeite aber genauso gern an einer Komödie, in der sich zwei nicht kriegen und am Ende vielleicht doch. Ich finde es zweitrangig, ob am Ende noch die Welt erklärt wird.
Sie sind selbst zwar als vor allem als Schauspieler bekannt, haben aber auch schon bei Filmkomödien Regie geführt. Reizt es Sie, demnächst mal wieder auf die quasi andere Seite zu wechseln?
Das reizt mich schon, doch ich bin mit zunehmendem Alter der Freizeit zugeneigt. Mit drei „Tatorten“, meinen Leseprogrammen, Arbeiten für den Hörfunk und den Waffenhändler, den ich spielen durfte, bin in diesem Jahr bisher ganz gut ausgelastet gewesen. Aber ja, da ist schon wieder was am Köcheln.




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