Über das neue Album der Fantastischen Vier Wie „Die da!?!“ zurück auf die Bühne kam

Die Fantas im Studio in Liechtenstein Foto: © Copyright to Julian Konrad Photography 2022/Julian Konrad

Es gibt ein neues Album von den Fantastischen Vier: „The Liechtenstein Tapes“ ist voller alter Hits. Smudo erzählt, wie es dazu gekommen ist – und was auch leckere Burger für schlappe 50 Franken damit zu tun haben.

2022 war ein formidables Jahr für die Fantastischen Vier: Michi Beck, Thomas D, Smudo und And.Ypsilon konnten endlich ihre Stadiontour spielen – und auf den „Liechtenstein Tapes“ 15 ihrer Hits in eine neue, gereifte Form gießen.

 

Smudo, für das Album haben Sie Hits nun so aufgenommen, dass sie wie aus einem Guss klingen. Wer es nicht weiß, könnte kaum sagen, welche Stücke alt und welche jung sind.

Dass die Lieder gut altern, ist uns sehr wichtig. Beim Schreiben weißt du nicht, welche Themen zeitlos sein werden. Und was bleibt überhaupt übrig, wenn man nicht mehr naiv und voller Romantik ist? Wir versuchen gerade, neue Lieder zu machen, die wirklich eine Aussage haben und nicht langweilen, obwohl sie von älteren Menschen stammen. Leicht ist das nicht. Oder man zieht die guten alten Zeiten heran, legt einen knackigen Beat drunter und erzählt, wie es damals war.

Wie kam das Album zustande?

Das war zuerst wie eine selbstverschriebene Hausaufgabe. Wir wollten die Titel so aufnehmen, wie es früher üblich war, mit der Band in einem Raum, aber auch mit modernster Technik. Nach der Tour waren die Lieder in unseren Kleinhirnen optimal verdrahtet, also beschlossen wir, sie schön auf ein 24-Spur-Band draufzuknattern und das Ganze dann im immersiven Dolby-Atmos-Verfahren zu veredeln. Zwei Studios standen zur Auswahl: Abbey Road in London und die Little Big Beat Studios in Liechtenstein. Bei Abbey Road dachten wir, klingt toll, aber wird bestimmt total anstrengend, extra nach England, mieses Essen, blödes Hotel, und möglicherweise arbeitest du mit bornierten Leuten, für die du nur ein kleiner Fisch bist.

Also lieber Liechtenstein.

Genau. Wir hatten dort viel Platz, eine moderne analoge Anlage, Bandmaschinen und das ganze digitale Brimborium, das wir brauchten. Außerdem ist Liechtenstein um die Ecke von Vorarlberg in Österreich, wo wir im Örtchen Egg oft ein Häuschen gemietet haben, um an unseren Alben zu arbeiten. Gelebt haben wir alle zusammen Anfang Oktober in einer „Shining“-artigen Villa. Jeden Abend haben drei freakige österreichische Hippies ein fünfgängiges Menü für uns gekocht, ständig nahmen sich alle in den Arm und sagten Sachen wie „Hey, du bist so toll“.

Die Neuaufnahmen klingen spannend. „Ernten was wir säen“ klingt beinahe nach Hardrock.

Da haben wir den alten Metal-Mix, den es von der Nummer gab, nachgespielt, aber noch ausgefuchster. Manche Stücke haben eine Mordskraft bekommen.

Die erste Single ist „Die da!?!“. Die Fantas haben den Song jahrelang nicht live gespielt. Wie kam es zur Renaissance?

In der RTL-Doku kann man gut sehen, was das für eine traumatische Erfahrung war, als wir wegen „Die da!?!“ zu Teenieschwärmen wurden. Überall hat man uns angequatscht, und so originell fanden wir es bald nicht mehr, wenn uns die Leute auf der Straße ständig „Ihr seid doch die da“ entgegenplärrten. Uns wurde davon schlecht, deswegen haben wir den Song einfach weggelassen.

Bis?

Bis wir im März 2015 ein Privatkonzert im La Baracca in St. Moritz spielten. Ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann schmiss die Sause zum 40. Geburtstag seiner Frau – und hatte im Vorfeld nur einen Wunsch: „Die da!?!“ Wir sagten: „Nein, das spielen wir nicht.“ Und dann aßen wir 50-Franken-Burger im Hotel und beschlossen: Wir spielen es doch. Was für ein Spektakel! Wir tranken Schnäpse, wurden immer besoffener und während der ersten Strophe guckten Thomas und ich uns tief in die Augen, beseelt vom Gefühl, jetzt und hier tatsächlich „Die da!?!“ zu spielen. Die Leute flippten total aus, und seit diesem Abend haben wir „Die da!?!“ wieder im Programm – als ein Highlight der Show.

Immer wieder die da

Live
 Die Fantastischen Vier spielen am 22. 12. 2023 in der Schleyerhalle in Stuttgart: „Alle Jahre Die Da“. Die Dokuserie „Helden des Hip-Hop“ ist aktuell beim Streamingdienst RTL plus zu sehen.

Album
 Das Album „The Liechtenstein Tapes“ ist beim Label Rekord Music Publishing (Edel) erschienen.

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